Otto Seyffart Metallwarenfabrik
| Otto Seyffart Metallwarenfabrik | |
|---|---|
| Rechtsform | verschiedene |
| Gründung | 1851/52 |
| Auflösung | 1991 |
| Sitz | Altenburg/Thüringen |
Die Firma Otto Seyffart war eine Metallwarenfabrik und Werkstätte für Kunst und kunstgewerbliche Metallarbeiten in Altenburg/Thüringen, die heute vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Henry van de Velde (1863–1957) und Wilhelm Wagenfeld (1900–1990) bekannt ist.
Firmengeschichte
Theodor Friedrich Otto Seyffart wurde am 11. April 1823 als Sohn des späteren Hofgürtlermeisters Theodor Heinrich Seyffart (1794–1867) in Altenburg geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder Carl August Seyffart (1821–1883) erlernt er im väterlichen Betrieb das Gürtlerhandwerk. Während sein älterer Bruder anschließend im Betrieb seines Vaters bleibt und diesen später übernimmt, gründet Otto Seyffart 1852 am Weibermarkt in Altenburg seine eigene Gürtlerei. Im März 1855 übersiedelt der Handwerksbetrieb in die Johannisstraße 12, wo sich Otto Seyffart mit einigen Gesellen auf die Herstellung von Blechdosen-Scharnieren und Geldtaschenbügeln spezialisierte. Im Laufe der Jahre wird die Werkstatt schrittweise um eine Galvanische Anstalt und eine Messinggießerei erweitert.[1]
Am 16. Juni 1881 übernimmt Theodor Hugo Seyffart (1855–1907) den väterlichen Betrieb. Auch er ist Gürtlermeister, hat eine Ausbildung bei seinem Vater absolviert und die Wanderjahre erst in Stuttgart, dann in der Schweiz und in Österreich und schließlich in Neuötting verbracht. Während sich Hugo Seyffart auf die Herstellung von Möbelbeschlägen aus Messing spezialisiert, bleibt sein Vater weiter in der Gürtlerei beschäftigt und kümmert sich um die Scharnierband-Produktion. Bereits nach einem Jahr muss die Werkstatt um eine zweite Fertigungsstätte in der Jüdengasse in Altenburg erweitert werden. Zugleich beginnt dort die Ära der maschinellen Fertigung.[1]
Die Arbeitsräume in der Johannisstraße und in der Jüdengasse werden 1889 aufgegeben und die Firma siedelte sich mit ihren 30 Beschäftigten in der Schützenstraße 8b an. Hier stehen wesentlich größere Räume, eine Dampfmaschine und neue galvanische Bäder zur Verfügung. Gleichzeitig wird die Firma nun nicht mehr als Gürtlerei, sondern als „Otto Seyffart Metallwaaren-Fabrik. Werkstatt für Kunst- und kunstgewerbliche Gegenstände“ geführt.[1]
In den folgenden Jahren wird die Fabrik um ein neues Kesselhaus sowie eine neue Gießerei erweitert und die Zahl der Beschäftigten steigt auf über 80. Gleichzeitig entstehen erste Sozialräume mit Wasch- und Bademöglichkeiten für die Angestellten.
Am 30. Juli 1902 stirbt der Firmengründer Otto Seyffart mit fast 80 Jahren. Er hat bis zuletzt im Unternehmen gearbeitet und vor allem auch seinen Sohn vertreten, wenn dieser zur Warenpräsentation auf Messen und Ausstellungen im In- und Ausland weilte.[1]
Mit dem Auftrag zur Herstellung einiger Deckenleuchten für die Villa des Chemnitzer Textilfabrikanten Herbert Esche (1874–1962) beginnt um 1903 die Zusammenarbeit mit Henry van de Velde.[2] Es folgen schnell weitere Aufträge u. a. für das Clubhaus des Chemnitzer Lawn-Tennis-Clubs und für die Villa Hohenhof, das Wohnhaus des Kunstsammlers und Mäzens Karl Ernst Osthaus (1874–1921) in Hagen-Eppenhausen. Während mit der Herstellung der van de Velde-Leuchten eine exklusive Nische bedient wurde, lag das Kerngeschäft in der Massenproduktion von Möbelbeschlägen, Scharnierbändern, Handtuchhaltern und Garderoben. Schon 1904 musste die Gießerei durch einen Neubau in der Geraer Straße 72 ersetzt werden und die Zahl der Arbeiter und Angestellten stieg auf über 300.[1]
Auf dem Höhepunkt dieser wirtschaftlichen Entwicklung stirbt Hugo Seyffart am 26. Juli 1907 mit nur 51 Jahren. Sein Sohn Walter Seyffart (1885–1981), zu dieser Zeit noch in der Ausbildung, wird neuer Inhaber. Ihm zur Seite tritt Otto Bertram (1865–1940) als Mitinhaber in die Firma ein, die nun als Offene Handelsgesellschaft (OHG) firmiert.[1]
Walter Seyffart setzt die Zusammenarbeit mit Henry van de Velde fort und neben weiteren Leuchten werden nun auch Türbeschläge und andere Metallarbeiten für ihn gefertigt. Diese Zusammenarbeit endet kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges als Henry van de Velde Deutschland verlassen muss. Zu dieser Zeit hatte sich die Zahl der Mitarbeiter bereits deutlich reduziert.
