Observatorium Vartiovuori
| Sternwarte Vartiovuori (finnisch: Vartiovuoren tähtitorni, schwedisch: Åbo Akademis observatorium) | |
|---|---|
| Sternwarte Vartiovuori | |
| Gründung | 1819 |
| Typ | ehemalige Sternwarte |
| Koordinaten | 60° 26′ 55″ N, 22° 16′ 36″ O |
| Ort | Turku |
| Betreiber | Universität Turku |
Das Observatorium Vartiovuori (finnisch: Vartiovuoren tähtitorni, schwedisch: Åbo Akademis observatorium) ist eine ehemalige Sternwarte in Turku in Finnland. Das Gebäude wurde von Carl Ludvig Engel entworfen. Die Sternwarte wurde ursprünglich für die Königliche Akademie zu Turku erbaut. Das klassizistische Gebäude wurde 1819 fertiggestellt. Nach dem Großen Brand von Turku im Jahr 1827 verlor das Observatorium seine Funktion, da die Akademie mit ihren astronomischen Instrumenten nach Helsinki verlegt wurde. Bis 2025 waren hier die Büros der Åbo Akademi Universitätsstiftung.
Lage
Aufgrund der Lage auf dem Hügel Vartiovuori und seiner Größe dominiert die Sternwarte die Skyline von Turku. Auf dem Hügel befindet sich der gleichnamige Park, der zugleich zu den ältesten Stadtparks Finnlands gehört. Beim Bau der Sternwarte Anfang des 19. Jahrhunderts war dies noch anders, Bäume wurden für Brennholz gefällt, die Felsen als Steinbruch zur Gewinnung von Baumaterial verwendet. Der Park selbst wurde erst im Laufe der 1840er Jahre angelegt. In der Nähe der Sternwarte befindet sich auch das Kunsthandwerksmuseum Luostarinmäki, beide Gebäude wurden zu finnischen Baudenkmälern von nationaler Bedeutung ernannt.
In der Nähe befinden sich auch ein Wasserreservoir und das entsprechende Technikgebäude, der sogenannte Delfinpavillon aus dem Jahr 1903.
Geschichte
Der Bau des Observatoriums begann 1817 nach Plänen des Architekten Carl Ludwig Engel, einem Studienfreund von Karl Friedrich Schinkel, dem bedeutendsten Architekten des finnischen Klassizismus. Die Pläne von Charles Bassi wurden dagegen verworfen. Zum Problem wurde allerdings, dass Engel das notwendige Wissen über die Anforderungen eines modernen Observatoriums fehlte, aus diesem Grunde sind einige Räume ungünstig angeordnet.
Der Beginn der Forschungsarbeiten verzögerte sich um fünf Jahre, da das Teleskop erst 1824 aus Deutschland geliefert wurde. Erster Direktor der Sternwarte wurde Friedrich Wilhelm August Argelander. Der Große Brand von Turku bedeutete auch für das Observatorium eine Zäsur. Zwar konnte Argelander zusammen mit dem Hausmeister das Gebäude und die wertvollen Instrumente vor der Vernichtung durch die Flammen bewahren, allerdings zog die gesamte Akademie nach Helsinki, die neue Hauptstadt des Großherzogtums, und damit zog auch die Sternwarte samt ihrem Direktor um. Da sich die Arbeiten an der neuen Sternwarte in Helsinki aufgrund ungünstiger Bodenverhältnisse verzögerten, wurden die Ausrüstung und die Mitarbeiter erst 1836 verlegt.
1836 zog die Navigationsschule Turku (schwedisch: Navigationssskolan i Åbo) in die Gebäude ein, wo sie bis 1967 untergebracht war.[1] In diesen Jahren wurden nur geringfügige bauliche Veränderungen vorgenommen. 1903 wurden jedoch ein Wassertank und ein Nebengebäude, der sogenannte Delfinpavillon (finnisch: Delfiinipaviljonki), errichtet. Nachdem die Seefahrtsschule aus dem alten Observatoriumsgebäude auszog, stand es einige Zeit leer. Ab 1974 waren das Schifffahrtsmuseum und das Astronomiemuseum im Gebäude untergebracht. 1998 wurden die Bestände des Schifffahrtsmuseums in das Forum Marinum überführt. Von 1999 bis 2004 war das Kunstmuseum Turku in dem Gebäude beheimatet, da das eigentliche Museumsgebäude des Kunstmuseums umfangreich saniert wurde. Danach stand das Gebäude wieder einige Jahre leer. 2007 erwarb die Stiftung der Åbo Akademi Universität das Gebäude von der Stadt Turku. Die Innenräume wurden danach in Büros und Ausstellungsräume umgewandelt.
Die Sternwarte ist in regelmäßigen Abständen weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich. 2025 wurde das Gebäude von der Stiftung an das Architekturbüro Lundén Architecture Oy verkauft. Die Firma beabsichtigt, das Gebäude nicht nur zu einem vielseitigen Zentrum für Architektur zu machen. Ziel ist es auch, das Gebäude durch verschiedene Veranstaltungen und Aktivitäten für die Einwohner von Turku zu öffnen.[2]
Architektur
Angeblich hatte Carl Ludvig Engel keine genauen Vorstellungen vom Zweck des Gebäudes. Deswegen hatte das Obergeschoss des Gebäudes viele Fenster, damit die Forscher den Himmel beobachten konnten. In den ursprünglichen Zeichnungen war nicht einmal ein Teleskop vorgesehen.
Wie die meisten von Engel entworfenen Gebäude ist auch das Observatorium ein Beispiel der klassizistischen Architektur mit einer schlichten Fassade. Der Grundriss des Gebäudes stellt ein lateinisches Kreuz dar mit einer nach Süden ausgerichteten Rotunde für das Teleskop. Die Rotunde ist nicht nur der prunkvollste Raum, sie besitzt auch einen runden Aussichtsturm auf dem Dach. Im Gebäude selbst wurde trotz einiger Wechsel relativ wenig von der ursprünglichen Bausubstanz verändert. So wurden auch bei den Renovierungs- und Umbaumaßnahmen 2008, als das Gebäude für die Nutzung durch die Åbo Akademi Stiftung vorbereitet wurde, die alten Heizkörper an ihrem Platz belassen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Geschichte der Seefahrtsschule. Abo Mar, abgerufen am 10. Januar 2026 (englisch).
- ↑ The Vartiovuori Observatory by Engel in Turku will be given a new purpose. Lundén Architecture Company, abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).