Ole Jørgen Hammeken
Ole Jørgen Hammeken (* 25. Juni 1956 in Nuuk; † 7. November 2025 in Odense)[1] war ein grönländischer Abenteurer und Filmschaffender.
Leben
Herkunft und Jugend
Ole Jørgen Hammeken war der Sohn des Pastors und Bibliothekars Motzfeldt Hammeken (1922–2009) und der Handarbeitslehrerin Maritha Louise Susanne Jensen (1924–2020).[2] Sein Vater war Katechet in Nuuk, wo Ole Jørgen Hammeken geboren wurde. 1960 wurde Motzfeldt Hammeken zum Pastor in Qeqertarsuatsiaat ernannt und 1962 nach Paamiut versetzt[3] und die Familie zog jeweils mit. Mit 12 Jahren kam Ole Jørgen Hammeken Ende der 1960er Jahre wie damals üblich nach Dänemark, wo er bei einer Pflegefamilie in Seest wohnte. Später besuchte er das Gymnasium an der Staatsschule in Rungsted, das er 1978 abschloss. Daraufhin wurde er vom Grönlandsministerium aufgefordert Jura zu studieren. Er brach das Studium jedoch ab und arbeitete dann bei Danmarks Statistik.[4]
Er bekam einen Sohn (* 1987) und lernte die Färingerin Ann Andreasen (* 1962) kennen, die Leiterin des Kinderheims in Uummannaq werden sollte, weswegen das Paar nach Grönland zog, wo sie eine Tochter (* 1993) bekamen.[4][2]
Expeditionen in Nordgrönland
In Nordgrönland entdeckte er seine Liebe für das Hundeschlittenfahren, weswegen er begann, einige der Heimkinder auf lange Touren mitzunehmen. Daraus entwickelten sich zahlreiche Expeditionen, die meisten in Grönland, aber auch in anderen Arktisregionen sowie in anderen Erdteilen.[4] 1998 nahm er an einer Expedition unter dem US-amerikanischen Abenteurer Dennis Schmitt zum Kap Morris Jesup teil, wo sie die nördlichsten Berge der Welt bestiegen. Dennis Schmitt schlug anschließend vor, einen der Berge Hammeken Point zu nennen. Ein offizieller Antrag für die Benennung wurde kurz nach Ole Jørgen Hammekens Tod Ende 2025 vom ehemaligen Regierungschef Lars Emil Johansen, mit dem er eng befreundet war, eingereicht,[5] der ihn zudem als „modernen Knud Rasmussen“ bezeichnet hatte.[1]
Ab 2008 wurde der Spielfilm Inuk über das Kinderheim in Uummannaq produziert, wobei Ole Jørgen Hammeken Drehbuchautor war und als Berater agieren sollte. Da sich der für die Hauptrolle auserkorene Jäger während der Aufnahmen auf Jagdreise befand, endete Ole Jørgen Hammeken selbst in der Hauptrolle.[6] Am Kinderheim gründete Ann Andreassen das Uummannaq Polar Institute, das 2009 offiziell eingeweiht wurde, wobei unter anderem der Polarforscher Jean Malaurie und Fürst Albert II. von Monaco anwesend waren. Ole Jørgen Hammeken und Albert II. reisten zusammen mit dem Hundeschlitten nach Uummannatsiaq. 2016 erhielt er vom Fürsten eine Medaille.[5]
Nordpolumrundung und spätere Expeditionen
Von 2010 bis 2018 war Teilnehmer an einer Expedition unter dem dänischen Abenteurer Anders Bilgram, bei der der Nordpol über das Nordpolarmeer in einem offenen Motorboot umrundet wurde und dabei 26.000 km zurückgelegt wurden. Während seiner Expeditionen hielt er sich immer bei Menschen auf, die in der Gegend lebten, weswegen sie meist sehr lange dauerten. Während der Expedition besuchte er unter anderem Sacha (2013), den kältesten bewohnten Ort der Welt, Oimjakon (2014), und kreuzte den Baikalsee auf Skiern und einem Hundeschlitten (2015), wobei er große Mengen an Filmmaterial schuf. Er reiste häufig mit verwaisten Kindern, für deren Wohlergehen er sich bereits im Kinderheim in Uummannaq eingesetzt hatte. 2016 war er am Nordpol.[5]
Während seiner achtjährigen Expedition verliebte er sich 2012 in die russisch-komistämmige in den USA lebende Fotografin und Künstlerin Galya Morrell (* 1961 als Galina Borissowna Bazanowa), mit der er eine Beziehung einging, weswegen er sich von Ann Andreassen trennte.[4] Er zog nach Helsingør, dann nach Russland und schließlich nach New York City.[6] Er war seit 2008 Mitglied des Explorers Club und zudem als Fellow Ehrenmitglied. 2022/23 verbrachte er sieben Monate bei den Kogi in Kolumbien, wo er eine kulturelle Brücke zwischen südamerikanischen Indianern und Inuit zu etablieren versuchte.[5]
Er starb im November 2025 nach langem Krebsleiden im Alter von 69 Jahren und hinterließ seine Partnerin, seine zwei Kinder, ein Enkelkind und zwei Schwestern.[1] Noch kurz zuvor war berichtet worden, dass das Paar an vier Dokumentarfilmen von dem gesammelten Filmmaterialgleichzeitig arbeitete, und Ole Jørgen Hammeken zugleich an einem Musikprojekt mit der Komponistin Lera Auerbach arbeitete.[7] Er wurde auf dem Vestre Kirkegård in Kopenhagen beerdigt.[5]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c En arktisk ener er gået bort. Sermitsiaq.AG (17. November 2025).
- ↑ a b Ann Andreasen. Kraks Blå Bog 2025/26 (digitale Ausgabe, Abonnement erforderlich).
- ↑ Torben Lodberg: Grønlands Grønne Bog 2001/02. Hrsg.: Grønlands hjemmestyres informationskontor. Kopenhagen 2001, ISBN 978-87-89685-16-8, S. 37.
- ↑ a b c d Eventyrer med hundeslæde, eget bjerg og egen film. Helsingør Dagblad (21. Juli 2018).
- ↑ a b c d e Poul Krarup: Satte Erfalasorput på Nordpolen. Sermitsiaq (31. Dezember 2025).
- ↑ a b Jacob Martin Henriques: På mærkerne: Globetrotteren Ole Jørgen fra Helsingør får sjælden ære. Helsingør Dagblad (9. November 2022).
- ↑ Arne Mølgaard: Eventyrpar laver dokumentarfilm. Sermitsiaq.AG (1. November 2025).