Olivia Grüner
| Olivia Grüner | ||||||||||||||||
| Nation | Deutschland | |||||||||||||||
| Geburtstag | 4. März 1969 (56 Jahre) | |||||||||||||||
| Größe | 168 cm | |||||||||||||||
| Gewicht | 38 kg | |||||||||||||||
| Karriere | ||||||||||||||||
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| Disziplin | Langstreckenlauf | |||||||||||||||
| Verein | LT Radolfzell | |||||||||||||||
| Trainer | Günter Lange | |||||||||||||||
| Medaillenspiegel | ||||||||||||||||
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| letzte Änderung: 09.10.2025 | ||||||||||||||||
Olivia Grüner (* 4. März 1969) ist eine ehemalige deutsche Langstreckenläuferin. Sie gewann 1985 die 1. Berglauf-Weltmeisterschaften als bis heute jüngste Athletin.
Leben
Olivia Grüner wuchs in Ludwigshafen am Bodensee auf. Bereits im Alter von elf Jahren bestritt sie im Oktober 1980 in 3:45 h den Schwarzwald-Marathon im badischen Bräunlingen, seinerzeit der teilnehmerstärkste Marathonlauf weltweit. Im Alter von vierzehn Jahren gewann sie im März 1983 mit neuem Streckenrekord die zweite Austragung des Heidelberger Halbmarathons. Im Juli 1984 gewann sie die dritte Austragung des Matterhornlaufs im schweizerischen Zermatt, im August 1984 mit neuem Streckenrekord die sechste Austragung des Kitzbüheler Horn Bergstraßen-Laufs. In Begleitung ihres Vaters lief sie im September 1984 den Berlin-Marathon, den sie auf dem 16. Platz unter drei Stunden in 2:51:46 h finishen konnte; der Vater im Ziel zwei Sekunden dahinter. Ihre Mutter Annemarie Grüner, in den 1980er Jahren eine erfolgreiche Seniorenläuferin (u. a. 1985 Europameisterin in der Altersklasse W45 im 10.000-Meter-Lauf), erreichte das Ziel des Berlin-Marathons 1984 als 13. Frau in 2:49:30 h. Es sollte der letzte Wettkampf werden, den die Mutter vor ihrer Tochter beenden konnte. Der frühe sportliche Erfolg von Olivia Grüner war einer der Gründe, der zu Eifersucht bei der Mutter sorgen sollte, was später zu familiären Spannungen führte und letztendlich zum Zerwürfnis zwischen Mutter und Tochter.[1]
Im März 1985 wurde Olivia Grüner im pfälzischen Kandel in 2:46:52 h Zweite beim Bienwald-Marathon, während ihre Mutter in 2:51:41 h den vierten Platz erzielte. Einen Monat später erzielten Tochter und Mutter beim München-Marathon 1985 einen Doppelsieg, als Olivia in 2:45:52 h gewinnen und Mutter Annemarie in 2:47:33 h den zweiten Platz erreichen konnte. Doch die Freude über den gemeinsamen Erfolg gegenüber Außenstehenden war nur noch gespielt. Eine Anorexie, bedingt durch die Kombination von familiären Problemen, schulischer Belastung und nicht zuletzt gesteigertem Trainingsumfang nach Berufung in den Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), sorgte bei Olivia Grüner zur anhaltenden Gewichtsabnahme.[1] Bei ihrem größten Karriereerfolg im Alter von sechzehn Jahren im September 1985, dem Gewinn der 1. World Mountain Running Trophy (ab 2009 Berglauf-Weltmeisterschaften) im italienischen St. Vigil, wog sie nur noch 38 kg.[1] Die Berglauf-WM markierte gleichzeitig den letzten gemeinsamen Mutter-Tochter-Erfolg, denn es gewannen beide mit dem deutschen Team, neben Olivia Grüner bestehend aus Christiane Fladt (5. Platz) und Mutter Annemarie (12. Platz), Silber in der Mannschaftswertung.
