Oberschönau (Steinbach-Hallenberg)

Oberschönau
Koordinaten: 50° 43′ N, 10° 37′ O
Höhe: 520 m
Fläche: 16,11 km²[1]
Einwohner: ca. 730 (15. Mai 2022) HW[2]
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2019
Postleitzahl: 98587
Vorwahl: 036847

Oberschönau ist ein Ortsteil der Stadt Steinbach-Hallenberg im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Der Ort wurde zum 1. Januar 2019 eingemeindet. Für den Ortsteil gibt es eine Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung und damit einen Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeister.[3]

Geografie

Oberschönau liegt im Thüringer Wald im Tal der Schönau, die zum Einzugsgebiet der Werra gehört. In ihrem Oberlauf, der Oberschönau durchfließt, wird der Fluss auch häufig Hasel oder Haselbach genannt.

Geschichte

Oberschönau zählt zu den jüngeren Orten der Umgebung und entstand um die 1555 Canzlersmühl genannte Schneidmühle, die bereits im 15. Jahrhundert belegt ist. Der Standort der Mühle wurde 1548 erstmals Öbern Schonau genannt. 1585 ist erstmals ein Dorf an jener Stelle bezeugt. Der im Ort in die Schönau mündende Haselbach bildete einst die Grenze zwischen dem Amt Hallenberg (Grafschaft Henneberg-Römhild) und dem Amt Schmalkalden (Grafschaft Henneberg-Schleusingen und Landgrafschaft Hessen), so dass der Ort bis 1619 zwischen zwei Herrschaften und danach zwischen zwei hessischen Ämtern geteilt war, bevor er 1791 ganz zum Amt Schmalkalden der hessischen Herrschaft Schmalkalden kam.

Wichtigster früherer Erwerbszweig war neben Forstwirtschaft und Holzverarbeitung auch die Eisenverarbeitung, nachdem 1688 eine Rohr-, Schleif- und Bohrmühle errichtet wurde, deren Produkte an die Schmalkalder Gewehrmanufaktur gingen. Obwohl die Rohrmühle 1805 einging, entstanden im Ort weitere metallverarbeitende Betriebe: 1790 eine Drahthütte, 1804 ein Rohrhammer. Wegen der geologischen Gegebenheiten entwickelte sich am Ort keine nennenswerte Landwirtschaft, vielmehr wurde der Ort im Zuge der Industrialisierung zu einem ausgeprägten Industriedorf der Metallverarbeitung. Zu DDR-Zeiten bestand dort ein dem VEB Werkzeug-Union Steinbach-Hallenberg eingegliederter Metallverarbeitungsbetrieb sowie der 1972 gegründete metallverarbeitende VEB Nageno.

Die historische Bevölkerung Oberschönaus vom 16. bis ins 20. Jahrhundert ist in einem Ortsfamilienbuch dokumentiert.[4]

Die Gemeinde Oberschönau, die bis dahin der Verwaltungsgemeinschaft Haselgrund angehört hatte und zeitweise staatlich anerkannter Erholungsort gewesen war,[5] wurde am 1. Januar 2019 in die Stadt Steinbach-Hallenberg eingegliedert, die.zu diesem Zeitpunkt bereits den Status als Erholungsort besaß.[6]

Politik

Der ehrenamtliche Bürgermeister und seit 2019 Ortsteilbürgermeister Kay-Guido Jäger wurde am 11. Juni 2017 erstmals gewählt, er wurde 2023 wiedergewählt.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

  • Heimatstube
  • Nagelschmiede, wird als Schauwerkstatt betrieben.

Denkmäler

Oberhalb der Bebauung, an der Möststraße, befindet sich ein kleiner Park mit dem Ehrenmal zum Gedenken an die Gefallenen im Ersten Weltkrieg. Von der Ortschaft aus ist ein großer steinerner Bogen zu sehen. Von der Parkseite aus ist im Bogen eine kupferne Tafel mit einer mahnenden Inschrift angebracht.

Naturdenkmäler

  • Südlich des Orts erhebt sich der 867 m hohe Großer Hermannsberg mit dem vorgelagerten Knüllfeld.
  • Südöstlich von Oberschönau steht eine felsige Bergpartie mit freistehenden Felstürmen. Sie wird Zwölf Apostel genannt. Der Name weist auf einen Kultplatz hin.[8]

Sportanlagen

Die Schanzenanlage im Kanzlersgrund, die häufig zur Stadt Oberhof gerechnet wird, befindet sich teilweise auf dem Territorium der Gemeinde Oberschönau.

Kirchen

Die evangelische Kirche des Ortes wurde zwischen 1700 und 1727 erbaut. Die Kirchgemeinde gehört als Teil des Kirchenkreises Schmalkalden aus historischen Gründen als Exklave zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Personen mit Bezug zum Ort

Literatur

Commons: Oberschönau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gemarkung Oberschönau, Stadt Steinbach-Hallenberg. In: GEOindex. Abgerufen im Dezember 2025.
  2. Oberschönau: Ortsteil von Steinbach-Hallenberg. (Aus 100 Meter-Gitter sowie Geometrien für "Ortslagen" berechnet). In: www.citypopulation.de - Population Statistics. Online-Dienst für Statistiken, abgerufen im Dezember 2025.
  3. Hauptsatzung. (PDF; KK kB) § 4. In: Webauftritt. Gemeinde Steinbach-Hallenberg, abgerufen im Dezember 2025.
  4. Hans Dieter Kind, Uwe Scheerschmidt: Ortsfamilienbuch Oberschönau im Thüringer Wald (= Personengeschichtliche Schriften. 7 = Deutsche Ortssippenbücher. 881). Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg 2015, ISBN 978-3-929865-64-6.
  5. Annett Recknagel: Auf dem Weg zu altem Glanz. In: www.stark-verlag.de. 5. März 2021, abgerufen am 23. November 2025.
  6. Drucksache 6/3368. Antwort des Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft auf Kleine Anfrage 6/1744 von Knut Korschewsky (DIE LINKE) vom 09.12.2016. In: Thüringer Landtag, Parlamentsdatenbank. 27. Januar 2017, abgerufen am 23. November 2025.
  7. Wahlen in Thüringen, Ortsteil-/Ortschaftsbürgermeisterwahl 2024 in Thüringen, Stadt Steinbach-Hallenberg OT Oberschönau. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 26. Juli 2025.
  8. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Vorchristliche Kultstätten und Kultverdachtsplätze in Thüringen. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 254.