Olaus Murie

Olaus Johan Murie (* 1. März 1889 in Moorhead, Minnesota; † 21. Oktober 1963 in Moose, Wyoming) war ein US-amerikanischer Wildtierbiologe und Naturschützer. In Fachkreisen ist er bis heute vor allem bekannt geblieben für seine 1951 veröffentlichte, 400 Seiten starke Studie über „The Elk of North America“.[A 1] Von der Rocky Mountain Elk Foundation wurde er als „Vater des modernen elk-Managements“ gewürdigt,[1] und die American Academy for Park and Recreation Administration bezeichnet ihn auf ihrer Website als einen „der bedeutendsten Naturforscher Amerikas, berühmt für seine brillanten Feldforschungen über Wildtiere.“[2]

Ausbildung und Forschung

Olaus Murie war der Sohn skandinavischer Einwanderer. Seine Mutter Marie war in erster Ehe mit Joachim Murie verheiratet; das Paar hatte zwei Kinder, Olaus und seinen jüngeren Bruder Martin. Nachdem der Vater 1895 gestorben war, heiratete die Mutter 1899 in zweiter Ehe Ed Winstrom, der jedoch im selben Jahr ebenfalls starb, sechs Wochen nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Adolf. Die Mutter musste sich nun allein um ihre drei Kinder und eine adoptierte Schwester kümmern. Die Mutter behielt für sich und ihre Kinder den gemeinsamen Familiennamen Murie bei, weswegen Adolf – nachdem er später auch amtlich seinen Familiennamen in Murie geändert und zudem die Schreibweise Adolph als Vorname gewählt hatte – heute als Adolph Murie bekannt ist.[3]

Olaus Murie besuchte bis 1908 die High School in Moorhead und danach das Fargo College in Fargo, North Dakota, auf der Moorhead gegenüber liegenden Seite des Red River of the North, wo er Biologie studierte. Bereits 1909 folgte er seinem Mentor, Professor Arthur M. Bean, und wechselte wie dieser an die private Pacific University in Forest Grove, Oregon. Dort erwarb er 1912 den Bachelor-Grad in den Fächern Zoologie und Wildtierbiologie und erhielt danach eine Anstellung bei der Fish and Game Commission des Staates Oregon. Zwei Jahre später bewarb er sich um eine Stelle beim Carnegie Museum in Pittsburgh. Finanziert von diesem Museum, nahm er zwischen 1914 und 1917 als Assistent von Clyde Todd an wissenschaftlichen Erkundungen der Hudson Bay und von Labrador teil; zu seinen Aufgaben gehörte es u. a., Vögel abzuschießen und Nagetiere in Fallen zu fangen und für die Museumssammlung zu präparieren.[3] Die in Labrador gewonnenen Erfahrungen öffneten ihm die Türen des U.S. Bureau of Biological Survey, des Vorläufers des United States Fish and Wildlife Service. In dessen Auftrag erforschte Murie zwischen 1920 und 1926 die Ökologie der Rentiere (Karibus) in Alaska, 1922 und 1923 im Mount McKinley National Park (heute: Denali-Nationalpark) unterstützt von seinem Halbbruder Adolph. Insbesondere kartierte er ihre Wanderrouten und schätzte ihre Anzahl. Während dieser Zeit lernte er seine künftige Ehefrau, Margaret Murie, kennen, die er im August 1924 heiratete.[4]

1927 erwarb Olaus Murie einen Master-Grad an der University of Michigan. Im gleichen Jahr wurde er vom Biological Survey beauftragt, die Ökologie der Wapitis von Jackson Hole, Wyoming, zu erforschen. Seine Befunde aus dieser Studie waren das Ausgangsmaterial für sein Buch The Elk of North Amerika, das 1951 erschien.

1937 nahm Olaus Murie einen Sitz im Beirat der neu gegründeten Wilderness Society an. Seine Kritik an den unnatürlichen Grenzen des Mount Olympus National Monument – eines Schutzgebiets für Wapitis – trug dazu bei, Präsident Franklin D. Roosevelt davon zu überzeugen, auch die angrenzenden großen Regenwälder unter Schutz zu stellen und 1938 das Gesetz zur Errichtung des Olympic National Park zu unterschreiben. Muries Empfehlungen, eine natürliche Grenze für die Wapitis im Gebiet des Grand Teton zu schaffen, trug dazu bei, dass 1943 von Roosevelt das Jackson Hole National Monument gegründet und wenige Jahre später mit dem Grand-Teton-Nationalpark vereinigt wurde.[4]

1945 verließ Murie den U.S. Biological Survey und wurde Direktor der Wilderness Society, in deren Namen er sich erfolgreich gegen den Bau großer Staudämme im Glacier-Nationalpark und im Dinosaur National Monument einsetzte. Seine frühen Studien in Alaska führten dazu, dass er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau seit Mitte der 1950er-Jahre auch für den Erhalt der Naturräume in Alaska einsetzte und so zu einem der Vorreiter des 1980 vom Kongress beschlossenen Alaska National Interest Lands Conservation Act wurde.