Nach dem Ersten Weltkrieg wird die Produktion von Leuchten weitgehend aufgegeben. Stattdessen konzentriert sich die Firma nun auf die Herstellung von Möbelbeschlägen, Garderobenablagen und Kaminverkleidungen. Als neue Nischenprodukte werden Seifenschalen und andere Bad- und WC-Artikel hergestellt, die ab 1922 exklusiv über das Kaufhaus des Westens in Berlin vertrieben werden.
Ab Mitte der 1920er Jahre orientiert sich die Firma, die nun als „Messing- und Bronzewarenfabrik Otto Seyffart“ auftritt, zunehmend an der Formgebung der Moderne. Wenn auch kein direkter Kontakt zum Weimarer Bauhaus bestanden hat, so suchte man später durchaus den Kontakt zur Nachfolgeeinrichtung, der Staatlichen Bauhochschule Weimar. Um 1928 kommt es zu einer kurzen Zusammenarbeit mit Wilhelm Wagenfeld (1900–1990), der die dortige Metallwerkstatt leitet. Im Ergebnis entsteht ein Schreibtischbeschlag. Möglicherweise hat Wagenfeld aber auch Einfluss auf die neue Beschläge-Kollektion genommen, die gewisse Ähnlichkeiten mit Wagenfelds Entwürfen von 1928 aufweist und die zu jener Zeit auf dem Markt kommt.[1]
Bereits seit 1927 präsentiert sich die Firma regelmäßig im Frühjahr und im Herbst auf der Grassi-Messe[3] in Leipzig, dem bedeutendsten Kunsthandwerker-Treffen in Deutschland. Um dieser schon fast elitären Messe gerecht zu werden, beauftragt die Firma Walter Dexel (1890–1973), einen der führenden Grafiker jener Zeit, mit der Gestaltung ihrer Kataloge. Angeboten werden jetzt hauptsächlich Tür- und Möbelbeschläge, Garderobenablagen und Kaminverkleidungen aus Messing und Bronze.[1]
Zum 1. Januar 1936 scheidet Otto Bertram als persönlich haftender Gesellschafter aus der Firma aus. Gleichzeitig wird die Firma von einer offenen Handelsgesellschaft in eine Kommandit-Gesellschaft (KG) umgewandelt. Fortan wird sie von Walter Seyffart als „Werkstätte für kunstgewerbliche Metallarbeiten Otto Seyffart“ allein weitergeführt. Wirtschaftspolitische Maßnahmen der NS-Regierung zwingen die Firma zudem auf die Verarbeitung von Messing und Bronze zu verzichten. Die Gießerei in der Geraer Straße muss 1937 mangels Material geschlossen werden. So erfolgt ein Wechsel hin zu geschmiedeten Produkten und damit einhergehend auch eine Abkehr von der industriellen Produktion. Hergestellt werden nun in handwerklicher Arbeit Türbeschläge, Garderoben und vor allem Kaminverkleidungen und Kaminbestecke bis diese Produktion im Laufe des Zweiten Weltkrieges weitgehend zu Erliegen kommt.[1]
Die Altenburger Betriebsstätten in der nunmehrigen Schützenstraße 8b und die Gießerei in der Geraer Straße 72 überstehen den Krieg unbeschadet und so beginnt Walter Seyffart wieder mit der Herstellung von Möbelbeschlägen, Garderobenablagen und Feuergeräten. Auch die Herstellung von Ziffernblättern für Wanduhren, die man schon in der Zwischenkriegszeit begonnen hatte, wird wieder aufgenommen. Trotzt der bestehenden Besatzungszonen ist anfangs noch ein bescheidener Warenaustausch mit den westlichen Zonen möglich. Die Währungsunion bringt diesen Austausch schließlich 1949 weitgehend zum Erliegen und mit der Gründung der beiden deutschen Staaten brechen die im Westen liegenden Geschäftskontakte überwiegend ab.[1]
Im Jahr 1951 begeht die Firma Otto Seyffart ihr hundertjähriges Bestehen. Als nunmehriger Handwerksbetrieb ist der Fortbestand auch unter DDR-Bedingungen möglich. Die Messeaktivitäten werden wieder aufgenommen und wenn auch das Absatzgebiet nun deutlich kleiner ist, so gibt es genügend Abnehmer.
