Orcières Merlette 1850

Koordinaten: 44° 41′ 47″ N, 6° 19′ 19″ O

Orcières Merlette 1850

Orcières Merlette 1850 ist ein Wintersportgebiet in den französischen Alpen und befindet sich im Pelvoux (Massif des Écrins). Es liegt im Département Hautes-Alpes in der Gemeinde Orcières auf einer Höhe von rund 1850 Metern.

Auffahrt

Die Auffahrt erfolgt über die D944 von der Gemeinde Saint-Jean-Saint-Nicolas, wobei der Anstieg in der Ortschaft Pont-du-Fossé mit der Überquerung des Drac beginnt. Von hier weist die 15,4 Kilometer lange Auffahrt eine durchschnittliche Steigung von 4,5 % auf.

Die ersten 4,5 Kilometer führen nahezu flach entlang der Drac nach Les Garnauds, wo die Steigungsprozente allmählich etwas zunehmen. Nach einem Kilometer bei 6 % geht es nun mit 4 % auf den anschließenden 2500 Metern nach Les Usclas. Hier beginnt der offizielle Anstieg der Tour de France. Dieser weist auf einer Länge von 7,1 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 6,7 % auf. Die Straße führt dabei über mehrere Kehren durch Orcières zum Wintersportgebiet. Dort flacht die Straße wieder ab.[1][2]

Wintersport

Das Skigebiet befindet sich im Pelvoux und beinhaltet mit dem Col de Méollion (2451 m), Le Drouvet (2655 m) und Freissinières (2725 m) drei Bergstationen. Hinzu kommt die Talstation Rocherousse (2280 m), die zwischen den Liftanlagen Le Drouvet und Freissinières liegt.

Insgesamt verfügt das Skigebiet über 15 Liftanlagen und 100 Pistenkilometer unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade (Stand 2025).[3]

Radsport

Die Tour de France hielt bereits fünf Bergankünfte in Orcières Merlette ab. Der Anstieg wurde dabei stets als Bergwertung der 1. Kategorie eingeordnet.[4]

Die erste Befahrung erfolgte im Jahr 1971 auf der 11. Etappe, die als die wohl größte Niederlage von Eddy Merckx in die Geschichte einging. Nachdem der Abschnitt in Grenoble gestartet worden war, lösten sich mit Luis Ocaña, Joop Zoetemelk, Lucien Van Impe, Joaquim Agostinho und Gösta Pettersson mehrere namhafte Fahrer im Anstieg der Côte de Laffrey, die bereits nach 20 Kilometern überquert wurde. Im Anschluss fuhr die Gruppe einen Vorsprung von mehreren Minuten gegenüber dem Belgier heraus, ehe sich Luis Ocaña als Solist im Anstieg des Col du Noyer absetzte. Der Spanier überquerte den Pass mit einem Vorsprung von fast vier Minuten vor Lucien Van Impe, während Eddy Merckx in einer abgehängten Gruppe bereits fast dreieinhalb Minuten zurücklag. Im Schlussanstieg nach Orcières Merlette konnte Luis Ocaña seinen Vorsprung weiter ausbauen gewann schlussendlich nach einem Solo von 74,6 Kilometern vor dem Belgier Lucien Van Impe, der einen Rückstand von fünf Minuten und 52 Sekunden aufwies. Eddy Merckx belegte den dritten Etappenrang, lag jedoch bereits acht Minuten und 42 Sekunden zurück.[5][6] Luis Ocaña übernahm die Gesamtführung mit großem Vorsprung und musste diese erst abgeben, als er in den Pyrenäen auf dem 14. Abschnitt zu Sturz kam und das Rennen im Gelben Trikot aufgeben musste.[7]

Nach nur einem Jahr kehrte die Tour de France auf der 12. Etappe nach Orcières Merlette zurück. Eddy Merckx büßte dabei erneut Zeit ein, nachdem sich Lucien Van Impe und Joaquim Agostinho etwa zur Hälfte der Renndistanz auf dem Col de Percy abgesetzt hatten. Lucien Van Impe gewann die Etappe schlussendlich mit einem Vorsprung von drei Sekunden vor seinem portugiesischen Fluchtkollegen, ehe Eddy Merckx den Zielstrich mit einem Rückstand von einer Minute und 17 Sekunden überquerte. Im direkten Duell setzte sich der Belgier jedoch gegen Luis Ocaña und Joop Zoetemelk durch, ehe er eine Woche später seine vierte Tour de France gewann.[8]

