Ohrflecktaube
| Ohrflecktaube | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Ohrflecktaube (Zenaida auriculata) | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
| ||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Zenaida auriculata | ||||||||||
| (Des Murs, 1847) |
Die Ohrflecktaube (Zenaida auriculata) ist eine Art der Taubenvögel. Sie kommt in mehreren Unterarten in Südamerika vor. Die Bestandszahlen dieser Taubenart sind sehr hoch. Die Art gilt als nicht gefährdet.
Erscheinungsbild
Die Ohrflecktaube erreicht eine Körperlänge von 26 Zentimetern.[1] Sie ist damit kleiner als eine Lachtaube und weist in ihrem Erscheinungsbild sehr viel Ähnlichkeit mit der Carolinataube auf. Sie ist die kleinste aller Trauertauben.[2] Der Geschlechtsdimorphismus ist nicht sehr stark ausgeprägt. Die Weibchen haben lediglich etwas mattere Farben.
Der Oberkopf und der Nacken sind bläulich grau. Kopf, Hals und Brust sind bräunlich rosa. Der Rosaton ist insbesondere auf der Brust sehr ausgeprägt. An den oberen Halsseiten findet sich ein dunkler, schillernder Fleck. Ein schmaler dunkler Streifen befindet sich hinter dem Auge. Die Flügeldecken sind gelbbraun mit einzelnen schwarzen Flecken, die Handschwingen sind dunkelgrau. Der Schnabel ist klein und zierlich und von dunkelgrauer Farbe. Die Iris ist rötlich braun. Die unbefiederten schmalen Augenringe sind grauweiß. Die Füße sind rötlich.
Verbreitung und Lebensraum
Die Ohrflecktaube ist in weiten Teilen Südamerikas und der Karibik verbreitet. In Teilen Südamerikas – insbesondere in Brasilien und Argentinien – gilt die Ohrflecktaube als landwirtschaftlicher Schädling und wird in großer Zahl gejagt. Sie ist aber in beiden Ländern zahlreich und große Schwärme in Brasilien können mehr als eine Million Tauben umfassen.[3]
Der Lebensraum der Ohrflecktaube sind aride und semiaride Regionen vom Küstentiefland bis in Höhen von 4.400 Metern.[3] Sie bewohnt offenes Land, das nur mit einzelnen Bäumen oder Baumgruppen bestanden ist, Kulturland und hat sich auch menschlichen Siedlungsraum erschlossen. Sie kommt in vielen Bereichen ihres Verbreitungsgebietes in Parks, Gärten und auf Industriegelände vor. Besonders eng ist ihre Bindung an menschliche Siedlungsräume aber in den Hochlandregionen der Anden.
Verhalten
Während die in den Anden und auf den Inseln vorkommenden Ohrflecktauben überwiegend Standvögel sind, gibt es bei den anderen Populationen saisonale und sporadische Wanderungen.[4] Diese Wanderungen führen häufig im Osten über das Tiefland Südamerikas. Im Nordosten Brasiliens werden etwa in einem dreijährigen Rhythmus solche starken Wanderbewegungen festgestellt, bei denen es häufig zu einer sehr großen Schwarmbildung kommt. Die Gründe für diese Wanderbewegungen sind bislang nicht hinreichend verstanden, hängen aber sehr wahrscheinlich mit der Verfügbarkeit von Nahrungsmittelressourcen zusammen.
Die Ohrflecktaube ist eine der typischen bodenbewohnenden Taubenarten. Dort wo sie nicht verfolgt wird, wird sie gegenüber dem Menschen sehr zutraulich. Ihr Nahrungsspektrum setzt sich aus Sämereien, kleinen Früchten, Insekten und Schnecken zusammen. Die Fortpflanzungszeit ist abhängig vom Verbreitungsgebiet. In Kolumbien brütet die Ohrflecktaube im Zeitraum März bis September, auf Trinidad im Zeitraum Dezember bis Januar und erneut im Zeitraum März bis September. In Brasilien werden Nester das ganze Jahr über gefunden, in den Anden Perus und Boliviens von August bis November und April bis Juni.[4]
Das Nest ist eine kleine Plattform aus Zweigen, dessen Nistmulde mit kleinen Wurzeln und Gras ausgelegt wird. Es wird gewöhnlich im Unterholz oder in Bäumen errichtet. Das Gelege besteht aus ein bis zwei Eiern. Die Brutzeit währt etwa 14 Tage und die Jungvögel sind nach 12 bis 15 Tagen flügge.[2] Wie bei vielen anderen Arten der Trauertauben ziehen die Ohrflecktauben eine zweite Brut groß, wenn die erste flügge geworden ist.
Unterarten
Es sind folgende Unterarten bekannt:[5]
- Zenaida auriculata caucae Chapman, 1922[6] kommt im westlichen Kolumbien vor.
- Zenaida auriculata antioquiae Chapman, 1917 ist im nördlichen zentralen Kolumbien verbreitet.
- Zenaida auriculata pentheria Bonaparte, 1855[7] ist im östlichen Kolumbien und westlichen Venezuela verbreitet.
