Othmar Staub
Josef Othmar Staub auch Josef Othmar Staub-Zingg (* 30. September 1847 in Mettendorf bei Gossau; † 18. November 1933 in Gossau) war ein Schweizer Lehrer und Politiker.
Leben
Familie
Othmar Staub war katholisch und stammte aus einer Landwirtsfamilie und war der Sohn von Johann Baptist Staub und dessen Ehefrau Anna Maria (geb. Urscheler).
Im Jahr 1876 heiratete Othmar Staub Anna Maria Zingg, die Tochter eines Landwirts; gemeinsam hatten sie sechs Kinder[1]; zu diesen gehörte unter anderem der gleichnamige spätere Bankdirektor und Kirchenpräsident Josef Othmar Staub († 3. Juni 1932)[2][3] und ihre Tochter Maria Staub (* 6. Januar 1893; † 4. September 1986), die den Tierarzt Leo Fürer († 30. Oktober 1960)[4] heiratete. Sie war die Präsidentin des Frauenhilfsdienstes der Gemeinde Gossau und kümmerte sich um die Betreuung der Soldatenstube der Internierten und die Organisation des Landdienstes.[5]
Sein Enkel war der spätere Generaldirektor der Nestlé-Alimentana AG, Arthur Fürer (* 18. Dezember 1920 in Gossau; † 6. Januar 2008 in Küssnacht)[6].
Werdegang
Nach dem Besuch des Lehrerseminars (siehe Pädagogische Hochschule St. Gallen)[7] in Rorschach von 1869 bis 1873 begann Staub seine berufliche Laufbahn als Lehrer in Ganterschwil. Diese Tätigkeit legte den Grundstein für seine späteren politischen Ambitionen und sein Verständnis für die Bildungsbedürfnisse der Gemeinschaft.
Von 1873 bis 1877 war er als Amtsschreiber im Bezirk Alttoggenburg tätig, gefolgt von einer ähnlichen Position im Bezirk Gossau bis 1879. Seine administrative Kompetenz und sein Engagement für die öffentliche Verwaltung führten 1879 zu seiner Wahl zum Bezirksammann von Gossau, ein Amt, das er bis 1924 innehatte.
Neben seiner politischen Karriere war Staub auch in der Finanzwelt aktiv. Im Jahr 1881 war er Mitgründer der Bank in Gossau und bis 1908 deren Verwalter. Diese Rolle ermöglichte es ihm, einen direkten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu nehmen und die finanziellen Bedürfnisse der Gemeinde zu unterstützen.
Seine politische Karriere entwickelte sich in den folgenden Jahren weiter. Von 1882 bis 1927 war Staub Mitglied des katholisch-konservativen St. Galler Kantonsrats, den er zweimal präsidierte. 1885 lehnte er die Wahl in den Regierungsrat ab, was seine spezifischen politischen Ambitionen und Prioritäten verdeutlichte. Zwischen dem 4. Juni 1888 und dem 1. November 1919 war er zudem Nationalrat, wobei er von 1905 bis 1911 als Fraktionspräsident der katholisch-konservativen Fraktion fungierte[8]; im Nationalrat war er der Nachfolger des verstorbenen Johann Fridolin Müller[9] und als Fraktionspräsident folgte er Caspar Decurtins.[10]
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt von Staubs Engagement war seine Mitgründung, gemeinsam unter anderem mit dem Politiker Johann Baptist Schubiger, des konservativen Vereins Jung St. Gallen im Jahr 1875, der 1892 zur Gründung der Konservativen Volkspartei des Kantons St. Gallen führte. Diese politische Bewegung stellte sich gegen die wachsende liberale Strömung und setzte sich für die Werte der konservativen Bürger ein. Im Jahr 1912 trug Staub zur Gründung der Konservativen Volkspartei der Schweiz bei.
Zusätzlich war Staub von 1886 bis 1929 Mitglied der St. Galler Kantonalbankkommission, wo er seine Expertise im Finanzsektor einbringen konnte. Diese Position festigte seinen Einfluss auf die wirtschaftlichen Belange des Kantons und ermöglichte es ihm, die Entwicklung der Bankinstitutionen in St. Gallen aktiv zu gestalten.
Literatur
- Othmar Staub. In: Thurgauer Zeitung vom 20. November 1933. S. 2 (Digitalisat).
- Othmar Staub. In: Neue Zürcher Zeitung vom 22. November 1933. S. 5 (Digitalisat).
- Othmar Staub. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 22. November 1933. S. 2 (Digitalisat).
- Wolfgang Göldi: Othmar Staub. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Othmar Staub auf der Website der Bundesversammlung.
- Othmar Staub. In: Schweizerische Eliten im 20. Jahrhundert.
Einzelnachweise
- ↑ TraueranzeigeNeue Zürcher Nachrichten. 20. November 1933, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Totentafel. In: Neue Zürcher Nachrichten. 6. Juni 1932, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Todes-Anzeige. 4. Juni 1932, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Trauer-Anzeige. In: Neue Zürcher Nachrichten. 2. November 1960, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Lebensgeschichten. In: frauenspur-gossau.ch. Abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Albert Pfiffner: Arthur Fürer. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 1. Februar 2008, abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Geschichte der PHSG | Pädagogische Hochschule St.Gallen. Abgerufen am 19. September 2025.
- ↑ Urs Altermatt: Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto: die Entstehungsgeschichte der nationalen Volksorganisationen im Schweizer Katholizismus 1848-1919. Saint-Paul, 1995, ISBN 978-3-7278-0968-2 (google.de [abgerufen am 19. September 2025]).
- ↑ Bundesblatt. Schweizerische Eidgenossenschaft, 1888 (google.de [abgerufen am 19. September 2025]).
- ↑ Bernhard Wigger: Die Schweizerische Konservative Volkspartei 1903-1918: Politik zwischen Kulturkampf und Klassenkampf. Saint-Paul, 1997, ISBN 978-3-7278-1125-8 (google.de [abgerufen am 19. September 2025]).