Oberpfälzische Kreisausstellung
Die Oberpfälzische Kreisausstellung war eine mehrmonatige Leistungsschau, welche 1910 in Regensburg stattfand.
Vorgeschichte
Eine erste Oberpfälzische Kreisausstellung für Industrie und Gewerbe hatte es bereits im Jahr 1852 gegeben. Diese hatte jedoch nur einen Monat gedauert und war im Wesentlichen von Regensburger Betrieben gestaltet worden.[1]
In Anlehnung an die großen Welt- und Gewerbeausstellungen der damaligen Zeit wurde die Idee geboren, eine große Leistungsschau mit Oberpfälzer Produkten aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft in Regensburg zu veranstalten. Als signifikanter Termin diente das Jubiläum der 100-jährigen Zugehörigkeit der Stadt Regensburg zum Königreich Bayern. Dafür wurde 1903 eine Planungskommission unter der Federführung von Hermann Geib ins Leben gerufen. Für das epochale Ereignis wurde ein 96.327 Quadratmeter umfassendes Gelände auserkoren, welches unter dem Namen „Unter den Linden“ im Westen der Stadt bekannt war und früher einen Schießplatz und einen Kleinen Exerzierplatz der berittenen Bürgerkompanie beherbergte.
Der Ausstellungsbereich war im Westen von der Schillerstraße, im Norden vom Hochweg, im Osten von der Schützenstraße (heute Dr.-Johann-Maier-Straße) und im Süden von der Prüfeninger Straße umgrenzt. Der einzige Eingang zu dem von einer Mauer umgebenen Gelände befand sich auf der Ostseite. Bis dorthin führte eine elektrische Straßenbahnlinie, die seit 1903 bereits auf der Prüfeninger Straße verkehrte.
Für die Bauplanung zuständig war der Architekt, Max Schultze in Zusammenarbeit mit dem Stadtbaumeister Adolf Schmetzer. In der Mitte des Geländes befanden sich mehrere Ausstellungshallen und zahlreiche Nebengebäude. Die ursprünglich im Jahr 1871 errichtete städtische Turnhalle wurde ab 1906 zum Ausstellungsgebäude umgebaut. Im selben Jahr wurde für 21.000 Mark von den Organisatoren der Kreisausstellung eine Festhalle in München gekauft, welche bei dem XV. Deutschen Bundesschießen verwendet wurde. Sie wurde vor Ort zerlegt, nach Regensburg transportiert und dort leicht verändert wieder aufgebaut. Flankierend dazu wurden 15 neue Gebäude erbaut. Unter anderem wurde das Hauptportal, mit Kassenschalter und Straßenbahnanschluss, ein Aussichtsturm (Architekt Joseph Koch), eine Kunsthalle und drei weitere Ausstellungshallen, ein Restaurationsgebäude (Architekt Heinrich Hauberrisser), ein Musikpavillon und eine Fahrrad- und Feuerwehrhalle errichtet. Die meisten der Gebäude wurden lediglich in verblendeter Holzbauweise errichtet.[2] Das verbleibende Außengelände wurde als Parklandschaft umgestaltet.[3] Etwa ein Drittel der Fläche im Westen des Geländes war mit geschwungenen Spazierwegen, Rasenflächen und einem natürlich ausgeformten Teich im Stil eines englischen Landschaftsparks gestaltet, während im östlichen Freigelände durch geometrisch angeordnete Baumpflanzungen eine streng formale optische Wirkung erzielt wurde.
