Obhausen

Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Koordinaten: 51° 24′ N, 11° 40′ O
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Saalekreis
Verbandsgemeinde: Weida-Land
Höhe: 176 m ü. NHN
Fläche: 37,34 km²
Einwohner: 2122 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 06268, 06279
Vorwahlen: 034771, 034774
Kfz-Kennzeichen: SK, MER, MQ, QFT
Gemeindeschlüssel: 15 0 88 265
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 43
06268 Nemsdorf-Göhrendorf
Website: www.obhausen.de
Bürgermeister: Sven Hoffmann
Lage der Gemeinde Obhausen im Saalekreis

Obhausen ist eine Gemeinde im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Sie gehört der Verbandsgemeinde Weida-Land an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Nemsdorf-Göhrendorf hat.

Geografie

Lage

Obhausen liegt zwischen Querfurt und Halle (Saale) am Bach Weida.

Gemeindegliederung

Als Ortsteile der Gemeinde sind ausgewiesen:

Geschichte

In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Obhausen als zehntpflichtiger Ort Hubhusa im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt.[2]

999 wurde die Gemeinde als Upphusun morcha urkundlich erwähnt.

Bestehend aus den Pfarrort St. Petri mit seinen Filialen St. Johannis und St. Nicolai, welche zum Kapitel Merseburg gehörten. Zum Ort gehörten vier Rittergüter (eins in St. Petri, der Schieferhof zu St. Nicolai, das Hayn’schen und Wagnerische in St. Joh.). Lehnsherren waren die Edlen von Querfurt, die Grafen von Mansfeld (aus dem Hause der Edlen von Querfurt), und das Bistum Magdeburg (die Edlen von Querfurt waren Burggrafen von Magdeburg). Diese belehnten die Orte und darin befindliche Güter an die Adelsfamilien Braschwitz (14.–17. Jh.), Rolitz, Gleina (15. Jh.), Osterhausen, Kötzschen (17. Jh.), Milkau (16. Jh.), Rockhausen (1683–1753 St. Joh.), Nostitz (1753–1788 St. Joh.), Knuth (Kunth 18. Jh.), Krafft (Kraft, 16.–17. Jh.), Trotha (19.–20. Jh. St. Petri), Hayn (18. Jh.), Streitwitz (17. Jh.), von der Streithorst (18. Jh.), Danckelmann (17.–18. Jh. St. Joh.), Gehofen, Naso und die aus dem Winckel weiter.

Der Familie von Rockhausen auf Kirchscheidungen gehörte seit 1683 in Obhausen das Erb- und Frei-Allodial-Rittergut St. Johannis. Letzte Besitzer waren der Kreiskommissar des Thüringischen Kreises George Friedrich von Rockhausen, Herr auf Obhausen und Albersroda und sein einziger Sohn Friedrich August von Rockhausen.

Die Erfurter Schriftstellerin Sidonia Hedwig Zäunemann verfasste anlässlich der Hochzeit am 8. Oktober 1736 im Schloss Obhausen die Hochzeits-Gedichte: „Da jetzo der Reichsfreyherr Stettner von Grabenhoff, mit seiner Braut der schönen Fräulein von Rockhausen mit viel Vergnügen wird getraut.“ und „Auf eben diese Vermählung“.

Nachdem im November 1750 durch einen Brand fast alle Hof- und Wirtschaftsgebäude in Obhausen zerstört wurden, verkauften die von Rockhausen 1752 ihren Besitz an die Familie von Nostitz auf Obhausen.

Der Ort lag bis 1815 im sächsischen Amt Querfurt.

Am 1. April 1937 wurden die drei Gemeinden Obhausen Johannis, Obhausen Nikolai und Obhausen Petri zur Gemeinde Obhausen zusammengeschlossen.[3]

Von 1952 bis 1994 lag Obhausen im Kreis Querfurt (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Merseburg-Querfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Saalekreises.

Am 1. Januar 2010 wurde Esperstedt mit Kuckenburg nach Obhausen eingemeindet.[4]

Bevölkerung

Jahr Einwohner
1990 1.916
2005 1.899
2010 2.412
2015 2.261
2020 2.246
Jahr Einwohner
2021 2.225
2022 2.167
2023 2.126
2024 2.122

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt)[5], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Obhausen besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister.[6] Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,6 % zu folgendem Ergebnis:[7]

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil
2019[8]
Sitze
2019
Stimmenanteil
2024
Sitze
2024
Gemeinschaft '24 39,2 % 6
AfD 07,0 % 1 19,6 % 3
Alternative 2004 17,0 % 2 16,2 % 2
CDU 09,3 % 1 10,3 % 1
Einzelbewerber Martin Möhring 07,4 % 1
Einzelbewerberin Petra Ecke 07,3 % 1
Einzelbewerber Ronny Rebs 12,2 % 1
Die Linke 07,8 % 1
Einzelbewerber Kay Kuczkowiak 05,4 % 1
FDP 04,6 % 1
SPD 04,4 % 1
Einzelbewerber Ekhard Mehlhorn 04,3 % 1
Einzelbewerberin Kirsten Blume 04,2 % 1
Einzelbewerberin Roswitha Hilgert 03,8 % 1
Einzelbewerber Michael Vogt 03,2 % 1
Einzelbewerber Dunkel Marco 03,1 %
Einzelbewerber Frank Gottschling 03,0 %
Einzelbewerber Maximilian Gonschorek 02,2 %
SC Obhausen 02,2 %
Einzelbewerber Ingo Kuschmann 01,9 %
Einzelbewerberin Martina Ecke 01,8 %
Einzelbewerberin Silvia Rosenhahn 01,4 %
Einzelbewerberin Petra Hohm 01,1 %
Insgesamt 100 % 13 100 % 14

Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Rebs zwei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb.

