Oswald Schön

Oswald Schön (* 6. April 1836 in Menzingen; † 20. März 1879 in Bern) war ein Schweizer Lehrer und Schriftsteller; er schrieb unter verschiedenen Pseudonymen, unter anderem als Meinrad Ernst, Traugott Imgrün, O. Sch. und n Prosa und Poesien, sowie als Habakuk komische satirische Gedichte.

Leben

Familie

Oswald Schön entstammte der Familie Schön[1]. Er kam aus armen Verhältnissen und musste sich im Laufe seines Lebens von bescheidenen Verhältnissen emporarbeiten. Schon früh zeigte sich sein aussergewöhnliches Talent, das jedoch oft nicht zu einem vollendeten Abschluss führte.

In Gossau heiratete er in erster Ehe; gemeinsam hatten seine Ehefrau und er mehrere Kinder. Anfang der 1870er Jahre heiratete er in Bern in zweiter Ehe, wurde jedoch kurz darauf wieder verlassen.

Er starb im Inselspital in Bern.

Ausbildung und frühe Jahre

Oswald Schön besuchte das Gymnasium in Zug im Schuljahr 1850/51 und wechselte anschliessend an die Lehranstalt (siehe Stiftsschule Einsiedeln) des Stiftes Einsiedeln, wo er bis 1853 blieb. Danach kehrte er an die höhere Stadtschule von Zug zurück, wo er sich intensiv mit der deutschen Sprache und Literatur auseinandersetzte; er verfasste auch Dramen, die von seinen Mitschülern aufgeführt wurden. Im Winter 1855 verliess er Zug, um am Lyzeum in Solothurn Theologie zu studieren. Doch seine innere Berufung führte ihn auf einen anderen Weg, was er in einem ausführlichen Schreiben an seine Mutter († 2. Mai 1874) zum Ausdruck brachte, die seinen Entschluss akzeptierte.

Berufliche Laufbahn

Nach dem Abbruch seines Theologiestudiums in Solothurn und dem Entzug seines Stipendiums, wandte sich Schön nach Bern und studierte in Pruntrut die französische Sprache. Am 9. Mai 1858 trat er als einziger Lehrer an der Realschule in Gossau in den Schuldienst[2], verliess diese jedoch bereits am 9. Mai 1860. Kurzzeitig hielt er sich mit seinem Bruder in Luzern[3] auf und anschliessend war er einige Zeit als Privatlehrer in Zürich tätig, bevor er im Juli 1861 in La Chaux-de-Fonds Professor der deutschen Sprache und Literatur wurde.

Literarisches Schaffen

Schön führte ein unruhiges Leben, das von Schwierigkeiten geprägt war. Diese Erfahrungen spiegelten sich in seinem Hauptwerk Theobold wider, das er als Fragment hinterliess und das sich durch einen wirren Zusammenhang und fehlende Tendenz auszeichnete. Trotz seiner kreativen Begabung gelang es ihm nicht, seine literarischen Ideen in eine vollendete Form zu bringen.

In der Zeit, die als Sturm- und Drangperiode bezeichnet werden kann, verfasste er mehrere Werke, darunter Der Schweizer Schützenfahrt nach Frankfurt a. M. im Juli des Jahres 1862 sowie Entwicklungsgeschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft und Bilder aus allerlei Tagen. Besonders bemerkenswert ist sein Ausfall gegen den Berner Dichterbund Chuzia, der ihm Kontroversen einbrachte und seinen Ruf schädigte.

Nachdem er im Jahr 1867 die Ecole Industrielle verlassen hatte, gründete er mit seinem Bruder die Jurazeitung. Diese Unternehmung war anfangs wenig erfolgreich, und Schön sah sich bald mit persönlichen Verlusten konfrontiert, darunter der Tod seiner Frau und der Verlust seiner Bibliothek. In dieser Zeit erhielt er eine provisorische Anstellung als Bezirkslehrer in Zurzach.

Spätere Jahre und Rückkehr zur Literatur

Nach seinem gewünschten Abschied reiste Schön 1870 nach Basel, wo er in einem Auskunftsbüro arbeitete. Während des Deutsch-Französischen Kriegs unternahm er eine Reise durch das Elsass und Lothringen, die ihn an seine Grenzen brachte. Doch kehrte er mit neuen literarischen Ambitionen zurück und begann, Gedichte und Erzählungen zu verfassen. Diese Phase brachte ihm eine gewisse Anerkennung, und er konnte seine schriftstellerischen Talente entfalten.

Im Herbst 1871 erhielt er eine Anstellung an der Kantonsschule Solothurn, wo er die Professur für deutsche Sprache und Literatur vorübergehend übernahm. Nach einem Jahr wurde er jedoch erneut in seiner Position untragbar und kehrte nach Bern zurück. Dort gründete er, inspiriert durch den Rheinländischen Hausfreund von Johann Peter Hebel den Hausfreund - Schweizer Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für das Volk ein Schweizerblatt, das als Plattform für verkannte Dichter und verborgene Talente diente. Aufgrund seiner Fähigkeiten war er in der Lage aus einem stofflichen Durcheinander ein formvollendetes Ganzes zu gestalten, sodass Manuskripte, die kaum den Druck wert waren, druckfähig gemacht worden.

Dazu schrieb er seit 1871 verschiedene Beiträge in der Illustrirten Schweiz, unter anderem die Monografie Das grosse Dorf, eine umfassende Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der industriereichen Stadt Chaux-de-Fonds, sowie die freien Übersetzungen aus dem Französischen Die Ambulance des Herrn Tricoche und Dunkle Pfade.

