Otto Scheuerbrand

Otto Scheuerbrand (* 8. Juni 1917 in Ludwigshafen am Rhein[1]; † am oder kurz vor dem 20. Mai 1944 im KZ Mauthausen[2]) wurde als schwules Opfer des Nationalsozialismus ermordet.

Herkunft

Otto Scheuerbrand war der Sohn von Otto Johann Scheuerbrand und dessen Frau, Philippine, geb. Stohner. Er hatte vier Schwestern. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen in Ludwigshafen.

Leben

Am 23. Mai 1934 erstattete der Stadt- und Schularzt von Ludwigshafen, Dr. Werner, eine Anzeige gegen Otto Scheuerbrand, was aufgrund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses dazu führte, dass die Behörden die ganze Familie Scheuerbrand untersuchte. Otto Scheuerbrand musste sich einem Intelligenztest unterziehen und sein „Fall“ wurde in einer nichtöffentlichen Sitzung des Erbgesundheitsgerichts beim Amtsgericht Frankenthal verhandelt. Beisitzer waren der Bezirksarzt Dr. Weiss und der Facharzt für Nervenkrankheiten Dr. med. Ph. Deforth.[3] Die Entscheidung des Gerichts vom 14. Juli 1934 lautet auf Sterilisierung auf Staatskosten. Der Vater – Otto war noch minderjährig – legte gegen die Entscheidung Widerspruch ein, nahm ihn allerdings später zurück.[Anm. 1] Otto Scheuerbrand wurde daraufhin im Alter von 17 Jahren im Städtischen Krankenhaus Ludwigshafen sterilisiert.[2]

Zwischen Oktober 1935 und Juni 1941 wurde Otto Scheuerbrand polizeilich auffällig und erhielt Vorstrafen wegen Bettelei und Verstößen gegen § 175 RStGB, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Der Straftatbestand war 1935 erheblich verschärft worden. Otto Scheuerbrand wurden „unzüchtige Handlungen“ und „Unzucht mit Männern“ vorgeworfen. Am 27. Juni 1941 verurteilte ihn das Amtsgericht Mannheim wegen „Erregung geschlechtlichen Ärgernisses“ zu einem Jahr Gefängnis. Im Anschluss an die Strafhaft wurde er wegen „Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit“ zunächst in das KZ Dachau, dann das KZ Flossenbürg und schließlich in das KZ Mauthausen überstellt.[2]

Am 4. Juni 1943 schrieb sein Vater einen Brief an die Lagerleitung und bat um die Freilassung seines Sohnes, da die Familie ihn dringend zur Mithilfe für den Unterhalt brauche – erfolglos. Am 20. Mai 1944 teilte die Kommandantur des KZ Mauthausen seinen Eltern mit, dass Otto an „allgemeinem Körperverfall im hiesigen Krankenhaus verstorben“ sei.[2]

Rehabilitierungsversuch und Gedenken

Der Vater, Otto Johann Scheuerbrand, wandte sich nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes an die Betreuungsstelle für Opfer des Nationalsozialismus und an den Oberbürgermeister der Stadt Ludwigshafen, Valentin Bauer (SPD), um seinen Sohn als Opfer des Nationalsozialismus anerkennen zu lassen. Die Behörden lehnten das ab, weil Otto als Krimineller verurteilt worden sei und deshalb zu Recht im KZ eingesessen und auch den Faschismus nicht aktiv bekämpft habe.[2] Noch 1969 urteilte die Ludwigshafener Kriminalpolizei: „Als Opfer des Nationalsozialismus ist Scheuerbrand nicht anzusehen.“[4]

Lernende des Leistungskurses Geschichte Q3 des Pfalz-Kollegs und -Abendgymnasiums in Speyer haben sich im Rahmen ihres Unterrichts mit der Biographie von Otto Scheuerbrand befasst, dazu recherchiert und letztendlich einen Stolperstein für ihn initiiert, der am 28. Oktober 2019 gesetzt wurde. Er liegt vor dem Haus in der Maxstraße 52 in Ludwigshafen. Es war der erste Stolperstein, der in Ludwigshafen für ein schwules Opfer des Nationalsozialismus verlegt wurde.[5] Der Präsident des Landtags Rheinland-Pfalz, Hendrik Hering, ging in seiner Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2020, der als Plenarsitzung in der Gedenkstätte KZ Osthofen stattfand, ausführlich auf das Schicksal von Otto Scheuerbrand ein.[6]

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Kleinschnitger (Weblinks) vermutet, dass er unter Druck gesetzt wurde.

Einzelnachweise

  1. Ziegeler / Patzelt (Weblinks).
  2. a b c d e Kleinschnitger (Weblinks).
  3. Zu ihm vgl.: NN: 20th September 1938 – Deforth & Scheuerbrand auf the Brief History project; abgerufen am 28. Oktober 2025. [Es handelt sich überwiegend um eine wörtliche Übersetzung des Textes von Monika Kleinschnitger (Weblinks)].
  4. Ellen Korelus-Bruder: Lernprojekt zur NS-Zeit geht unter die Haut in Die Rheinpfalz vom 6. Februar 2020; abgerufen am 28. Oktober 2025.
  5. Stolpersteinverlegung in Ludwigshafen am 28.10.2019 auf der Homepage des Pfalz-Kollegs und -Abendgymnasiums in Speyer; abgerufen am 28. Oktober 2025.
  6. Präsident des Landtags Rheinland-Pfalz (Hg.): Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2020 (=Schriftenreihe des Landtags Rheinland-Pfalz, Heft 80). Mainz 2020. ISSN 1610-3432, S. 5–13 (8f.).