Bürgermeister

  • 1994–2017: Kay-Uwe Böttcher[9]
  • 2017–2022: Dagmar Nicodemus
  • seit 2022: Sven Hoffmann

Nicodemus wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 5. März 2017 mit 55,8 % der gültigen Stimmen gewählt.[10] Sie trat 2022 von ihrem Amt zurück.[11]

Hoffmann wurde bei der Bürgermeisterwahl am 14. August 2022 mit 62,6 % der gültigen Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt.[12] Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.[13]

Wappen

Das Wappen wurde am 19. April 2013 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Silber über erhöhtem rotem Schildfuß drei rote Kirchen mit je einem spitzbedachten Turm mit Turmkreuz, die beiden äußeren Kirchen mit ihren Türmen zur tiefer stehenden mittleren gewendet und von deren beidseits ihres Turmes ansetzenden Kirchenschiff leicht überdeckt, der Schildfuß belegt mit pfahlweise drei silbernen Kugeln zwischen vorn zwei schräg gekreuzten silbernen Schlüsseln und hinten einem golden nimbierten silbernen Lamm mit golden-roter Siegesfahne.“[14]

Die Farben der Gemeinde sind: Rot-Weiß.

Obwohl Obhausen im Mittelalter eine kleine Gemeinde war, besaß sie doch drei Kirchen, nach denen die Ortsbereiche benannt wurden. Die Schutzpatrone der Kirchen waren St. Petri, St. Nicolai und St. Johannis, wovon letztere beiden die Filialen von St. Petri waren. Aus der Ikonographie werden den jeweiligen Heiligen bestimmte Attribute zugeordnet, die mit ihrer Biografie in Beziehung stehen. Darauf bezieht sich das Wappen mit den Symbolen Schlüssel = Petrus, Kugeln = Nikolaus und das Gotteslamm = Johannes.[15]

Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Flagge

Die Flagge ist rot-weiß-rot (1:4:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.[14]

Sehenswürdigkeiten

Ausgrabungen

Archäologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben bei Obhausen die Reste einer Kirche mit Chor und Apsis entdeckt. Datiert wird sie um das Jahr 1000. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war am Bergsporn des Kranzberges ein 3000 Jahre alter Hortfund mit Schmuck- und Gebrauchsgegenständen, darunter drei unterschiedlich große Halsringe, geborgen worden.

Im Zuge des Forschungsprojektes „Die Höhensiedlungen der Mikro- und Makroregion – ökonomische, politisch-soziale, administrative und kultische Zentralorte“, das sich auf Orte im Umkreis von 40 Kilometer um Nebra konzentriert, werden die Hinterlassenschaften seitdem auch von Forschern und Studierenden des Bereiches Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena untersucht.

Dabei wurde auf dem Kranzberg bereits eine frühmittelalterliche Burg (9. Jh.), bestehend aus Haupt- und Vorburg, nachgewiesen. Nun zeigte sich, dass ein Steingebäude das Fundament einer frühen Kirche war. Lokalisiert wurden ein Saal mit 20 Metern Länge und 10 Metern Breite, ein rechteckiger Chor von sieben mal sieben Metern Größe und eine Apsis mit etwa drei Metern Durchmesser. Anhand des geborgenen Materials ist eine Errichtung der Kirche um das Jahr 1000 zu vermuten. Damit datiert dieser Bau etwa gleichzeitig mit der Kirche auf der Burg Querfurt.[16]

Verkehr

Westlich des Gemeindegebiets verläuft die Bundesstraße 180 von Hettstedt nach Naumburg (Saale). Die Bundesautobahn 38 verläuft seit Dezember 2008 nördlich der Gemeinde. Die nächstgelegene Anschlussstelle ist Querfurt in etwa drei km Entfernung.

Von 1884 bis 2003 hatte der Ort einen Bahnhof an der Bahnstrecke Röblingen am See–Vitzenburg.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Mit Obhausen verbundene Persönlichkeiten

Commons: Obhausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2024 (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2022) (Hilfe dazu).
  2. Reg. Thur. Nr. 287
  3. Obhausen im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  4. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  5. Bevölkerung der Gemeinden. In: statistik.sachsen-anhalt.de. Abgerufen am 28. Oktober 2025.
  6. Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37
  7. Bekanntmachung des Wahlergebnisses. In: weida-land.de. 14. Juni 2024, S. 8–9, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  8. Wahlergebnis der Gemeinderatswahl in der Gemeinde Obhausen. In: weida-land.de. 3. Juni 2019, S. 10–11, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  9. Kommunalwahl 2017 in Obhausen: Fünf Neue und ein Ex. In: Mitteldeutsche Zeitung. 8. Februar 2017, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  10. Bekanntmachung des Wahlergebnisses der Stichwahl zur Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Obhausen am 05. März 2017. In: weida-land.de. 14. März 2017, S. 2, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  11. Obhausen: Bürgermeisterin erklärt ihren Rücktritt. In: Mitteldeutsche Zeitung. 12. Mai 2022, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  12. Sven Hoffmann wird neuer Bürgermeister. In: Mitteldeutsche Zeitung. 14. August 2022, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  13. Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
  14. a b Amtsblatt des Landkreises Nr. 24/2010 Seite 8–10
  15. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Gemeinde Obhausen, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, hinterlegt beim Saalekreis 2009
  16. Hanno Müller: Grabungsfeld bei Obhausen: Jenaer entdecken 1000-jährige Kirche. In: thueringer-allgemeine.de. 29. September 2018, abgerufen am 24. Februar 2024.