Ohad Pele Ezrachi

Ohad Pele Ezrahi (hebräisch אוהד פלא עזריה; geboren 1965 in Kiryat Motzkin) ist ein israelischer Rabbiner, Autor und spiritueller Lehrer, der Teil der jüdischen Erneuerungsbewegung (englisch Jewish Renewal) ist. Er beschreibt seine Arbeit als beeinflusst von Kabbala, Chassidismus, Tantra und Zen-Buddhismus. Ezrahi hat mehrere Bücher zu diesen Themen veröffentlicht und war an der Gründung verschiedener spiritueller Gemeinschaften und Initiativen beteiligt.

Leben und Wirken

Ezrahi wuchs in einer säkularen jüdischen Familie auf und besuchte die weiterführende Schule Midreshet Ben-Gurion. Schon während seiner Schulzeit entwickelte er ein starkes Interesse an den Philosophien indigener Kulturen Nordamerikas, am Buddhismus und am Zen. Gegen Ende der Schulzeit wandte er sich, inspiriert durch die Schriften Martin Bubers, dem chassidischen Gedankengut zu und kehrte unter der Anleitung von Israel Hevroni zur religiösen-jüdischen Praxis zurück. Er trat der chassidischen Dynastie von Belz bei und wurde von Rabbi Yissachar Dov Rokeach, (der 5te Belzer Rebbe) mit seiner Schulfreundin Ruth verheiratet. Nach einem Studium an einem Kollel setzte er seine Ausbildung an der kabbalistischen Jeschiwa Sha’ar HaShamayim fort und vertiefte sich in verschiedene Strömungen des Chassidismus und der Kabbala. Dabei studierte er unter anderem bei Rabbi Asher Lustigman und wurde später enger Schüler und persönlicher Sekretär von Rabbi Yitzchak Ginsburgh.

Im Jahre 1989 gehörte das Ehepaar Ezrachi zu einem Kern von sieben Familien aus Rabbi Ginzburgs Schülerschaft und gründete gemeinsam die Siedlung Bat Ajin in Gusch Etzion (Judäa), wo sie bis zum Jahre 2000 lebten. Das Paar adoptierte zwei Töchter, und später wurde ihr ein Sohn Yehu-Shalem geboren. Ezrachi lehrte an der Midreshet Bat Ein, in Rabbi Ginzburgs Organisation Gal Eini, an der Jeschiwa Hesder Otniel, an der Jeschiwa Hesder Ramat Gan[1], an der Jeschiwa Sheach Yitzhak, am Beit Midrasch der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg, (hebräisch הַר הַצּוֹפִים Har ha-Zōfīm, deutsch ‚Berg der Späher‘) und an weiteren Einrichtungen.[2]

Im Jahr 1994 veröffentlichte er die Broschüre „Welten des Zweifels“, eine Erklärung des Glaubenssystems und der Meinungen der Figuren im Buch Hiob.

1997 arbeitete er mit Yitzhak Hayut-Mann zusammen. Sie entwickelten eine Vision von Jerusalem und dem darin befindlichen Tempel als zukünftigem Tempel für alle Völker. Die beiden initiierten und gestalteten Computerprogramme zur kabbalistischen Meditation und sogar einen Vorschlag zur Errichtung eines virtuellen Tempels im Internet mithilfe von Virtual Reality. Gemeinsam veröffentlichten sie das Buch „Das Alte wird erneuert und das Neue geheiligt“. Darin entwickelte Ezrachi die Idee, dass Erotik die Grundlage für das Konzept der Heiligkeit bildet, wie es seiner Ansicht nach im hebräischen Tempel in Jerusalem und in der Hoheliedrolle zum Ausdruck kommt.[3] Gegen Ende der 1990er Jahre setzte sich Ezrahi für eine größere Offenheit des Judentums gegenüber interreligiösen Einflüssen, insbesondere aus östlichen Religionen, ein. Er protestierte gegen das Leid junger Männer und Frauen in religiösen Gemeinschaften, die bis zur Ehe keinen Kontakt zum anderen Geschlecht haben, und argumentierte, dass nach orthodoxem jüdischem Recht voreheliche sexuelle Beziehungen im Rahmen des sogenannten Konkubinats erlaubt sein könnten. Diese Haltung führte zu seinem Ausschluss aus der Gemeinde.