Nach 1874 erhielt er bei der Thurgauer Zeitung eine Anstellung als ständiger Korrespondent mit sicherer Jahresbesoldung. Er redigierte dazu den Bundeskalender.[4]

1875 übernahm er die Redaktion des Freien Glarner, trat aber noch im selben Jahr von diesem Amt zurück.[5][6]

Durch seine vielfältigen schriftstellerischen Tätigkeiten konnte er schliesslich eine gewisse Stabilität in seinem Leben erreichen.

Zu seinen besten Erzählungen zählten 1873 Die geheimnissvollen Beinkleider und 1879 Die Verschwörung in der blauen Bohne.

Schriften (Auswahl)

  • Entwicklungsgeschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft für Schule und Volk. Zürich, 1861 (Digitalisat).
  • Der Schweizer Schützenfahrt nach Frankfurt am Main im Juli des Jahres 1862. Zürich, 1862 (Digitalisat).
  • Jean Richard und Jaquet Droz. In: Grütlianer vom 15. April 1863. S. 5–6 (Digitalisat).
  • Jean Richard und Jaquet Droz (Fortsetzung). In: Grütlianer vom 29. April 1863. S. 3–4 (Digitalisat).
  • Jean Richard und Jaquet Droz (Fortsetzung). In: Grütlianer vom 6. Mai 1863. S. 6–7 (Digitalisat).
  • Jean Richard und Jaquet Droz (Schluss). In: Grütlianer vom 27. Mai 1863. S. 2–3 (Digitalisat).
  • Bilder aus allerlei Tagen: Dichtungen und Prosastücke. Aarau, 1865 (Digitalisat).
  • Eine geheimnissvolle Geschichte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 19. Juni 1871. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Eine geheimnissvolle Geschichte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 20. Juni 1871. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Eine geheimnissvolle Geschichte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 21. Juni 1871. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Schweizerischer Bundeskalender für 1878. Bern, 1877 (Digitalisat).
  • Die Erschliessung von Inner-Afrika und ihre Bedeutung für die Schweiz. In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 19. Mai 1878. S. 156–157 (Digitalisat).
  • Die Erschliessung von Inner-Afrika und ihre Bedeutung für die Schweiz (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 26. Mai 1878. S. 164–165 (Digitalisat).
  • Die Erschliessung von Inner-Afrika und ihre Bedeutung für die Schweiz (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 2. Juni 1878. S. 172–174 (Digitalisat).
  • Die Erschliessung von Inner-Afrika und ihre Bedeutung für die Schweiz (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 9. Juni 1878. S. 179–181 (Digitalisat).
  • Die Erschliessung von Inner-Afrika und ihre Bedeutung für die Schweiz (Fortsetzung und Schluss). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 16. Juni 1878. S. 186–189 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 2. Juli 1878. S. 1 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 3. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 4. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 5. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 8. Juli 1878. S. 1 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 9. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 10. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 11. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 12. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 13. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 15. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche. In: St. Galler Zeitung vom 16. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Die Ambulance des Herrn Tricoche (Schluss). In: St. Galler Zeitung vom 17. Juli 1878. S. 1–2 (Digitalisat).
  • Das Unterrichtswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 3. November 1878. S. 345–347 (Digitalisat).
  • Das Unterrichtswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 10. November 1878. S. 353–355 (Digitalisat).
  • Das Unterrichtswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 17. November 1878. S. 361–362 (Digitalisat).
  • Das Unterrichtswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika (Schluss). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 24. November 1878. S. 369–370 (Digitalisat).
  • Jahrzeiten verstorbener Eidgenossen. In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 8. Dezember 1878. S. 385–387 (Digitalisat).
  • Jahrzeiten verstorbener Eidgenossen. In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 15. Dezember 1878. S. 393–395 (Digitalisat).
  • Jahrzeiten verstorbener Eidgenossen (Fortsetzung und Schluss). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 22. Dezember 1878. S. 401–403 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 16. Februar 1879. S. 53–55 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 23. Februar 1879. S. 61–63 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 2. März 1879. S. 69–70 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 9. März 1879. S. 77–79 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 16. März 1879. S. 85–87 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Fortsetzung). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 23. März 1879. S. 93–95 (Digitalisat).
  • Die Verschwörung in der Blauen Bohne (Schluss). In: Sonntagsblatt des "Bund" vom 30. März 1879. S. 101–104 (Digitalisat).

Literatur

  • Oswald Schön. In: Die poetische Nationalliteratur der deutschen Schweiz, Band 4. Glarus, 1876. S. 551–556 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Berner Post und Tagblatt der Stadt Bern vom 21. März 1879. S. 1 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Der Bund vom 22. März 1879. S. 3 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Thurgauer Zeitung vom 22. März 1879. S. 2 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Zuger Volksblatt vom 6. August 1879. S. 2–3 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Zuger Volksblatt vom 9. August 1879. S. 2–3 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Sammlung Bernischer Biographien, 1. Band. Bern, 1884. S. 152–153 (Digitalisat).
  • Oswald Schön. In: Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, 6. Band. 6. Auflage. Leipzig, 1913. S. 283 (Digitalisat).

Einzelnachweise

  1. Renato Morosoli: Schön. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 18. Mai 2010, abgerufen am 16. September 2025.
  2. Tagesneuigkeiten: Schweiz - St. Gallen. In: Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz. 9. Mai 1858, abgerufen am 16. September 2025.
  3. Öffentliche Aufforderung. In: Neue Zuger Zeitung. 15. September 1860, abgerufen am 16. September 2025.
  4. Schweizerischer Bundeskalender. In: Neue Zuger Zeitung. 14. Dezember 1878, abgerufen am 17. September 2025.
  5. Presse. In: Der Bund. 20. September 1875, abgerufen am 17. September 2025.
  6. Eidgenossenschaft. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Januar 1875, abgerufen am 17. September 2025.