Offener Kanal Dortmund
| Offener Kanal Dortmund | |
| Bürger machen Fernsehen | |
| Hörfunksender (Offener Kanal / Bürgermedium) | |
| Empfang | |
|---|---|
| Betrieb | 1. Juni 1985 bis 1. Jan. 2009 |
| Sprache | deutsch |
| Sitz | Dortmund, Deutschland |
| Eigentümer | Offener Kanal Dortmund e. V. |
| Liste von Hörfunksendern | |
| [Offener Kanal Dortmund (Archiv) Website] | |
Der Offene Kanal Dortmund war ein regionales Bürgermedium in Nordrhein-Westfalen. Er entstand 1985 im Rahmen des Kabelpilotprojekts Dortmund und war der zweite Offene Kanal in der Bundesrepublik Deutschland. Bis 2009 bot er Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, eigene Fernsehbeiträge zu produzieren und auszustrahlen. Später ging aus ihm der landesweite Lern- und Bürgersender NRWision hervor.
Geschichte
Anfänge im Kabelpilotprojekt (1985–1988)
Der Offene Kanal Dortmund nahm am 1. Juni 1985 seinen Sendebetrieb auf. Er war Teil des nordrhein-westfälischen Kabelpilotprojekts Dortmund, das vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Kooperation mit dem ZDF durchgeführt wurde. Dortmund war damit nach Ludwigshafen der zweite Offene Kanal in Deutschland.
Ziel des Projekts war es, Bürgerinnen und Bürger an der Produktion von Fernsehinhalten zu beteiligen und die Möglichkeiten des Breitbandkabels im lokalen Bereich zu erproben. Der Kanal bot Schulungen, Produktionsmöglichkeiten und Sendezeit für die Bevölkerung.
Trägerverein und Ausbau (ab 1988–2000)
Im März 1988 übernahm der neu gegründete Offener Kanal Dortmund e. V. die Trägerschaft vom WDR. Der Sender entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Dortmunder Medienlandschaft. In den 1990er-Jahren verfügte der Offene Kanal über eigene Studio- und Schnitttechnik sowie über ein Netzwerk ehrenamtlich Engagierter.
Leiter des Offenen Kanals Dortmund war in den frühen Jahren unter anderem Christian Longolius, der sich auch bundesweit in der „Expertengruppe Offener Kanal“ engagierte, später übernahm Norbert Wortmann, die Leitung des Offenen Kanals. Unterstützt wurde der Offene Kanal Dortmund e.V. von der Werkstatt Offener Kanal e.V (WOK) unter der Leiterin Angelika Jaenicke. Die Werkstatt Offener Kanal hatte es sich zur Aufgabe gemacht die Offenen Kanäle in NRW auf zu bauen und zu unterstützen.
Umzug in eine alte Schule 1992 an der Teutoburgerstr. 20 in Dortmund-Dorstfeld mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer wurde hier ein „Sendezentrum“ mit Livesendemöglichkeit in das Dortmunder Kabelnetz und Produktionsmöglichkeiten für Dortmunder Bürger geschaffen. Der Offene Kanal im Hörfunk wurde ab 1992 aufgegeben. Der Offene Kanal war in dieser Zeit einer der aktivsten Offenen Kanäle. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, lokale Initiativen, Schulen und Studierende produzierten hier regelmäßig eigene Fernsehbeiträge. In den 90er Jahren gab es fast täglich Livesendungen aus dem Studio des Offenen Kanals.
Zahlreiche spätere Medienschaffende, Journalistinnen und Journalisten sammelten hier ihre erste praktischen Erfahrungen. Ein regelmäßiges Kursprogramm bildete hunderte von Bürgern und Bürgerinnen in Schnitt und Kameratechnik aus.
Kooperation mit der TU Dortmund (1998–2008)
Ab 1998 begann eine enge Kooperation zwischen dem Offenen Kanal Dortmund und der Technischen Universität Dortmund. Das studentische Unifernsehen do1 erhielt einen regelmäßigen Sendeplatz im Offenen Kanal.[1]
Nach einem Umzug in das Medienzentrum am Nollendorfplatz 2 verfügte der Offene Kanal über ein Ansagestudio und ein TV-Studio mit drei Kameras, das auch für Live-Sendungen genutzt werden konnte.[2] Ab 2002 wurden dort auch Auszubildende Mediengestalter Bild und Ton der TU Dortmund ausgebildet.
Umbenennung und Ende des Sendebetriebs (2004–2009)
Von 2004 bis 2008 sendete der Offene Kanal Dortmund unter dem Programmnamen floriantv. Ziel war eine stärkere Verbindung zwischen Bürgerfernsehen, Ausbildung und Hochschulprojekten. Am 1. Januar 2009 wurde der Kabel-Sendebetrieb eingestellt.
Nachfolge: NRWision
Nach der strukturellen Neuausrichtung der Bürgermedienförderung in Nordrhein-Westfalen entstand 2009 der landesweite Lehr- und Lernsender NRWision, betrieben vom Institut für Journalistik der TU Dortmund. NRWision gilt als Nachfolgeprojekt des Offenen Kanals Dortmund und vereint heute Bürgermedien, Ausbildung und digitale Distribution (Kabel, Internet, Mediathek).
Bedeutung
Der Offene Kanal Dortmund galt in den 1990er-Jahren als einer der aktivsten Offenen Kanäle Deutschlands. Bürgerinnen und Bürger, lokale Initiativen, Schulen und Studierende produzierten regelmäßig eigene Fernsehbeiträge. Das Projekt trug zur Förderung der Medienkompetenz und zur Etablierung von Bürgerbeteiligung in der lokalen Öffentlichkeit bei. Zahlreiche spätere Medienschaffende und Journalistinnen der Region sammelten hier ihre ersten praktischen Erfahrungen.
Siehe auch
Literatur
- Helmut Volpers, Petra Werner (Hrsg.): Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations und Programmanalyse (= Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Band 56). VISTAS, 2007, ISBN 978-3-89158-453-8, ISSN 1862-1090.
- Der Offene Kanal im Kabelpilotprojekt Dortmund. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1987.
- Christian Longolius (Hrsg.): Der Offene Kanal – Bürgerfernsehen in Deutschland. München 1990.
Weblinks
- Offener Kanal Dortmund (Archivversion 2008) bei archive.org
- do1 – Unifernsehen Dortmund
- NRWision – Lern- und Bürgermedienplattform
Einzelnachweise
- ↑ Unifernsehen do1 wieder im Kabel zu sehen. In: Innovations-Report. 14. September 2000, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Organisations- und Programmanalyse der Bürgermedien in NRW. (PDF) Landesanstalt für Medien NRW, 2006, abgerufen am 9. Oktober 2025.