Orangerie (Neustrelitz)
Luftbild der Orangerie nach der Grundinstandsetzung
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Roter Salon der Orangerie
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Blauer Salon der Orangerie
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Gelber Salon der Orangerie
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Die Orangerie (umgangssprachlich auch „Ora“) liegt im nordöstlichen Teil des Schlossparks von Neustrelitz. a) Das Gebäude wurde ab 1753 nach Plänen von Martin Seydel als langgestrecktes eingeschossiges Orangenhaus im Baustil des Barock errichtet. Von 1840 bis 1842 ließ es der Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz von Landesbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel zu einem Gartensalon im Baustil des Klassizismus umbauen.
Zwischen Juni 2021 und März 2024 erfolgte die letzte Grundinstandsetzung der Orangerie. Dabei wurde der 1972 angebaute Küchentrakt abgebrochen. An dessen Stelle entstanden die Pergola in ihrer ursprünglichen Form von 1842/43 und ein Café. Auch das vormals im Roten Salon befindliche Restaurant wurde wieder eröffnet.
Errichtung um 1755 und Umbau in ein Gartenpalais 1842/43
Um 1755 wurde die Orangerie im Schlosspark zunächst als langgestrecktes eingeschossiges Winterquartier für tropische Pflanzen errichtet. b) [1] Als Bauleiter nennt eine Bauakte im Landeshauptarchiv Schwerin den Neustrelitzer Hof-Maurermeister Martin Seydel. Ob er oder noch Julius Löwe, der um die Zeit des Baubeginns verstorben war, Architekt des Neubaus war, konnten auch neuere Forschungen nicht hinreichend klären.[2] In der Literatur sind zudem Aussagen weit verbreitet, die den Bau auf 1755 datieren und A. Seidel zuschreiben[3][4][5][6][7][8][9], also Seidels Sohn Adolph Seidel (1740–1796). Der Bau entstand unter Mitarbeit des Bildhauers Carl Philipp Glume und des Stuckateurs J. F. Vogel.
1840 erhielt Friedrich Wilhelm Buttel von Großherzog Großherzog Georg den Auftrag zur Umgestaltung des Gebäudes. Dieser wollte seine aus Rom mitgebrachte Sammlung antiker Skulpturen in der „neuen Orangerie“ unterbringen; außerdem sollten dort Gartenfeste gefeiert werden. Anregungen für den Umbau gaben die Brüder Alexander von Humboldt und Wilhelm von Humboldt bei einem Besuch im Jahr 1840. Mit den Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel und dem Bildhauer Christian Daniel Rauch tauschte sich der Großherzog ebenfalls über die Pläne aus, so dass in Buttels Ausführung viele verschiedene Ideen ihren Eingang gefanden.
Die Orangerie ist ein eingeschossiger Putzbau mit insgesamt neunzehn Achsen und einem Mansarddach. Die drei großen Salons im Gebâude wurden beim Umbau in ein Gartenpalais beibehalten. Der dreiachsige Mittelrisalit wurde um ein Geschoss aufgestockt und mit Rundbogenfenstern versehen. Er ist im Erdgeschoss vierfach und jeweils an den Seiten des Obergeschosses mit Doppelpilastern gegliedert. Den Abschluss bildet ein flacher Dreiecksgiebel. Auf der Gartenseite wurden eine Säulenveranda und eine Pergola errichtet. Im Inneren der Orangerie wurden umlaufende Arkaden und Flachnischen eingefügt. Die drei großen Säle sind in den mecklenburgischen Landesfarben Rot, Blau und Gelb gehalten. Eine repräsentative Raumwirkung wird durch Deckenmalereien und Arabesken im pompejanischen Stil von Bernhard Wilhelm Rosendahl, Rundbogennischen und Konsole mit antiken Plastiken sowie durch Reliefs klassizistischer Bildhauer wie Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen erreicht. Der runde Vorbau am Vorplatz wurde erst 1937 angebaut.[10]
Umgestaltung des Orangeriegartens 1842/43
Im Zuge der Umbauarbeiten wurde auch der Garten im Bereich der Orangerie erheblich verändert. Beauftragt wurde der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné, der für seine weiträumigen Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten bekannt war. Dessen Kunst bestand darin, durch Sichtachsen die einzelnen Parkanlagen optisch miteinander zu verbinden und die Bauwerke wirkungsvoll in Szene zu setzen. Er legte verschlungene Wege und Gartenflächen mit exotischen Pflanzen an.