Ab 1958 tritt Gürtlermeister Gerhard Jungk (1929–1974) in die Firma ein und schrittweise werden mit Objekten der Stadtmöblierung und -gestaltung neue Aufgabengebiete erschlossen. Mit 84 Jahren übergibt Walter Seyffart die Firma schließlich 1969 an Gerhard Jungk, der mit neuartigen Techniken der Metallätzung erfolgreich ist. Sein plötzlicher Tod führt am 1. Januar 1975 zum Verkauf der Firma an den Staatlichen Kunsthandel der DDR.[4] Als Betrieb des Staatlichen Kunsthandels firmiert das Unternehmen vorerst weiter als „Kunsthandwerkliche Metallgestaltung Otto Seyffart“ mit dem Zusatz (Kunsthandwerksbetrieb Jungk) und wird von der Gürtlermeisterin Christa Barth geleitet. Nun werden vor allem Schmuckgegenstände und handwerkliche Metallarbeiten gefertigt, die in den Geschäften des Staatlichen Kunsthandels verkauft werden. Nicht selten auch gegen Devisen an westliche Besucher. Zugleich arbeitet die Firma mit der Metallklasse der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle Burg Giebichenstein zusammen. Studierende erhalten in den Werkstätten die Möglichkeit, ihre Entwürfe zu fertigen.
Um 1985 werden die Produktionsräume in der Schützenstraße 8b wegen massiver Bauschäden aufgegeben und die Firma übersiedelt in eine alte Villa in der damaligen Moskauer Straße 49 um.
Nach der Wende scheitert der Plan, die Villa mit Produktionsräumen und eigener Verkaufsgalerie zu einem „Haus der Kunst“ in Altenburg umzugestalten. Der Staatliche Kunsthandel der DDR wird ein Fall für die Treuhandanstalt und 1991 die „Werkstatt für kunsthandwerkliche Metallgestaltung“ nach 140 Jahren abgewickelt.
Ausstellungen
Vom 1. Mai bis 20. Oktober 1902 stellt die Firma Otto Seyffart Kaminverkleidungen auf der Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf aus.
Die Firma Otto Seyffart beteiligt sich 1906 mit einigen Leuchten für den von Henry van de Velde ausgestatteten Raum Weimar an der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden.[5]
Von Mai bis Oktober 1913 beteiligt sich die Firma Otto Seyffart mit einem eigenen Stand an der Internationalen Bau-Fachausstellung in Leipzig. Gezeigt werden Möbelbeschläge, Garderoben und Kaminverkleidungen.[6]
Seit 1927 (Möbelbeschläge, Garderobeablagen, Kamingeräte) bis 1941 (Kaminausstattungen wie Geräteständer, Holzscheitträger, Funkenfänger, Blasebalge u. a., Möbelbeschläge, Garderobeablagen, Garderobeständer) nahm die Werkstätte an den Grassimessen in Leipzig teil.[7]
Literatur
- Offizieller Katalog der Dritten Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung, Dresden, 1906, S. 28 u. S. 160
- Otto Seyffart Werkstätten für kunstgewerbliche Metallarbeiten Altenburg S.-A.: Preisbuch E: Beleuchtungskörper / Randzeichnungen und Umschlag von Karl Krebs, Altenburg, S.-A., 1910
- Wilhelm Wagenfeld: Gestaltung der Metallwaren, in: Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit, 3. Jg., 1928, 298–303
- Wilhelm Lotz: Werkzeug und Gerät, in: Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit, 5. Jg., 1930, S. 590
- Ausstellungskatalog Der gute billige Gegenstand, Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien 1930, S. IX-X
- Wilhelm Lotz: Wie richte ich meine Wohnung ein?, Berlin 1930, S. 156–157
- Karl-Heinz Hüter: Henry van de Velde. Sein Werk bis zum Ende seiner Tätigkeit in Deutschland, Akademie-Verlag Berlin 1967, S. 99–106
- Thomas Föhl und Antje Neumann (Hrsg.): Henry van de Velde. Raumkunst und Kunsthandwerk. Ein Werkverzeichnis in sechs Bänden. Band 1: Metallkunst, Leipzig 2009, S. 580–581
- Harald Wetzel: Die Metallwarenfabrik Otto Seyffart – Eine Werkstatt für kunstgewerbliche Metallarbeiten in Altenburg, in: Altenburger Geschichte- und Hauskalender 2025, E. Reinhold Verlag, 2025, S. 162–173
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Harald Wetzel: Die Metallwarenfabrik Otto Seyffart - eine Werkstatt für kunstgewerbliche Metallarbeiten in Altenburg. In: Altenburger Geschichts- und Hauskalender. Band 34, Nr. 2025. E. Reinhold Verlag, Altenburg 2024, ISBN 978-3-95755-092-7, S. 162–173.
- ↑ Werkverzeichnis Henry van de Velde (Suchbegriff Seyffart). Abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Grassimesse Archiv 1937. Abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ DDB Schriftgut zu Übernahme 1975. Abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Offizieller Katalog der Dritten Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung, Dresden 1906. 4. Auflage. Baensch, Dresden August 1906, S. 28, 160.
- ↑ Offizieller Führer durch die Internationale Baufach-Ausstellung mit Sonderausstellung, Leipzig 1913. C. F. Müller, Leipzig 1913.
- ↑ Grassi Museum für Angewandte Kunst Jahresbericht 2021/2022 (S. 75). Abgerufen am 18. September 2025.