Kreisausstellung
Am 11. Mai 1910 wurde die Ausstellung eröffnet. Gewerbeschulen, Vereine, Handwerker, Architekten und viele Branchen Regensburger und Oberpfälzer Firmen zeigten ihre Vielfalt, ihre Traditionen und Visionen auf technischem, künstlerischem und wirtschaftlichem Gebiet. Für diese Veranstaltung wurde eine eigene Ausstellungszeitung herausgegeben, die in mindestens 10 Ausgaben erschien.[4] Umzüge und ein für diese Veranstaltung konzipiertes Festspiel „Ratisbona“ des Stadttheaters zeugten vom Stolz der Bürger auf ihre Region und von der Aufbruchsstimmung, die die gesamte Oberpfalz erfasste. Das Ausstellungskonzept fand eine hohe Würdigung durch den Prinzregenten Luitpold, den Schirmherrn Fürst Albert von Thurn und Taxis und durch zahlreiche prominente Gäste aus dem In- und Ausland. Die Kreisausstellung schloss am 24. September 1910 ihre Pforten.[3]
Nachwirkung
Die Gesamtkosten der Veranstaltung betrugen 508.470,79 Mark. Trotz hoher Einnahmen, wie beispielsweise durch 20.000 verkaufter Dauerkarten betrug das Defizit 30.000 Mark. Dafür brachte die Kreisausstellung eine enorme Aufwertung des Selbstwertgefühls der Oberpfälzer mit sich, deren Bedeutung zuvor als wirtschaftlich gering und politisch auch eher untergeordnet eingestuft worden war. Das größte und prunkvollsten Ausstellungsstück, eine neun Mal drei Meter große Glasmalerei, von Regensburger Hofglasmalereianstalt Schneider ist erhalten. Es wurde in den 2000er Jahren im Auftrag der städtischen Museen restauriert. Die Haupthalle wurde bis zur Zerstörung auch als Stadthalle genutzt.[3] Die provisorisch errichteten Gebäude wurden abgetragen und das komplette Außengelände wurde als weitläufiger Park umgestaltet.[2] Ein kleiner Teil der ehemaligen „Vergnügungsecke“ der Kreisausstellung, im Norden des Jüdischen Friedhofs gelegen, wurde 1923 an die Israelitische Kultusgemeinde Regensburg verkauft, damit diese ihren Wunsch nach einer Erweiterung ihres Friedhofs verwirklichen konnte.[5]
Heutiges Gelände
Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auf die nahegelegene Teerfabrik wurden einige Gebäude durch Fehlwürfe schwer beschädigt und mussten später abgerissen werden. Heute sind noch einige Verwaltungsgebäude der ehemaligen Ausstellung und die Kunsthalle (heute: Kunstforum Ostdeutsche Galerie) erhalten. Das Gelände wird heute als Stadtpark genutzt.[3]
Gedenkausstellung
Unter der Federführung von German Bauer fand unter dem Motto: Tradition und Aufbruch im Historischen Museum in Regensburg vom 21. Mai bis zum 29. August 2010 eine Sonderausstellung statt. Mit zahlreichen Exponaten wurde ein Eindruck des vor genau 100 Jahren stattgefundenen Ereignisses vermittelt.[3] Für diese dreimonatige Gedenkausstellung wurde ein über 200 Seiten starker Ausstellungskatalog herausgegeben.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Die Oberpfälzische Kreisausstellung in Regensburg 1910. In: Süddeutsche Bauzeitung. Band 25. München 18. Juni 1910, S. 193.
- ↑ a b Karl Bauer: Regensburg; Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte Mittelbayerische Druckerei- und Verlagsgesellschaft, Regensburg 1994, ISBN 978-3-921114-00-1, S. 556 ff.
- ↑ a b c d e Rolf Thym in: Bei uns. Stadt Regensburg, Ausgabe 158, S. 6 ff. (online)
- ↑ Ausstellungszeitung. Organ der Oberpfälzischen Kreisausstellung, 1910.
- ↑ Geschichte der Regensburger Juden zwischen Monarchie und Diktatur (1903–1935). In: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg (Hrsg.): Verhandlungen des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Verlag des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1888, S. 134 (online).
- ↑ Helmut Moschwitz: Tradition und Aufbruch: die Oberpfälzische Kreisausstellung 1910; Katalog zur Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Regensburg, 21. Mai bis 29. August 2010. Hrsg.: Peter Germann-Bauer. Museen der Stadt Regensburg, Regensburg 2010, ISBN 978-3-935052-83-2.
Koordinaten: 49° 1′ 9,5″ N, 12° 4′ 48,8″ O