Eine Kopie der antiken Bronzestatue eines jungen Mannes, des sogenannten »Betenden Knaben«, wurde in der Mitte des Orangeriegartens auf einer korinthischen Marmorsäule aufgestellt. Das Original der um 300 v. Chr. in der künstlerischen Tradition des griechischen Bildhauers Lysipp geschaffenen Bronzestatue befindet sich im Alten Museum in Berlin.[11] Um 1500 auf der Insel Rhodos gefunden, gelangte die Bronzestatue eines jungen Mannes zunächst nach Venedig und ging dann in den Besitz des Finanzminister von Ludwig XIV. (1643–1715) über.[12] Dieser ließ die fehlenden Arme "phantasievoll ergänzen" und stellte den »Betenden Knaben« in seinem Schloss Vaux-le-Vicomte auf.[13] 1747 erwarb der preußische König Friedrich II. die Statue für den Park Sanssouci.[14]
Vor der breiten Eingangsterrasse der Orangerie fand der marmorne Kinderbrunnen von Albert Wolff, der auch als Märchenbrunnen bekannt ist, seinen Platz. Der 1844 von Wolff nach dem Entwurf von Eduard Stützel gefertigte Springbrunnen stand zunächst im Park Sanssouci und kam als Geschenk des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. an seinen Onkel, den Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, nach Neustrelitz.[15]
- Skulpturen im Garten der Neustrelitzer Orangerie
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Der Betende Knabe auf einer Marmorsäule
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Kinderbrunnen von Albert Wolff
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Skulpturen am Kinderbrunnen
Bauliche Veränderungen und Restaurierungsarbeiten 1929–2020
Bereits seit 1929 wurden die Innenräume der Orangerie gastronomisch genutzt und entsprechend den wechselnden Ansprüchen von Gästen, Betreibern und staatlichen Instanzen umgestaltet. Zunächst wurde in den 1930er Jahren die Erschließung der Innenräume durch den Bau der stadtseitig vorgelagerten Exedra verändert. Dieser Anbau und ein zweiter zur Erweiterung des Küchenbereichs machten eine Neugestaltung der Wände der drei Säle erforderlich. In den 1950er Jahren wurden die Wand- und Deckenmalereien in den drei Salons restauriert; infolge der intensiven gastronomischen Bewirtschaftung waren diese geschädigt worden. Außerdem erfolgte eine Sanierung des Dachtragwerks. Zwischen 1970 und 1990 war es während laufender Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten am Dach und fehlender Bewirtschaftung des Gebäudes zu erheblichen Wasserschäden in den drei historischen Sälen gekommen. Um diese zu beseitigen, mussten die Decken- und Wandmalereien im genannten Zeitraum mehrmals restauriert werden.[16]
Grundinstandsetzung und Rekonstruktion 2020–2024
Der 1972 angebaute Küchentrakt und ein Teil der Erweiterungen von 1938 wurden abgerissen, um die ursprüngliche Symmetrie des Gebäudes nach dessen Umgestaltung in den Jahren 1842/43 wiederherzustellen.[1][17] Dort wo sich zuvor der Küchentrakt befand, wurde die ursprünglich seit 1842/43 vorhandene aber 1979 im Zuge eines Umbaus des Gebäudes zurückgebaute Pergola wiederaufgebaut und ein Café eingerichtet.[1] Die Fundamente des Gebäudes wurden trockengelegt und die Fußböden saniert. Sanitärräume und Toiletten befinden sich in dem halbrunden Vorbau und sind wie alle anderen Räume barrierefrei und von den Sälen aus erreichbar.[17]
Seit Abschluss der Bauarbeiten können die Säle der Orangerie wieder für größere Veranstaltungen wie Hochzeiten, Empfänge, Geburtstage, Tagungen, Firmenfeiern und Kulturveranstaltungen genutzt werden. Während im Roten Salon in Verbindung mit dem Gelben Salon auch größere Veranstaltungen mit gastronomischer Betreuung stattfinden sollen, sind im Blauen Salon wechselnde Ausstellungen von Künstlern aus der Region geplant.[18]
Literatur
- Heinz Schönemann: Die Orangerie in Neustrelitz. 1. Auflage. Seemann, Leipzig 1964 (slub-dresden.de [PDF] E-Book, bereitgestellt von der SLUB Dresden).
- Melanie Ehler, Matthias Müller (Hrsg.): Schinkel und seine Schüler. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2004, ISBN 3-935749-34-1.