Ebenfalls 1945 erwarben Olaus und Margeret Murie zusammen mit Olaus Halbbruder Adolph und dessen Ehefrau Louise Murie eine Ranch in Teton County (Wyoming), die beiden Familien als Wohnsitz diente. 1997 wurde das Gelände wegen der nationalen Bekanntheit ihrer Bewohner als einflussreiche Wissenschaftler und für ihre Rollen als Mitwirkende in der Naturschutzbewegung der Vereinigten Staaten zum Historic District („Murie Ranch Historic District“) und 2006 zur National Historic Landmark erklärt.[5][6]

Obwohl Olaus Murie keine Ausbildung als Künstler hatte, illustrierte er seine Feldnotizbücher regelmäßig mit detaillierten Skizzen von Wildtieren. Außerdem fertigte er Federzeichnungen sowie Aquarell- und Ölgemälde seiner Motive an, die auch seine Publikationen sowie die seines Halbbruders Adolph und seiner Ehefrau illustrierten.

Olaus J. Murie starb 1963 im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit. Er hinterließ seine Ehefrau Margaret, das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter.

Ehrungen

  • 1949: Ehrendoktorat der Pacific University (Oregon)[4]
  • 1953: Pugsley Bronze Medal der American Scenic and Historic Preservation Society „für seinen Einsatz zum Schutz der Nationalparks“[2]

Schriften (Auswahl)

  • Wapati Wilderness. Alfred A. Knopf, New York City 1966. Posthum herausgegeben von Margaret Murie.
  • Journeys to the Far North. The Wilderness Society in Zusammenarbeit mit American West Publishing Company, Palo Alto, Calif., 1973.
  • Jackson Hole With a Naturalist. Frontier Press, 1963.
  • Fauna of the Aleutian Islands and Alaska Peninsula.Reihe: North American Fauna, 61-A. U.S. Fish and Wildlife Service, Washington, D.C., 1959.
  • A Field Guide to Animal Tracks. Houghton Mifflin Company, Boston 1954.
  • Ethics in Wildlife Management. In: The Journal of Wildlife Management. Band 18, Nr. 3, 1954, S. 289–293, doi:10.2307/3797014.
  • The Elk of North Amerika. Wildlife Management Institute, Washington D.C. 1951 in Zusammenarbeit mit The Stackpole Company, Harrisburg (Pennsylvania).
  • Notes on Coyote Food Habits in Montana and British Columbia. In: Journal of Mammalogy. Band 26, Nr. 1, 1945, S. 33–40, doi:10.2307/1375030.
  • Alaska-Yukon Caribou. Bureau of Biological Survey, Washington, D.C., 1935 (= North American Fauna, Nr. 54).
  • Food Habits of the Coyote in Jackson Hole, Wyoming. U.S. Departement of Agriculture, Circular-Nr. 362, Washington, D.C., 1935.

Literatur

  • James M. Glover: Olaus Murie’s Spiritual Connection with Wilderness. In: International Journal of Wilderness. Band 9, Nr. 1, 2003, Volltext (PDF).
  • James M. Glover: Sweet Days of a Naturalist: Olaus Murie in Alaska, 1920–26. In: Forest & Conservation History. Band 36, Nr. 3, 1992, S. 132–140.
  • James M. Glover: Thinking like a Wolverine: The Ecological Evolution of Olaus Murie. In: Environmental Review. Band 13, Nr. 3/4, 1989 (= Conference Papers, Part One (Autumn – Winter, 1989), S. 29–45), doi:10.2307/3984389.
  • Gregory D. Kendrick: An environmental spokesman: Olaus J. Murie and a democratic defense of wilderness. In: Annals of Wyoming. Band 50, Nr. 2, 1978, S. 213–302.
Commons: Olaus Murie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Zu beachten ist, dass Murie vor allem über Cervus canadensis geforscht hat, das heißt über Wapitis, die in Nordamerika meist als „elk“ bezeichnet werden. Die im deutschen Sprachgebrauch als Elche (Alces alces) bezeichneten Tiere werden in Nordamerika „moose“ genannt. In der Einleitung von John J. Little, A Wilderness Apprenticeship: Olaus Murie in Canada, 1914–15 and 1917, heißt es auf S. 531: „The National Wildlife Society judged his comprehensive wapiti study, The Elk of North America, the ‚outstanding publication on terrestrial wildlife‘ in 1951.“

Belege

  1. Olaus J. Murie Award Background (Memento vom 4. Juli 2008 im Internet Archive). Im Original publiziert auf der Website der Rocky Mountain Elk Foundation.
  2. a b Bronze Medal – Olaus J. Murie.
  3. a b John J. Little: A Wilderness Apprenticeship: Olaus Murie in Canada, 1914–15 and 1917. In: Environmental History. Band 5, Nr. 4, 2000, S. 542, Fußnote 6, doi:10.2307/3985585.
  4. a b c 50 Nifty Finds #14: Fine Lines. Auf der Website des National Park Service.
  5. Murie Ranch Historic District, Teton County, WY. (Memento vom 13. April 2008 im Internet Archive). Im Original publiziert auf dem Server des National Park Service, abgerufen am 15. September 2025.
  6. Grand Teton National Park: Murie Ranch.