Im Jahr 1986 folgten im Mai die erfolgreiche Titelverteidigung beim München-Marathon, deren Siegzeit von 2:38:51 h bis heute deutsche U20-Bestleistung darstellt,[2] im Juli der sechste Platz bei den 1. Leichtathletik-Juniorenweltmeisterschaften im griechischen Athen über 10.000-Meter und im September der erste deutsche Meistertitel im Berglauf, erzielt bei den 2. Deutschen Berglauf-Meisterschaften, ausgetragen beim Hochfelln-Berglauf im bayerischen Bergen. Auch 1987 schien sich die sportliche Karriere von Olivia Grüner zunächst weiter fortzusetzen, als sie im März im südholländischen Den Haag beim CPC Loop-Halbmarathon den sechsten Platz erzielen konnte. Doch bereits im Folgemonat, bei den Deutschen Straßenlauf-Meisterschaften 1987 über 25 km auf der Insel Reichenau, sollte bei ihrem Heimspiel am Bodensee, bei dem sie nach zwölf Kilometern aus dem Rennen ausstieg, das erste DNF gleichzeitig ihren letzten Wettkampf im Leistungssport und das Karriereende bedeuten.[1]
Im Herbst 1987 ließ sich die 18-jährige Olivia Grüner mit einem Gewicht von 31 kg,[3][4] nach anderen Quellen von 28 kg und einem Body-Mass-Index (BMI) von 14,[1] in die Roseneck-Klinik in Prien am Chiemsee einweisen, aus der sie nach sieben Monaten, zurück auf einem Gewicht von 42 kg, wieder entlassen werden konnte.[1] Nach weiteren vier Monaten ambulanter Behandlung pendelten sich ihr Gewicht bei 48 kg und der BMI bei 18 ein, sodass die Anorexia nervosa als überstanden diagnostiziert werden konnte.[1] Im Anschluss kehrte sie nicht an den Bodensee zurück, wo der Kontakt zur Familie zwischenzeitlich abgebrochen war, nachdem der Vater ins Altmühltal und die Mutter ins Ruhrgebiet fortgezogen waren, sondern blieb in Prien, wo sie eine Anstellung als Reinigungskraft in ihrer alten Klinik erhielt und nebenbei kellnerte.[1] Olivia Grüner setzte die abgebrochene Schule wieder fort, legte nach zwei Jahren erfolgreich das Abitur ab und ließ sich in München zur medizinisch-technischen Assistentin (MTA) ausbilden.[1] Sportlich fand sie zunächst im Motocross eine neue Heimat, nach einem Motorrad-Unfall mit Trümmerbruch des oberen und unteren Sprunggelenks im Jahr 1992 anschließend im Mountainbikesport und dem Duathlon.[1] Schließlich folgte im Mai 2010 die Rückkehr in den Laufsport, als sie mit nur wenigen Wochen Training beim Gutenberg-Marathon im rheinhessischen Mainz in 1:31:40 h auf Anhieb im Halbmarathon den fünften Platz gesamt und den Sieg in der Altersklasse W40 erzielen konnte. Noch im selben Monat folgte ein weiterer fünfter Platz beim Halbmarathon des Mittelrhein-Marathons in 1:30:52 h mit Ziel im rheinländischen Koblenz, im Oktober 2010 auf Einladung des Veranstalters zum 25-jährigen-Jubiläum die Rückkehr zum München-Marathon, wo sie auf der Halbmarathon-Distanz als Gesamtfünfte und Altersklassensiegerin nach 1:28:56 h ins Olympiastadion München einlief.