Anmerkungen
Weblinks
- Literatur über Orangerie (Neustrelitz) in der Landesbibliographie MV
- Gründliche Bestandsaufnahme - Orangerie erlebt zahlreiche Veränderungen. In: Website der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung M-V. 25. April 2017, abgerufen am 28. Dezember 2025.
- Orangerie in Nutzung. In: Website der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung M-V. 25. November 2024, abgerufen am 28. Dezember 2025 (mit Bildfolge, die einzelne Gebâudebereiche, die an das Gebâude anschließende Pergola und architektonische Details zeigt).
- Instandsetzung der baulichen Anlagen im Schlossgarten - Grundinstandsetzung der Orangerie mit pompejanischem Deckengemälde. In: Website der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung M-V. 25. November 2024, abgerufen am 16. Oktober 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b c IInstandsetzung der baulichen Anlagen im Schlossgarten - Grundinstandsetzung der Orangerie Neustrelitz. In: Website der Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern (SBL-mv). 25. November 2024, abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Kirsten Sorgatz, Riccarda Rehm: Die Orangerie im Schloßgarten Neustrelitz. In: Marcus Köhler (Hrsg.): Orangerien. Glashäuser, Gewächshäuser, Wintergärten in Mecklenburg-Vorpommern. Aland-Verlag, 2003, ISBN 3-936402-05-1, S. 52 ff. (Zur archivalischen Aufklärung der Frühgeschichte des Orangeriebaus wurde von den Verfassern benutzt: LHAS 4.11-6 Nr. 9206, darin erste Kostenvoranschläge 1753, Bau bis 1757.)
- ↑ Marianne Mehling (Hrsg.), Gerd Baier: Knaurs Kulturführer in Farbe. Mecklenburg-Vorpommern. Droemer Knaur, München 1991, ISBN 3-426-26490-0, S. 138 (Snippetansicht).
- ↑ Hermann Heckmann: Baumeister des Barock und Rokoko in Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Lübeck, Hamburg. Verlag Bauwesen, Berlin 2000, ISBN 3-345-00692-8, S. 20 (Snippetansicht).
- ↑ Neidhardt Krauß: Schlösser, Gutshäuser und Parks in Mecklenburg-Vorpommern. Vom Heiligen Damm bis zur Feldberger Seenlandschaft. Hinstorff, Rostock 2002, ISBN 3-356-00948-6 (Snippetansicht).
- ↑ Heinz Schönemann: Die Orangerie in Neustrelitz. Seemann, Leipzig 1964, DNB 364582227, S. 3–4 (online, PDF; 3,7 MB).
- ↑ Reinhardt Hootz (Hrsg.), Gerd Baier: Deutsche Kunstdenkmäler. Ein Bildhandbuch. Band 13: Mecklenburg. Aufnahmen von Klaus G. Bayer. Deutscher Kunstverlag, München 1971, DNB 456372989, S. 382 (Snippetansicht).
- ↑ Die Bezirke Neubrandenburg, Rostock, Schwerin. (= Teil vom Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von der Arbeitsstelle für Kunstgeschichte bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 1968, DNB 456321004, S. 252 (Snippetansicht).
- ↑ Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 381 (Snippetansicht).
- ↑ Faltblatt: Stadtrundgang – Neustrelitz erleben. Hrsg. Stadt Neustrelitz, Stand: 10/2010–30.
- ↑ Objekt 2179: Betender Knabe (Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin) in Arachne – Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln; Abgerufen am 31. August 2015.
- ↑ Antikensammlung, Museumsinsel Berlin
- ↑ Objekt 2179: Betender Knabe (Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin) in Arachne – Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln; Abgerufen am 31. August 2015.
- ↑ Nikolas Bernau: Original und Experiment. In: Berliner Zeitung. 11. November 1997.
- ↑ Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, S. 15 (Illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung)
- ↑ Orangerie in Nutzung. In: Website der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung M-V. 25. November 2024, abgerufen am 28. Dezember 2025 (mit Bildfolge, die einzelne Gebâudebereiche, die an das Gebâude anschließende Pergola und architektonische Details zeigt).
- ↑ a b Tobias Lemke: Nach vier Jahren Bauzeit - Orangerie in Neustrelitz wird heute eröffnet. In: Nordkurier. 27. März 2024, abgerufen am 28. März 2024.
- ↑ Orangerie in Nutzung. In: Website der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung M-V. 25. November 2024, abgerufen am 28. Dezember 2025 (mit Bildfolge, die einzelne Gebâudebereiche, die an das Gebâude anschließende Pergola und architektonische Details zeigt).
Koordinaten: 53° 21′ 40″ N, 13° 3′ 27″ O