Oscar Heyfelder

Friedrich Oscar Adalbert Heyfelder (* 7. April 1828 in Trier; † 2. Juni 1890 in Tschardshui) war ein deutscher Mediziner, Militärarzt in russischen Diensten und Naturforscher.

Leben

Friedrich Oscar Adalbert Heyfelder war ein Sohn von Frieda und Johann Ferdinand Heyfelder, der zur Zeit seiner Geburt noch als praktischer Arzt in Trier wirkte.

Oscar Heyfelder studierte an den Universitäten in Erlangen und Heidelberg Medizin, war in der Zeit von 1848 bis 1851 Assistent bei seinem Vater in Erlangen und promovierte am 15. März 1851 mit seiner Inaugural-Abhandlung Über den Bau der Lymphdrüsen zum Dr. med. an der medizinischen Fakultät der Universität Erlangen.

Im Jahr 1854 habilitierte er sich in Erlangen mit der Arbeit Über falsche Wege, ein Beitrag zur Pathologie der Harnwerkzeuge als Privatdozent für urologische Chirurgie, verließ wie auch sein Vater Erlangen und lebte die nächsten Jahre in München, wobei er in dieser Zeit unter Theodor Ludwig Wilhelm Bischoff als Privatdozent und Suppleant des Medicinal-Comité an der Universität München wirkte, in der Maximilianstraße 18 (Lorenzhaus) mit einem Assistenten (Dr. Ott) im Hintergebäude (Eingang Kanalstraße) ausgewiesen als Chirurgische Poliklinik täglich von 11 bis 1 Uhr Ordinationszeit anbot und darüber hinaus zur ärztlichen Weiterbildung Reisen nach Wien, Prag und Paris unternahm. Im Jahr 1859 übersiedelte er als praktischer Arzt nach Sankt Petersburg, wurde als Militärarzt in russischen Diensten in der Folge zum Hofrat, Kollegienrat und Staatsrat ernannt und nahm, zuletzt als Kaiserlich Russischer Oberstabsarzt, an mehreren Kriegen bzw. kriegerischen Auseinandersetzungen teil.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wirkte er als Oberarzt in den Lazaretten von Neuwied und Lille.

Nach der verlorenen ersten Schlacht um Gök-Tepe (1879) nahm er als Chefarzt an der von Michail Dmitrijewitsch Skobelew 1880 geführten Expedition gegen die Tekke-Turkmenen teil und übernahm dabei auch die ärztliche Versorgung von Michail Nikolajewitsch Annenkow, der den Bau der Eisenbahn vom Kaspischen Meer bis nach Kysyl-Arwat ausführte, nach dessen bei einer Attacke erlittenen Schussverletzung.

Er war ein passionierter Naturforscher und schrieb in mehreren Veröffentlichungen über seine in den Einsatzgebieten über die lokale Fauna und Flora gewonnenen Erkenntnisse.

Oscar Heyfelder wurde bereits wenige Monate nach seiner Promotion am 1. August 1851 unter der Präsidentschaft des Mediziners Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck mit dem akademischen Beinamen Cruikshank[1] unter der Matrikel-Nr. 1626 als Mitglied in die Kaiserliche Leopoldino-Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher aufgenommen.[2]

Er war unter anderem Mitglied im Verein badischer Ärzte zur Beförderung der Staatsarzneikunde in Baden, im 1852 gegründeten Verein für gemeinschaftliche Arbeiten zur Förderung der wissenschaftlichen Heilkunde sowie auch im Verein deutscher Ärzte in Paris, der von Heinrich Ludwig Meding in der Zeit von 1851 bis 1865 als Präsident geführt wurde und den er 1853 bei den Vorarbeiten zur 1854 vollzogenen Affiliation des Vereins an die Leopoldina als Vice-Präsident und Ausschussmitglied unterstützte.[3]

Von seiner Korrespondenz sind von ihm an den Chirurgen und Begründer des zivilen Samariterwesens in Deutschland Friedrich von Esmarch, den Wundarzt und Prosector Ferdinand Faesebeck, den katholischen Theologen und Philosophen Jakob Frohschammer und den Arzt, medizinischen Schriftsteller und Dichter Justinus Kerner gerichtete Briefe im jeweiligen Nachlass überliefert.

Seine in Sankt Petersburg lebende Schwester Stephanie, verheiratete von Beck, übergab aus seinem Nachlass 1891 dem Museum für Völkerkunde zu Leipzig ein Männer- und ein Frauen-Chalat aus Buchara, Rauchutensilien und farbige Seidenstränge sowie ein Buch[4] und wenige Jahre später noch ein weiteres kleines Konvolut seiner diversen Sammlungsgegenstände.

