Oskar König

Oskar König (* 20. März 1906 in Bennisch, Österreich-Ungarn; † nach Juni 1974[1]) war ein deutscher Politiker (NSDAP, CDU). Ab 1938 war er Bürgermeister der Stadt Jägerndorf im Reichsgau Sudetenland. Nach 1945 wurde er Regierungsdirektor in Baden-Württemberg.

Leben und Wirken

Über seinen Lebenslauf ist wenig bekannt. Er war Advokat und trug einen Dr.-Titel. Nach der Annexion der deutschbesiedelten Grenzgebiete der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich nach dem Münchner Abkommens im Oktober 1938 und der Bildung des Reichsgaus Sudetenland wurde König zum kommissarischen Bürgermeister von Jägerndorf ernannt. Er beantragte am 15. Dezember 1938 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.672.823).[2] Zugleich wurde er auch Mitglied der NSDAP-Kreisleitung. Jägerndorf hatte zu diesem Zeitpunkt über 20.000 Einwohner, darunter zahlreiche jüdische Bewohner.

In seiner Funktion war König als Amtsperson an der Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung der Stadt beteiligt. Er soll bereits 1938 eine jüdische Villa für sich beschlagnahmt haben. 1938 erhielt er von der Reichsregierung in Berlin die telefonische Anweisung zur Zerstörung des Gebäudes der Synagoge im Pogrom des 9. November 1938.[3] Deren Inneneinrichtung wurde daraufhin von Angehörigen der SS demontiert und das Gebäude der Synagoge fortan als städtische Markthalle genutzt. Die Zerstörung des jüdischen Friedhofes von Jägerndorf und seiner Ritualhalle fand im darauffolgenden Jahr statt.[4]

Kurze Zeit nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete sich König zum Wehrmachtsdienst und wurde als Bürgermeister von Dr. Koberg in Jägerndorf vertreten. Ab Sommer 1940 bis zum Kriegsende 1945 war Otto Just Bürgermeister von Jägerndorf. König kehrte nach Kriegsende nicht mehr nach Jägerndorf zurück, sondern ließ sich als Verwaltungsbeamter in Böblingen nieder, wo er bis zum Regierungsdirektor aufstieg. Daneben wurde er zum Stadtrat von Böblingen gewählt.[5]

Bei der Wahl zum Landtag in Baden-Württemberg am 15. Mai 1960 ließ er sich als Ersatzbewerber für die CDU nach Martin Haag im Wahlkreis 8 Böblingen aufstellen.[6]

Literatur

  • Branislav Dorko: Okresní vedení NSDAP v Krnově 1938–1945. Struktura a představitelé, Zemský archiv v Opavě. Opava 2021.

Einzelnachweise

  1. Erwähnung in Die Sudetenpost vom 13. Juni 1974.
  2. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/21870800
  3. infokrnov.cz (Memento vom 3. Dezember 2018 im Internet Archive)
  4. Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum - Jägerndorf (Mährisch-Schlesien)
  5. Kommunalpolitische Blätter. Band 15, Teil 2, 1963, S. 1130.
  6. Die Wahl zum Landtag in Baden-Württemberg am 15. Mai 1960. (Statistik von Baden-Württemberg, Band 70). Stuttgart 1960, S. 21.