Persönliche Erfolge
| Datum | Pl. | Wettbewerb | Austragungsort | Streckenprofil | Zeit |
|---|---|---|---|---|---|
| 28. März 1987 | 6. | CPC Loop Den Haag | Den Haag | 21,0975 km | 01:14:30 |
| 28. Sep. 1986 | Hochfelln-Berglauf (DM) | Bergen | 8,9 km / 1.074 hm | 00:49:23 | |
| 20. Sep. 1986 | 4. | Deutsche Straßenlauf-Meisterschaften | Bad Oldesloe | 25 km | 01:31:48 |
| 18. Juli 1986 | 6. | Leichtathletik-Juniorenweltmeisterschaften | Athen | 10.000 m | 00:35:27 |
| 4. Mai 1986 | München-Marathon | München | 42,195 km | 02:38:51 | |
| Okt. 1985 | Hallwilerseelauf | Beinwil am See | 22 km | 01:19:07 | |
| 23. Sep. 1985 | World Mountain Running Trophy | St. Vigil | 6 km / 336 hm | 00:26:20 | |
| 8. Sep. 1985 | Hochgrat-Berglauf (DM) | Oberstaufen | 6 km / 850 hm | 00:39:38 | |
| 14. Juli 1985 | Matterhornlauf | Zermatt | 12 km / 988 hm | 01:10:44 | |
| 18. Mai 1985 | Grand Prix von Bern | Bern | 10 mi | 00:58:50 | |
| 28. Apr. 1985 | München-Marathon | München | 42,195 km | 02:45:52 | |
| 10. März 1985 | Bienwald-Marathon | Kandel | 42,195 km | 02:46:52 | |
| 11. Nov. 1984 | Tessin-Marathon | Tenero | 21,0975 km | 01:20:24 | |
| 30. Sep. 1984 | 16. | Berlin-Marathon | Berlin | 42,195 km | 02:51:46 |
| 26. Aug. 1984 | Kitzbüheler Horn Bergstraßen-Lauf | Kitzbühel | 12,9 km / 1.234 hm | 01:13:18 | |
| 8. Juli 1984 | Matterhornlauf | Zermatt | 12 km / 988 hm | 01:14:02 | |
| 24. Apr. 1983 | Heidelberger Halbmarathon | Heidelberg | 21,1 km | 01:26:09 |
Persönliche Bestzeiten
- 1500 m: 4:38,80 min, 23. Juni 1985, Ettlingen
- 3000 m: 9:47,64 min, 19. Juli 1985, Berlin
- 5000 m: 16:42,41 min, 23. August 1986, Waldkraiburg (Badischer U18-Rekord / Badischer U20-Rekord)[5]
- 10.000 m: 34:27,32 min, 6. September 1986, Wetzlar
- 10-mi-Straßenlauf: 58:50 min, 18. Mai 1985, Bern (SUI)
- Halbmarathon: 1:14:30 h, 28. März 1987, Den Haag (NED) (Badischer U20-Rekord)
- 25-km-Straßenlauf: 1:31:48 h, 20. September 1986, Bad Oldesloe
- Marathon: 2:38:51 h, 4. Mai 1986, München (Deutsche U20-Bestleistung)[2]
Weblinks
- Olivia Grüner in der Datenbank von World Athletics (englisch)
- Olivia Grüner in der Datenbank von European Athletics (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Manfred Steffny: Gewogen und zu leicht befunden. In: Spiridon (Laufmagazin). November 2010.
- ↑ a b Deutsche U20-Rekorde. (PDF) In: leichtathletik.de. 4. April 2025, abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Dieter Kleinmann: Laufnebenwirkungen – Vom Ermüdungsbruch zum plötzlichen Herztod: Was können Sie dagegen tun? Deutscher Ärzteverlag, Köln 2006, ISBN 3-7691-0513-3, S. 86.
- ↑ Eva Bartl: Essstörungen im Leistungssport – Die Negation eines Tabuthemas. Diplomica Verlag GmbH, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8366-9300-4, S. 37.
- ↑ BLV-Rekordliste. In: blv-online.de. 31. August 2025, abgerufen am 8. Oktober 2025.