Osteo-Odonto-Keratoprothese
Die Osteo-Odonto-Keratoprothese OOKP („Knochen-Zahn-Hornhautprothese“) ist ein spezielles chirurgisches Verfahren zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei Patienten mit schwerer Erkrankung der Hornhaut. Die Methode nutzt einen eigenen Zahn des Patienten, weshalb auch von einer „Zahn-im-Auge“-Operation gesprochen wird.[1][2]
Die Osteo-Odonto-Keratoprothese wurde 1963 vom italienischen Augenchirurgen Professor Benedetto Strampelli entwickelt. Strampelli war 1966 Gründungsmitglied des International Intra-Ocular Implant Club (IIIC). Die Methode wurde später von Giancarlo Falcinelli weiterentwickelt.[3]
Anwendungsgebiet
Die OOKP richtet sich an Patienten mit einer schweren Hornhauterkrankung, bei denen andere Therapieoptionen, wie etwa eine Hornhauttransplantation, ausgeschöpft sind. Es handelt sich um Spezialfälle, bei denen die Hornhaut so stark geschädigt ist, dass sie ihre grundlegende Funktion als optisches Medium verloren hat. Viele der Patienten sind zum Zeitpunkt der OOKP-Operation praktisch blind oder nehmen nur noch Hell-Dunkel-Kontraste wahr.[4]
Operationsverfahren
Eine OOKP läuft in zwei Phasen ab:[5]
Erste Phase
Dem Patienten werden ein Zahn (meist ein Eckzahn) und ein Teil des umgebenden Kieferknochens entnommen. Aus dem Zahn resp. der Zahnwurzel und dem Knochen wird eine etwa 3 mm dicke Platte (Lamelle) mit einer Länge von ca. 12 mm und einer Breite von ca. 6 mm geschnitten. Senkrecht zur Platte wird in der Mitte ein Loch mit einem Durchmesser von etwa 3,5 mm gebohrt, das anschließend mit einer zylindrischen Kunstlinse aus Plexiglas (Röhre) versehen wird.
Die flache Zahn-Knochen-Platte mit der optischen Linse wird zunächst nicht ins Auge implantiert, sondern für etwa vier Monate in die Wange des Patienten eingesetzt. Diese vorübergehende Implantation ermöglicht es der Zahn-Knochen-Lamelle, sich mit lebendem Gewebe zu verbinden und eine eigene Blutversorgung aufzubauen. Dieser Schritt ist entscheidend, damit das Implantat später im Auge nicht abgestoßen wird.
Zweite Phase
Nach etwa vier Monaten erfolgt die Transplantation: Die dünne Zahn-Knochen-Platte mit der integrierten Linse wird aus der Wange entnommen und in das Auge implantiert. Vorgängig werden dazu Linse, Iris und ein Teil der Hornhaut entfernt.[6]
Der große Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die Zahn-Knochen-Platte als biologischer Anker dient, der vom Körper nicht abgestoßen wird, da es sich um körpereigenes Gewebe handelt.
Risiken und Nachsorge
Die Osteo-Odonto-Keratoprothese kann Infektionen auslösen sowie die Abstoßung/Erosion der Prothese und ein Glaukom (grüner Star) zur Folge haben. Weitere mögliche Komplikationen sind Netzhautablösung und Glaskörperblutung.[7][8]
Patienten benötigen eine lebenslange Nachsorge und regelmäßige Augenuntersuchungen, um Komplikationen zu erkennen und zu behandeln.
Konklusion
Die Osteo-Odonto-Keratoprothese zeichnet sich durch gute Langzeiterfolge aus. Die Lebensqualität der Patienten wird dadurch deutlich verbessert.[9][10]
Einzelnachweise
- ↑ Osteo-odonto-keratoplasty: A Review. (PDF) 2011, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Modified Osteo-Odonto-Keratoprosthesis - EyeWiki. Abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ Zahn-im-Auge-OP: Wie ein Kanadier nach 21 Jahren wieder sehen konnte. 17. August 2025, abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ Jaswinder Kaur: Osteo-odonto keratoprosthesis: Innovative dental and ophthalmic blending. In: Journal of Indian Prosthodontic Society. 2018, PMC 5903185 (freier Volltext) – (englisch).
- ↑ Osteo-Odonto-Keratoprosthesis (OOKP) instructional video - Prof. Dr. David Goldblum. Abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ Deutscher Verlag für Gesundheitsinformation: Keratoprothese: Informationen & Kreatoprothesen-Spezialisten. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Anna Tan, Donald T. Tan, Xiao-Wei Tan, Jodhbir S. Mehta: Osteo-odonto keratoprosthesis: systematic review of surgical outcomes and complication rates. Januar 2012, PMID 22330056.
- ↑ Keratoprothesen (Boston-Keratoprothese und Osteo-Odonto-Keratoprothese). In: Die Augenheilkunde: Das Referenzwerk. Springer, Berlin/Heidelberg 2025, doi:10.1007/978-3-662-65823-9_147.
- ↑ Alexandra France, Harsha De Silva, Darryl Tong, Li Mei, Guangzhao Guan: A Decade of Breakthroughs in Osteo-Odonto-Keratoprosthesis (OOKP) and Modified OOKP—Global Insights into Surgical Techniques, Outcomes, and Pioneering Research. 15. Mai 2025, doi:10.1080/08820538.2025.2503910.
- ↑ Ortenau Klinikum Offenburg: Die Knochen-Zahn-Hornhautprothese. (PDF) Abgerufen am 23. September 2025.