- Zenaida auriculata vinaceorufa Ridgway, 1884[8] kommt auf den Niederländischen Antillen vor.
- Zenaida auriculata stenura Bonaparte, 1855[7] ist auf den Kleinen Antillen, auf Trinidad, Zentralkolumbien über Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und das nördliche Brasilien verbreitet
- Zenaida auriculata jessieae Ridgway, 1888[9] ist am Unterlauf des Amazonas in Braslien verbreitet.
- Zenaida auriculata marajoensis Berlepsch, 1913[10] kommt an der Amazonas-Mündung in Brasilien vor.
- Zenaida auriculata noronha Sharpe, 1890[11] ist im nordöstlichen Brasilien und uf Fernando de Noronha verbreitet
- Zenaida auriculata hypoleuca Bonaparte, 1855[12] kommt im westlichen Ecuador und dem westlichen Peru bis ins nordwestliche Bolivien und das nördliche Chile verbreitet.
- Zenaida auriculata chrysauchenia Reichenbach, 1847[13] kommt im östlichen Bolivien bis Zentralbrasliem und südlich bis Feuerland vor.
- Zenaida auriculata auriculata (des Murs, 1847)[14] ist im zentralen Chile und dem westlichen zentralen Argentinien verbreitet.
Zenaida rubripes Lawrence, 1885[15] und Zenaida ruficauda robinsoni Ridgway, 1915[16] werden heute als Synonym zu Z. a. stenura betrachtet, Zenaida auriculata pallens Bangs & Noble, 1918[17] als Synonym zu Z. a. hypoleuca, Zenaida ruficauda Bonaparte, 1855[7] und Zenaida bogotensis Lawrence, 1885[18] als Synonym zu Z. a. pentheria und Zenaida virgata Bertoni, AW, 1901[19] und Columba Maculata Vieillot, 1823[20] als Synonym zu Z. a. chrysauchenia. Zenaida auriculata vulcania Meyer de Schauensee, 1944[21] könnte eine Hybride von Z. a. hypoleuca und Z. a. caucae sein.
Haltung in menschlicher Obhut
Ohrflecktauben wurden das erste Mal im Zoo von London gezeigt. 1897 gelang dort die erste Zucht.[1] Heute wird sie allerdings nur noch selten importiert und spielt in der europäischen Wildtaubenhaltung keine besonders große Rolle.[2]
Belege
Einzelnachweise
- ↑ a b Rösler, S. 187
- ↑ a b c Münst, S. 83
- ↑ a b Gibbs, S. 325
- ↑ a b Gibbs, S. 324
- ↑ IOC World Bird List Pigeons
- ↑ Frank Michler Chapman (1922), S. 1
- ↑ a b c Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1855), S. 98
- ↑ Robert Ridgway (1884), S. 176
- ↑ Robert Ridgway (1888), S. 527
- ↑ Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1888), S. 149
- ↑ Richard Bowdler Sharpe (1890), S. 479
- ↑ Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1855), S. 97
- ↑ Ludwig Reichenbach (1847), S. III
- ↑ Marc Athanase Parfait Œillet Des Murs (1847), S. 381, im Atlas Tafel 7
- ↑ George Newbold Lawrence (1885), S. 357
- ↑ Robert Ridgway (1915), S. 107
- ↑ Outram Bangs u. a. (1918), S. 446
- ↑ George Newbold Lawrence (1885), S. 358
- ↑ Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 24–25
- ↑ Louis Pierre Vieillot (1823), S. 376
- ↑ Rodolphe Meyer de Schauensee (1944), S. 2
Literatur
- Félix de Azara: Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band 3. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1805, S. 17–20 (biodiversitylibrary.org).
- Outram Bangs, Gladwyn Kingsley Noble: List of Birds Collected on the Harvard Peruvian Expedition of 1916. In: The Auk. Band 35, Nr. 4, 1918, S. 442–463 (usf.edu [PDF; 959 kB]).
- Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Systematisches Verzeichniss der von Herrn Ricardo Rohde in Paraguay gesammelten Vögel. In: Journal für Ornithologie (= 4. Band 15). Nr. 177, 1887, S. 1–37 (biodiversitylibrary.org).
- Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Beschreibung von zwei neuen von den Herren Dr. Bluntschil und Peyer auf der Insel Marajó am Ausfluß des Amazonasstroms gesammelten Vogelformen. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 21, Nr. 9, 1913, S. 147–149 (biodiversitylibrary.org).
- Arnaldo de Winkelried Bertoni: Aves nuevas del Paraguay. Continuación á Azara. In: Anales cientificos paraguayos. Band 1, 1901, S. 1–216 (biodiversitylibrary.org).
- Arnaldo de Winkelried Bertoni: Sobre ornitología del Chaco Paraguayo. Aves colectadas por Félix Posner en la Colonia „Monte Sociedad“, hoy Benjamin Aceval (Villa Hayes). In: Revista de la Sociedad Científica del Paraguay. Band 2, Nr. 6, 1930, S. 241–258.
- Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: A geographical and comparative list of the birds of Europe and North America. Van Voorst, London 1838 (biodiversitylibrary.org).
- Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Coup d'œil sur le Pigeons. In: Compte Rendus Hebdomadaire des Séances de l'Académie des Sciences. Band 40, 1855, S. 96–102 (biodiversitylibrary.org).
- Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Conspectus generum avium. Band 2. E. J. Brill, Leiden 1857 (biodiversitylibrary.org).
- Frank Michler Chapman: Descriptions of apparently new birds from Colombia, Ecuador, and Argentina. In: American Museum novitates. Nr. 31, 1922, S. 1–8 (amnh.org [PDF; 6,2 MB]).
- Frank Michler Chapman: The distribution of bird-life in Colombia: a contribution to a biological survey of South America. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 36, 1917, S. 1–729 (biodiversitylibrary.org).
- Charles Chubb: On the Birds of Paraguay. In: The Ibis (= 9. Band 4). Nr. 13, 1910, S. 53–78 (biodiversitylibrary.org).
- David Gibbs, Eustace Barnes, John Cox: Pigeons and Doves. A Guide to the Pigeons and Doves of the World. Pica Press, Alfeld-Sussex 2001, ISBN 90-74345-26-3.
- George Robert Gray: List of the specimens of birds in the collection of the British Museum (Columbae). Band 4. Printed by Order of the Trustees, London 1856, S. 47 (biodiversitylibrary.org).
- John Graham Kerr: On the Birds observed during a Second Zoological Expedition to the Gran Chaco. In: The Ibis (= 8. Band 1). Nr. 13, 1901, S. 215–236 (biodiversitylibrary.org).
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 133–135 (google.de).
- George Newbold Lawrence: Descriptions of New Species of Birds of the Family Columbidae. In: The Auk. Band 2, Nr. 4, 1885, S. 357–359 (englisch, usf.edu [PDF; 462 kB]).
- Rodolphe Meyer de Schauensee: Notes on Colombian Birds, with a Description of a New Form of Zenaida. In: Notulae Naturae of The Academy of Natural Science of Philadelphia. Nr. 144, 13. Oktober 1944, S. 1–14 (google.de).
- Alois Münst, Josef Wolters: Tauben – Die Arten der Wildtauben. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Verlag Karin Wolters, Alfeld-Bottrop 1999, ISBN 3-9801504-9-6.
- Marc Athanase Parfait Œillet Des Murs in Claudio Gay: Aves in Historia fisica y politica de Chile segun documentos adquiridos en esta Republica durante doce años de residencia en ella y publicada bajo los auspicios del supremo gobierno (= Zoologia. Band 1). Maulde Y Renou, Paris 1847, S. 183–494 (biodiversitylibrary.org).
- Elsie Margaret Binger Naumburg: The birds of Matto Grosso, Brazil. A report on the birds secured by the Roosevelt-Rondon Expedition. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 60, 1930, S. i-vii, 1–432 (amnh.org).
- Ludwig Reichenbach: Synopsis avium iconibus coloratis hucusque rite cognitarum specierum illustrata. Nr. 3. Printed by Order of the Trustees, London 1856, S. 1–4 (google.de).
- Robert Ridgway: On a collection of birds made by Messrs. J. E. Benedict and W. Nye, of the United States Fish Commission steamer Albatross. In: Proceedings of the United States National Museum. Band 7, Nr. 429, 1884, S. 172–180 (biodiversitylibrary.org).
- Robert Ridgway: Descriptions of new species and genera of birds from the lower Amazon. In: Proceedings of the United States National Museum. Band 10, Nr. 660, 1888, S. 516–528 (biodiversitylibrary.org).
- Robert Ridgway: Descriptions of some new forms of American cuckoos, parrots, and pigeons. In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Band 28, 1915, S. 105–107 (biodiversitylibrary.org).
- Gerhard Rösler: Die Wildtauben der Erde – Freileben, Haltung und Zucht. Verlag M. & H. Schaper, Alfeld-Hannover 1996, ISBN 3-7944-0184-0.
- Richard Bowdler Sharpe, Henry Nicholas Ridley: Aves. In: The Journal of the Linnean Society of London. Zoology. Band 20, 1890, S. 477–480 (biodiversitylibrary.org).
- Louis Pierre Vieillot: Tableau encyclopédique et méthodique des trois règnes de la nature. 1 Ornithologie. Mme Veuve Agasse, Paris 1823 (biodiversitylibrary.org).
- Alexander Wetmore: Observations on the birds of Argentina, Paraguay, Uruguay, and Chile. In: Bulletin of the United States National Museum. Nr. 133, 1926, S. 1–448 (biodiversitylibrary.org).
Weblinks
- Zenaida auriculata in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2024. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- BirdLife International: Species Factsheet – Eared Dove (Zenaida auriculata)
- Ohrflecktaube (Zenaida auriculata) bei Avibase
- Zenaida auriculata im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- Ohrflecktaube (Zenaida auriculata) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Ohrflecktaube (Zenaida auriculata)
- Ohrflecktaube in featherbase
- Eared Dove (Zenaida auriculata) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Ohrflecktaube auf oiseaux.net (französisch)