Lehre

Ezrachi versteht Spiritualität als einen Weg der Integration statt der Dissoziation, im Sinne Pierre Janets. In seinen Überlegungen verbindet er „kabbalistische Mythen“ bzw. Figuren mit existenzieller Erfahrung und deutet Figuren wie Lilith[4] oder Leviathan als Ausdruck dissoziierter seelischer und kultureller Kräfte – insbesondere von Eros, Chaos (Tohuwabohu) und weiblicher Autonomie. Was religiöse Ordnungen nicht zu halten vermögen, wird abgespalten und dämonisiert, gilt ihm jedoch nicht als böse, sondern als unerlöst und beziehungsbedürftig. Heilung und Tikun Olam entstehen dort, wo das Ausgeschlossene wieder in Beziehung tritt und integriert werden kann, nicht durch moralische Kontrolle, sondern durch Anerkennung und lebendige Begegnung.

Publikationen (Auswahl)

  • "הישן יתחדש והחדש יתקדש" („Der Alte wird erneuert und das Neue wird geheiligt“), zusammen mit Yitzchak Chajut-Man, HaAkademia le-Yerushalayim, Jerusalem 1997.
  • "דרכים של עוצמה" („Der Pfad der Stärke“), Kommentar zu einer Erzählung von Rabbi Nachman von Breslov, Ulpanei Bereschit, Mizukei Dragot 2003
  • "קלפי מעשיות ברסלב" („Breslov-Märchen-Karten“), Entwicklung von Arbeitskarten für innere Arbeit basierend auf Geschichten von Rabbi Nachman von Breslov, Ulpanei Bereschit, Mizukei Dragot 2003.
  • "בסוד לויתן" („Im Geheimnis des Leviathan“), zusammen mit Micha Ankori. Mythologisch-psychologische Untersuchung im Denken Israels, Modan, Tel Aviv 2004.
  • "מי מפחד מלילית" („Wer fürchtet Lilith?“), zusammen mit Mordechai Gafni, Modan, Tel Aviv 2005.
  • "חגיגה - מבט חדש לחכמת הלוח העברי ומשמעות חגי ישראל" („Feier – Ein neuer Blick auf die Weisheit des hebräischen Kalenders und die Bedeutung der Feiertage Israels“), Dofen, Jerusalem 2013; 2. Auflage 2022.
  • "קדשה - שובן של כוהנות האהבה" („Kedesha – Die Rückkehr der Liebespriesterinnen“), Pseudo-historischer Roman über die Zeit des Königs Joschija, Dofen, Jerusalem 2016; 2. Auflage 2021. Englische Ausgabe: Kedesha: A Timeless Tale of a Love Priestess, 2018.
  • "קדשה - אפלה זוהרת" („Kedesha – Strahlende Finsternis“), Pseudo-historischer Roman über die Geschichte von Jakob Frank, Dofen, Jeruslaem 2020.
Commons: Ohad Ezrahi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Judaica Portal, Ezrahi, Ohad [4]

Einzelnachweise

  1. sieh hierzu Oberrabbiner Yaakov Ariel
  2. אוהד אזרחי מקים את האקדמיה העברית של הרוח (deutsche Übersetzung „Ohad Ezrachy gründet die Hebräische Akademie des Geistes“), Tomer Persico, auf tomerpersico.com [1]
  3. Joshua Davis: Apocalypse Now. Wired, Apr 1, 2004, auf wired.com [2]
  4. Pele Ohad Ezrahi: Gafni, me, and Lilith. A confession. Dec 2022, Costa Rica, auf kabalove.org [3]