Orchiektomie

Die Orchiektomie (auch Orchidektomie, Orchektomie, von griechisch ὄρχις orchis „Hoden“ und εκτομία ektomia „Herausschneiden“, und auch lateinisch Ablatio testis) ist die chirurgische Entfernung eines oder beider Hoden. Sie kann beispielsweise bei Hodenkrebs oder auch nach dem Absterben eines Hodens nach Hodentorsion notwendig werden. Bei Entfernung beider Hoden ist die Orchiektomie eine Form der Kastration. Die Entfernung nur eines Hodens wird als Semikastration bezeichnet.

Operationsarten

Einfache Orchiektomie

Bei nicht bösartigen Erkrankungen des Hodens erfolgt die Entfernung des Hodens durch das Skrotum, den Hodensack. Ursache kann eine Hodentorsion oder eine Hodenentzündung sein. Diese Technik wird auch im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Operation bei transfemininen Personen angewandt.[1]

Subkapsuläre Orchiektomie

Als subkapsuläre oder plastische Orchiektomie wird ein operatives Verfahren bezeichnet, bei dem nur das hormonproduzierende Keimgewebe entfernt wird und Nebenhoden und Hodenhüllen stehenbleiben, so dass der Eindruck besteht, es sei weiterhin ein kleinerer Hoden vorhanden.

Inguinale Orchiektomie

Die inguinale Orchiektomie wird bei allen bösartigen Erkrankungen des Hodens durchgeführt, um die Verbreitung von Krebszellen zu verhindern. Der Zugang erfolgt dabei über das Inguen (die Leiste). Auch hierbei kann aus optischen Gründen eine funktionslose Hodenprothese implantiert werden. Hauptindikation ist der Hodenkrebs.[2]

Beidseitige Orchiektomie

Die Entfernung beider Hoden wird meist im Zusammenhang mit einem fortgeschrittenen Prostatakrebs durchgeführt. Ziel der Behandlung ist hier, das weitere Wachstum dieser hormonabhängigen Erkrankung zu bremsen. Die Wirksamkeit medikamentöser Verfahren – oft als „chemische Kastration“ bezeichnete Therapieformen – ist der Orchiektomie unterlegen.[3]

Die bilaterale Orchiektomie wird auch im Rahmen des KastrG[4] zur Behandlung von Sexualstörungen angewandt.

Einseitige Orchiektomie

Die unilaterale (einseitige) Orchiektomie hat keine nennenswerten Auswirkungen, da der verbleibende (unbeschädigte) Hoden die Aufgabe ausreichend übernehmen kann. Typische Anwendung ist Hodenkrebs, bei dem nur ein Hoden betroffen ist.[5]

Operationsdauer

Die Operation wird im Allgemeinen ambulant, das heißt ohne Krankenhausaufenthalt, durchgeführt. Übliche Dauer von Beginn der Narkose bis Aufwachen ist 20 bis 60 Minuten.[6]

Kostenvergleich einer chirurgischen und einer chemischen Kastration in Deutschland

Sowohl die chirurgische als auch die chemische Kastration wird, falls sie medizinisch indiziert ist, von der Krankenkasse übernommen. Bei mittel- und langfristigem Androgenentzug ist die chirurgische Orchiektomie kostengünstiger.[7]

Siehe auch

Commons: Orchiektomie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Skrotale Orchiektomie: Technik und Komplikationen. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
  2. Inguinale (radikale) Orchiektomie: Technik und Komplikationen. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
  3. Seidenfeld J et al: Metastudie:Orchiektomie beim Prostatakarzinom unübertroffen. In: Ann Intern Med 2000 (4. April); 132: 566–577
  4. KastrG - nichtamtliches Inhaltsverzeichnis. In: gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 8. November 2021.
  5. Hodenkrebs / Hodentumor Therapie (Urologie). In: USZ. (usz.ch [abgerufen am 8. Oktober 2025]).
  6. Orchiektomie: Hoden entfernen als Behandlung von Genitalkrebs. In: krankenhaus.de. Abgerufen am 20. Januar 2022.
  7. Volker Rohde, Kristin Grabein, Franz Hessel, Uwe Siebert, Jürgen Wasem: Orchiektomie versus medikamentöse Therapie mit LH-RH-Analoga zur Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. In: dimdi.de. DIMDI, 2006, abgerufen am 20. Januar 2022.