Odë

Odë oder Oda ist ein traditioneller albanischer Versammlungsraum, der vor allem in ländlichen Haushalten Albaniens und Kosovos zu finden ist.

Ein Odë ist meistens der größte Raum im Haus reicher und mächtiger Familien und diente dem Empfang von Gästen. Er ist ausgestattet mit Sitzmatten entlang der Wände und Teppichen in der Mitte. Wände, Fenster, Kamin und Decke waren oft aufwändig verarbeitet. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es diesen Raumtyp in vielen Regionen des Balkans. Die Kullas der Ghegen in ländlichen Gebieten Nordalbaniens und Kosovos haben häufig einen Odë. Die wohlhabendsten Familien konnten separate Gästehäuser, errichten, wo der Odë untergebracht wurde.[1][2] In einfacheren Häusern mit wenigen Räumen wurde der Odë in erster Linie von der Familie zum Schlafen genutzt.[3]

In einem Odë fanden früher gesellschaftliche Aktivitäten statt wie zum Beispiel Diskussionen über kulturelle oder politische Themen und das Singen traditioneller albanischer Lieder.[4] Bis zum frühen 20. Jahrhundert war es nur alten und verheirateten Männern gestattet, den Raum zu betreten. Während des 20. Jahrhunderts verlor der Odë seine kulturelle Bedeutung, und er wurde zunehmend zu einem Wohnzimmer und Empfangsraum für Gäste.[4] In diesem Raum werden auch Hochzeiten gefeiert und Todesfälle begangen. Aber noch immer servieren traditionell die jungen Männer des Hauses das Essen und Getränke.[5.1] Im Odë gilt auch eine strikte Sitzordnung: Gäste sitzen rechts, die Familienangehörigen links.[5.2]

Weitere Namen für den Odë sind oda e miqve (Oda der Gäste), oda e burrave (Männer-Oda), kulla e miqve (Kulla der Gäste) und konaku i miqve (Konak der Gäste).[5.1]

Commons: Odë – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Florina Jerliu, Kaltrina Thaçi: Building typology of Albanian kulla stone houses in the Balkans. In: Built Heritage. Band 8, Nr. 1, 11. März 2024, ISSN 2662-6802, S. 5, doi:10.1186/s43238-024-00113-8.
  2. Nora Arapi, Emin Riza, Shqipe Nixha, Teuta Jashari Kajtazi: Documentation of seven traditional houses in Prizren: Traditional Architecture and Documentation Methodologies. Dokumentimi i shtatë shtëpive tradicionale në Prizren: Arkitektura Tradicionale dhe Metodat e Dokumentimi. Hrsg.: Cultural Heritage Without Borders, Kosovo Office (= CHwB Kosovo Office Report Series. Nr. 15/2010). 2010, S. 80, 89 (chwbkosova.org [PDF; abgerufen am 2. November 2025]).
  3. Frida Pashako: The yesterday's and today's vernacular architecture in Albania: an expressive code of a society pursuing the development. Vortrag an der Konferenz ISVS-6 in Famagusta. In: 6th International Seminar on Vernacular Settlements, Contemporary Vernaculars: Places, Processes and Manifestations. Tirana / Famagusta 19. April 2012, S. 5 (academia.edu [abgerufen am 2. November 2015]).
  4. a b Albanian “Oda” and its function. In: Atlantiku. 11. November 2022, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  5. Ali Muka, Emin Riza, Pirro Thomo: Vendbanime dhe banesa popullore shqiptare. Hrsg.: Akademia e Shkencave e Shqipërisë. Vendbanime dhe banesa fshatare, Nr. 1. Toena, Tirana 2004, ISBN 99927-1-926-5.
    1. a b 351, 456
    2. 341, 446