Nach zehnjähriger Abwesenheit kehrte Orcières Merlette als Bergankunft der 15. Etappe im Rahmen der Tour de France 1982 zurück. Der Etappensieg ging an den Ausreißer Pascal Simon, während Bernard Hinault das Gelbe Trikot verteidigte und wenige Tage später seinen vierten von fünf Gesamtsiegen feierte.[9]

Im Jahr 1989 führte erstmals ein Bergzeitfahren nach Orcières Merlette. Die 15. Etappe wurde damals in Gap gestartet, ehe es über den Col de Manse zum Zielort ging. Der Niederländer Steven Rooks gewann damals den 39 Kilometer langen Abschnitt mit einer Zeit von einer Stunde, zehn Minuten und 42 Sekunden. Der US-Amerikaner Greg LeMond belegte den fünften Rang mit einem Rückstand von 57 Sekunden und übernahm somit das Gelbe Trikot des Franzosen Laurent Fignon, der eine Minute und 44 Sekunden auf den Etappensieger verlor.[10] Nach einem packenden Duell der beiden Fahrer, gewann Greg LeMond schlussendlich die Tour de France, nachdem er die Gesamtwertung im Abschlusszeitfahren von Paris um acht Sekunden zu seinen Gunsten drehte.[11]

Die bislang letzte Bergankunft in Orcières Merlette fand bei der Tour de France 2020 auf der 4. Etappe statt. Dabei ging der Slowene Primož Roglič als Sieger vor seinem jüngeren Landsmann Tadej Pogačar hervor.[12] Knapp drei Wochen später sollte Tadej Pogačar seinem Landsmann das Gelbe Trikot einen Tag vor dem Ende der Rundfahrt in einem Bergzeitfahren auf die Planche des Belles Filles entreißen.[13]

Im Jahr 2026 soll die 18. Etappe in Orcières Merlette zu Ende gehen. Der Abschnitt wird in Voiron gestartet, ehe es über die Côte d’Engins und Côte de Monteynard zum Schlussanstieg geht.[14]

Sieger der Bergankunft bei der Tour de France
Jahr Etappe Etappensieger Bergwertung
1971 11. Etappe Spanien Luis Ocaña 1. Kategorie
1972 12. Etappe Belgien Lucien Van Impe 1. Kategorie
1982 15. Etappe Frankreich Pascal Simon 1. Kategorie
1989* 15. Etappe Niederlande Steven Rooks 1. Kategorie
2020 4. Etappe Slowenien Primož Roglič 1. Kategorie
2026 18. Etappe unbekannt

* Einzelzeitfahren

Einzelnachweise

  1. CyclingCols - Orcières-Merlette. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
  2. Le Tour de France à Orcières. Abgerufen am 14. November 2025 (französisch).
  3. BERGFEX: Ski resort Orcières Merlette - Skiing holiday Orcières Merlette. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
  4. Orcières-Merlette dans le Tour de France. Abgerufen am 14. November 2025.
  5. Tour de France 1971 : après sa plus grande défaite, Eddy Merckx boucle une étape avec deux heures d'avance sur le programme - RTBF Actus. Abgerufen am 14. November 2025 (französisch).
  6. 58ème Tour de France 1971 - 11ème étape. Abgerufen am 14. November 2025.
  7. tereza: The Man Who Destroyed Merckx But Still Lost: The Devastating Story of Luis Ocaña. In: Škoda We Love Cycling. 28. März 2025, abgerufen am 14. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. 59ème Tour de France 1972 - 12ème étape. Abgerufen am 14. November 2025.
  9. 69ème Tour de France 1982 - 15ème étape. Abgerufen am 14. November 2025.
  10. 76ème Tour de France 1989 - 15ème étape. Abgerufen am 14. November 2025.
  11. Technologie schlägt Tradition – Greg LeMond schnappt Laurent Fignon den Tour-Sieg 1989 weg. Abgerufen am 14. November 2025.
  12. Primoz Roglic gewinnt bei erster Bergankunft der Tour de France. Abgerufen am 14. November 2025 (österreichisches Deutsch).
  13. Pogacar fährt Roglic aus dem Gelben Trikot | radsport-news.com. Abgerufen am 14. November 2025.
  14. Stage 18 - Voiron > Orcières-Merlette - Tour de France 2026. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).