Schriften

  • Über den Bau der Lymphdrüsen. Inaugural-Abhandlung der medizinischen Fakultät in Erlangen, Grass, Barth und Comp., Breslau 1851 (google.de)
  • Über den Bau der Lymphdrüsen. Eduard Weber, Breslau und Bonn 1852 (archive.org)
  • Über falsche Wege. Ein Beitrag zur Pathologie der Harnwerkzeuge. Eduard Weber, Breslau und Bonn 1854 (archive.org)
  • Die Resection des Oberkiefers, eine Monographie. Georg Reimer, Berlin 1857 (archive.org)
  • Die Kindheit des Menschen. Ein Beitrag zur Anthropologie und Psychologie. Zweite Auflage, Ferdinand Enke, Erlangen 1858 (archive.org)
  • Operationslehre und Statistik der Resectionen. Wilhelm Braumüller, Wien 1861 (archive.org)
  • Lehrbuch der Resectionen. Zweiter Abdruck, Wilhelm Braumüller, Wien 1863 (archive.org)
  • Das Lager von Krasnoe Selo im Vergleich mit dem von Chalons. Georg Reimer, Berlin 1866 (books.google.de)
  • Bericht über die in St. Petersburg herrschende Epidemie an die k. k. Gesellschaft der Aerzte. In: Wochenblatt der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien, 21, 22, 31. Mai 1865, S. 177–179 (MDZ) und 21, 23, 7. Juni 1865, S. 181–184 (MDZ)
  • Bericht über meine ärztliche Wirksamkeit am Rhein und in Frankreich während des Deutsch-Französischen Krieges 1870–1871. H. Schmitzdorff (C. Röttger), St. Petersburg 1871 (archive.org)
  • Kriegs-chirurgisches Vademecum. Eduard Hoppe, St. Petersburg und Franz Wagner, Leipzig 1874 (MDZ)
  • Ornithologische, botanische und andere Mittheilungen aus Gök-Tepe in der Achal-Teke-Oase. Globus, 40, 1881, S. 26–31 (MDZ)
  • General Graf Todleben vor Plewna 1877. Theodor Fischer, Cassel 1887 (books.google.de)
  • Transkaspien und seine Eisenbahn. Helwing, Hannover 1888 (MDZ)
  • Aus Transkaspien. Die Thiere der Steppe und die Civilisation. In: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, 13, 1891, S. 197–207 (MDZ)

Auszeichnungen

Frankreich
Italien
Mexiko
Österreich
Preußen
Russland
Türkei

Literatur

  • Carl Hermann Knoblauch (Hrsg.): Nekrolog Dr. Friedrich Oscar Adalbert Heyfelder. In: Leopoldina. Amtliches Organ der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher. 26. Heft. In Commission bei Wilh. Engelmann in Leipzig, Halle 1890, S. 114 (biodiversitylibrary.org).
  • Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg (Hrsg.): Verzeichnis der Erlanger Promotionen 1743–1885. Teil 2: Medizinische Fakultät. Erlangen 2009, S. 528 ISBN 978-3-941871-01-4 (PDF)
  • Friedrich Umlauft (Hrsg.): Geographische Nekrologie. Todesfälle. Dr. Oskar Ferdinand Heyfelder.[5] In: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, 13, 1891, S. 45–46 (archive.org)
  • Albrecht Ludwig Agathon Wernich: Heyfelder, Oscar. In: August Hirsch: Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. Dritter Band, Haab–Lindsley, Urban & Schwarzenberg, Wien und Leipzig 1886, S. 199 (archive.org)

Anmerkungen

  1. Die Wahl seines akademischen Beinamens war eine Reverenz an den britischen Anatom William Cumberland Cruikshank (1745–1800)
  2. Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Geschichte der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Frommann, Jena 1860, Verzeichniss der Mitglieder der Akademie, nach der Zeitfolge, S. 276 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Heinrich Ludwig Meding: Festbericht der zehnjährigen Stiftungsfeier des Vereins Deutscher Ärzte in Paris. Breslau 1854, S. 5 (Digitalisat)
  4. Bericht des Museums für Völkerkunde in Leipzig, 19, 1891, Leipzig 1892, S. 19 (MDZ)
  5. Die falsche Namensangabe Ferdinand für Friedrich Oscar Adalbert Heyfelder geht vermutlich auf eine Verwechslung mit dessen Vater Johann Ferdinand Heyfelder zurück.