Ohne jeden Zweifel

Ohne jeden Zweifel (Originaltitel: The Farm) ist ein psychologischer Thriller von Tom Rob Smith. Er spielt in London und Schweden und ist Smiths viertes veröffentlichtes Werk. Der Roman erschien 2014 bei Simon & Schuster. Die deutsche Übersetzung von Eva Kemper wurde bereits 2013 von Manhattan veröffentlicht.

Inhalt

Im Sommer 1963 reißt die 16-jährige Tilde von ihrem elterlichen Hof im ländlichen Schweden aus und flüchtet nach London. Hintergrund ist, dass die Dorfgemeinschaft sie in Verbindung mit einem tödlichen Badeunfall ihrer Freundin Freya bringt. An Freyas Ertrinken konnte zwar kein Verschulden Tildes nachgewiesen werden, aber sie hatte zuvor eine heftige Auseinandersetzung mit Freya gehabt und war am Unfallort. Tildes Vater, ein erfolgreicher Lokalpolitiker, Landwirt, Imker und angesehenes Mitglied der Kirchengemeinde, empfindet diese Gerüchte als solche Schande, dass er Tilde verstößt. Also flieht sie nach England, bricht jeden Kontakt zu ihren Eltern ab und heiratet den Briten Chris. Sie führen eine glückliche Ehe, gründen eine Familie mit Sohn Daniel, machen sich selbstständig und leiten eine Gärtnerei.

50 Jahre später verkaufen Tilde und Chris ihren Betrieb und erfüllen sich ihren langgehegten Wunsch, ihren Ruhestand auf einem Selbstversorger-Hof in Schweden zu verbringen und dort alt zu werden.

Die eigentliche Erzählung beginnt wenige Monate später, als Chris seinen Sohn Daniel, den Ich-Erzähler, überraschend anruft und ihm mitteilt, dass seine Mutter unter starken paranoiden Wahnvorstellungen leidet, die lebensbedrohliche Ausmaße annähmen. Daniels Mutter, die nur wenige Minuten später ebenfalls anruft, behauptet hingegen, sie sei völlig gesund, und Daniel solle seinem Vater kein Wort glauben. In einer Art Flucht kommt sie noch am selben Tag zu ihm nach London und legt sehr reflektiert und strukturiert ihre Theorie dar, dass sie in Schweden eine kriminelle Vereinigung aufgedeckt habe, die Mädchen systematisch adoptiere, sexuell ausbeute und – in mindestens einem Fall, dem verschwundenen dunkelhäutigen Mädchen Mia – auch töte. Die Dorfgemeinschaft, angeführt von einem einflussreichen Großgrundbesitzer und Nachbarn namens Håkan, habe sie von Anfang an schikaniert, da sie sich nicht einfügen wollte. Jetzt, da sie die Verschwörung aufgedeckt habe, trachte man ihr nach dem Leben oder wolle sie zumindest mithilfe eines eingeweihten Arztes für verrückt erklären und zwangseinweisen lassen. Auch Chris sei mittlerweile Teil dieser Verschwörung.

Zum Beweis legt sie Daniel Stück für Stück gesammelte Beweise vor, die sie wie einen Schatz hütet. Daniels Vater bestreitet alles und verweist auf Tildes zunehmende Psychose und Wahnvorstellungen. Tilde droht nun, Daniel als Sohn zu verstoßen, sollte er seinem Vater mehr glauben als ihr. Daniel, der seinerseits Geheimnisse vor seinen Eltern hat und ihnen seine Homosexualität verheimlicht hat, ist hin- und hergerissen und weiß nicht, wem er vertrauen kann, muss aber schließlich eine Entscheidung treffen. Er lässt seine Mutter in eine psychiatrische Klinik einweisen. Sie fühlt sich von ihm verraten und bricht jede Kommunikation ab. Als es ihr immer schlechter geht, reist Daniel nach Schweden und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Durch Recherchen vor Ort und viele Gespräche, auch mit Tildes Vater, seinen Großvater, den er nie kennengelernt hat, findet Daniel, der zuvor von Håkan noch als Versager verhöhnt wird, schließlich die Wahrheit heraus.

Tilde selbst wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht. Weil sie diese Realität nicht akzeptieren konnte, erfand sie ein Mädchen namens Freya, auf die sie ihre eigenen Erlebnisse projizierte. Das Mädchen Mia rührte die Erinnerung an ihr eigenes Schicksal auf. Sie nahm wahr, dass am gleichgültigen Umgang mit ihrem Verschwinden etwas nicht stimmte. Den Missbrauchsring bildete sie sich allerdings ein. Tatsächlich wurde Mia von ihrem Adoptivvater Håkan verstoßen, nachdem sie schwanger geworden war. Das Mädchen zog zu ihrem Freund, einem Kunststudenten, nach Stockholm. Hier macht Daniel sie ausfindig und bittet sie, nach London zu reisen, um seine Mutter zu besuchen, weil diese seinen Berichten nicht glauben würde. Mia redet lange allein mit Daniels Mutter in der Klinik. Anschließend bittet eine Krankenschwester die Familie ins Besucherzimmer.

Hintergrund

Der Roman setzt sich mit Fragen der psychischen Gesundheit, der Familie und der Wahrheit auseinander. Scheinwelten, erfundene Geschichten sowie verdrängte und nicht ausgesprochene Wahrheiten spielen bei allen Beteiligten eine große Rolle.

Tom Rob Smith ist der Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters, beide Antiquitätenhändler. Er wurde durch die Psychose seiner Mutter inspiriert, von der sie sich inzwischen vollständig erholt hat. Es bleibt offen, wie viel Autobiographie in dem Werk steckt. Smith sagt jedoch, er war überrascht von der Klarheit seiner Mutter, als sie ihre paranoiden Wahnvorstellungen beschrieb; er sagte: „Man würde nicht denken, dass jemand mit einer Psychose [...] meta-rhetorisch sein könnte. Und sie analysierte alles, was sie sagte, um zu sehen, wie es ankommen würde. Und ich dachte nur, na ja, jemand, der psychotisch ist, kann nicht so selbstbewusst sein. Aber der springende Punkt ist, dass man sich bei einer Psychose seiner selbst übermäßig bewusst ist. Was mich wirklich überrascht hat, war, wie wenig ich über psychische Gesundheit wusste.“[1]

Stilistisch wird jederzeit deutlich, dass Daniel und Tilde jeweils ausschließlich ihre eigene Sicht der Dinge darlegen, die der Leser nie als Fakten ansehen darf. Hierzu arbeitet der Autor bei Tildes Aussagen mit eingerücktem Rand. Beim Hörbuch lesen Friedrich Mücke und Beate Himmelstoß im Wechsel.

Bibliografische Informationen

Titel Ohne jeden Zweifel: Thriller
Autor/in Tom Rob Smith
Übersetzt von Eva Kemper
Verlag Manhattan, München 2013
ISBN 978-3-442-54678-7

Einzelnachweise

  1. Tom Rob Smith: 'In writing you retreat from the muddle’. Abgerufen am 3. Juli 2023.