Otto Goritz (Sänger)
Otto Dietrich Robert Goritz (* 8. Juni 1872 in Berlin; † 12. April 1929 in Hamburg[1]) war ein deutscher Theaterschauspieler und Opernsänger (Bariton).
Leben
Goritz, Sohn des Hofschauspielers Otto Goritz (Otto Alexander Johannes Goritz, * 1841 in Danzig; † 1897 in Berlin) und der Sängerin Olga Nielitz (Olga Luise Caroline Nielitz, * 1842 in Narva, Estland),[2] studierte bei seiner Mutter Gesang.
Zunächst arbeitete er als Schauspieler von 1888 bis 1890 am Stadttheater von Bremen und von 1892 bis 1893 am Stadttheater von Aachen.
Als Opernsänger trat er im Oktober 1895 sein erstes Engagement am Hoftheater in Neustrelitz an, wo er als „Matteo“ in Fra Diavolo debütierte und vier Jahre dort blieb. Er war ein beliebtes Mitglied dieser Bühne und wurde wiederholt durch Einladungen zu Hofkonzerten geehrt.
1899 trat er in den Verband des Breslauer Stadttheaters und wurde von 1901 bis 1903 ans Hamburger Stadttheater engagiert. 1903 gab er ein Gastspiel an der Wiener Staatsoper.
Danach ging er an die Metropolitan Opera nach New York , wo er am 24. Dezember 1903 als „Klingsor“ im Parsifal (trotz Verbots aus Bayreuth) debütierte, und an der er sehr erfolgreich als Wagnerinterpret tätig war.
1917, mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg, musste er als Deutscher seine Karriere nach 14 Spielzeiten, 23 Partien und 625 Auftritten,[3] aufgeben und wurde als „feindlicher Ausländer“ interniert. Nach dem Krieg wollte er erneut in den USA auftreten; Demonstrationen gegen ihn veranlassten ihn jedoch, die USA zu verlassen und dort nie wieder aufzutreten.
Nach Deutschland zurückgekehrt, war er von 1920 bis 1921 erneut in Hamburg und von 1922 bis 1925 an der Großen Volksoper Berlin tätig.
Goritz heiratete 1897 in Görlitz die Schauspielerin Emma Rahé (* 1870/71 in Leipzig). Das Paar hatte 2 Töchter: Senta (* 1898 in Neustrelitz)[4] und Eva (* 1903 in New York; † 1997 in Lubec).[5]
Otto Goritz starb im Alter von 56 Jahren in seiner Hamburger Wohnung in der Grindelallee. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg im Planquadrat R 21 (südöstlich Kapelle 2 an der Kapellenstraße) beigesetzt. Sein Grabstein, eine aus Ziegelsteinen gemauerte Stele, ist nicht mehr erhalten.[6]
Tondokumente
Seine ersten Schallplatten erschienen bei Odeon (Berlin 1906), weitere in den USA auf Victor (1911–13), Edison (1915) und Columbia (1916–17).
Literatur
- Goritz, Otto in: Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 339 (Textarchiv – Internet Archive).
- Goritz, Otto in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 1790
Weblinks
- Otto Goritz im Bayerischen Musiker-Lexikon Online (BMLO)
- Otto Goritz bei Operissimo auf der Basis des Großen Sängerlexikons
- Otto Goritz in: Discography of American Historical Recordings (mit Hörbeispielen)
- Otto Goritz bei Discogs
- Otto Goritz Bilder in der Sammlung Manskopf der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Otto Goritz Tondokumente in der National Jukebox der Library of Congress (englisch). Abgerufen am 17. Juni 2019.
- Klaus Ulrich Spiegel: The Met’s German Voice – Der fachüberschreitende Bassbariton Otto Goritz auf ku-spiegel.de
Einzelnachweise
- ↑ Standesamt Hamburg 03, Sterbeurkunde Nr. 253 vom 13. April 1929
- ↑ Heiratsnachweis der Eltern: Tallinn, Estland, Kirchgemeinderegister Verlobte, Aufgebotene und Getraute im Jahre 1866, Eintrag Nr. 8
- ↑ Otto Goritz in der Metropolitan Opera database
- ↑ Kirchenbuch der Stadtgemeinde zu Neustrelitz, Eintrag Nr. 44 vom 8. März 1899 (Taufe)
- ↑ NYC Historical vital records [1]
- ↑ Heiko Bockstiegel: Grabstätten bedeutender Opernsängerinnen und -sänger auf dem Friedhof Ohlsdorf [2]