Aurikulotherapie

Aurikulotherapie ist eine Therapieform nach der Akupunktur in der Alternativmedizin, die auf der Vorstellung basiert, dass die Ohrmuschel ein Mikrosystem und ein äußeres Organ ist, das den gesamten Körper widerspiegelt. Beschwerden, die die körperliche, geistige oder emotionale Gesundheit einer Person beeinträchtigen, können laut der Aurikulotherapie durch die Stimulation der Ohroberfläche behandelt werden. Ein ähnliches Verfahren ist zum Beispiel die Reflexzonenmassage.

Es gibt keinerlei medizinische oder wissenschaftliche Erkenntnissen, dass die Aurikulotherapie einen körperlichen Effekt hat. Die Wirkung wird als Placebo-Effekt eingeordnet.[1]

Geschichte

Der französische Neurologe Paul Nogier erfand 1957 die Aurikulotherapie.[2] Die Ohrakupunktur nach Nogier wird seit 1958 in China genutzt.[3]

Eine Variante der Aurikulotherapie, das sogenannte Ohrklammern, beinhaltet das langfristige Einsetzen einer medizinischen Klammer in die Ohrmuschel. Befürworter behaupten, dass das Verfahren beim Abnehmen, beim Aufhören mit dem Rauchen und beim Stressmanagement helfen würde. Es wird jedoch als riskant und unwirksam von Experten angesehen.[4]

Nogier-Punkte

Die Prinzipien der Aurikulotherapie widersprechen der bekannten Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers. Zu den relevanten Punkten gehören laut Nogier:

Nogier behauptet, dass verschiedene Punkte am Ohrläppchen mit dem Kopf und der Gesichtsregion in Verbindung stehen.[5]

Kritik

Eine Studie konnte keine Wirkung der Aurikulotherapie feststellen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Aurikulotherapie kein wirksames Therapieverfahren für chronische Schmerzen ist. So wurde schlussgefolgert, dass die von Patienten berichtete Schmerzlinderung nach Aurikulotherapie auf Placeboeffekten beruht.[6]

Einzelnachweise

  1. Aurikulotherapie. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  2. Pu-Wei Hou, Hsin-Cheng Hsu, Yi-Wen Lin, Nou-Ying Tang, Chin-Yi Cheng, Ching-Liang Hsieh: The History, Mechanism, and Clinical Application of Auricular Therapy in Traditional Chinese Medicine. In: Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine: eCAM. Band 2015, 2015, ISSN 1741-427X, S. 495684, doi:10.1155/2015/495684, PMID 26823672, PMC 4707384 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  3. Elisabeth Hsü: The History and Development of Auriculotherapy. In: Acupuncture in Medicine. Band 10, 1_suppl, 1. November 1992, ISSN 0964-5284, S. 109–118, doi:10.1136/aim.10.Suppl.109.
  4. Leslie K. Winter, Jeffrey H. Spiegel: Ear stapling: a risky and unproven procedure for appetite suppression and weight loss. In: Ear, Nose, & Throat Journal. Band 89, Nr. 1, Januar 2010, ISSN 1942-7522, S. E20–22, PMID 20155684 (nih.gov [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  5. Xin-Nong, C. (2010) Chinese acupuncture and moxibustion. 3rd Edition, Foreign Languages Press, Beijing. - References - Scientific Research Publishing. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  6. Ronald Melzack: Auriculotherapy Fails to Relieve Chronic Pain: A Controlled Crossover Study. In: JAMA. Band 251, Nr. 8, 24. Februar 1984, ISSN 0098-7484, S. 1041, doi:10.1001/jama.1984.03340320027021.