Oberfahrenberg

Oberfahrenberg
Markt Waldthurn
Koordinaten: 49° 40′ N, 12° 22′ O
Höhe: 801 m ü. NN
Einwohner: (31. Dez. 2021)[1]
Postleitzahl: 92727
Vorwahl: 09657
Oberfahrenberg mit der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung (2016)

Oberfahrenberg ist ein Wallfahrtsort in Bayern. Er gehört zur Gemeinde Waldthurn in der Oberpfalz und hat 5 Einwohner.

Geschichte

Entstehung der Wallfahrt

Auf dem 801 m hohen Fahrenberg stand eine Burg der Edlen von Waldthurn. 1204, so geht die Sage, soll ein Angehöriger der Edlen von Waldthurn als Tempelritter in das Heilige Land im Kreuzzug unterwegs gewesen sein und das Gnadenbild, eine dem Stil nach donauländische Marienfigur, mitgebracht haben. In einer eigens angebauten Kapelle wurde das Marienbild aufgestellt und bald schon verehrt.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg

Die Burg auf dem Fahrenberg wurde im 13. Jahrhundert nach Waldsassen verkauft, als die Edlen von Waldthurn ausstarben. Die Zisterzienser von Waldsassen errichteten dort eine Propstei und förderten die Wallfahrt weiter.

1352 zogen böhmische Nonnen in das Kloster. Die Hussiten stürmten 1425 das Kloster, vertrieben die Nonnen und warfen das Gnadenbild in einen Brunnen. Doch eine alte Nonne hatte das Treiben beobachtet und trug zur Wiederauffindung der Statue bei.

Erneuten Aufbau und Besiedelung erfuhr der Ort Oberfahrenberg noch einmal durch die Zisterzienser von Waldsassen. Von einem lutherischen Pfarrer angestiftet, stürmte 1524 eine Schar Bauern aus der Gegend um Vohenstrauß den Berg und plünderte Kirche und Kloster. In der halbzerstörten Kirche blieb die Statue jedoch stehen und wurde auch weiterhin sporadisch besucht. In den Steuerbüchern der Gemeinden Waldthurn und Floß tauchte als Vermerk auf: Fahrenberg, eyn verbrannt Kloster, eyn verfallen Kirch.[2]

Nach dem Dreißigjährigen Krieg

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges musste die Bevölkerung mit jedem Herrschaftswechsel auch den Glauben wechseln (Augsburger Religionsfrieden von 1555). Oben auf dem Berge hielten sich einmal zufällig ein paar Mönche aus Waldsassen auf. Sie wurden von calvinistischen Bauern entdeckt und zum Teil getötet. Das Marienbild bekam bei dieser Gelegenheit einen Einschuss in den Hals, der heute noch zu sehen ist.

So wechselte die Bevölkerung des Waldthurner Ländchen mehrmals die Konfession und sollte dann, als das katholische Geschlecht der Lobkowicz aus Böhmen Waldthurn zur Abrundung dazukaufte, wieder katholisch werden. Die verbreitete Lustlosigkeit an Glaubensdingen dokumentiert sich darin, dass das Versäumnis des Sonntagsgottesdienstes mit Geldstrafen belegt wurde – trotzdem fanden sich kaum Messgänger. Erst als man 70 Dragoner die Waldthurner „katholisch machen“ ließ, wurde die Gegenreformation auch in Waldthurn vollendet.

Unter den Lobkowitzern blühte das Wallfahrtswesen wieder auf. Das Fürstenhaus tat das Seine, indem es im 18. Jahrhundert eine prächtige Kirche auf dem Berg errichten ließ. Sie wurde schon ein paar Jahre nach der Vollendung durch einen Blitzeinschlag zerstört und verbrannte. Das Gnadenbild konnte jedoch gerettet werden.

Einige Jahre später entstand die Kirche in ihrer jetzigen Form, etwas bescheidener als vorher, aber mit besonders wertvoller Renaissance-Innenausstattung. Von der begeisterten Wallfahrt auch aus Böhmen profitierte die Gemeinde Waldthurn derart, dass man sagte: Wer aus dem Paradies ins Waldthurner Ländchen fällt, wird keinen Unterschied bemerken.[3][4]

Nach 1945

In der Zeit des Kalten Krieges, als keine Wallfahrer aus Böhmen kommen konnten, avancierte der Fahrenberg zum Symbol der Hoffnung auf Versöhnung. Bischof Michael Buchberger hatte die Idee der „Friedensmadonna“, die vom Dachfirst in Richtung Osten auf Tschechien schaut.[5]

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kommen jeden Sommer Wallfahrer aus Tschechien, vor allem aus Stříbro (Mies), Tachov (Tachau) und Plzeň (Pilsen).

Einwohnerentwicklung

Im Jahr 1838 bestand Oberfahrenberg aus zwei Wohnhäusern und hatte zwölf Einwohner.[6] 1876 waren es nur noch elf Einwohner. Des Weiteren wird erwähnt, dass diese neben den beiden Wohnhäusern noch vier weitere Gebäude hatten und 6 Rinder gehalten haben. Die Einwohnerzahl sank 1888 auf 9 und wuchs 1904 auf 12 Einwohner[7] was auch 1916 gezählt wurde.[8] In der Zwischenkriegszeit wurden 1928 10 Einwohner gezählt[9] und auch wenn es 1950 zwölf[10] waren, so sank die Einwohnerzahl 1961 wieder auf zehn[11]. Im Jahr 1973 betrug die Einwohnerzahl 13[12], im Jahr 1983 sank sie auf 8[13]. Während der Zensus 2011 noch 9 Einwohner zählte, waren es 2022 nur noch 5.[14]

Kunst und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung

Die bestehende Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung wurde nach Zerstörung des Vorgängerbaus von 1706 durch einen Blitzschlag im Jahr 1775 bis 1778/79 erbaut. Die überlebensgroße vergoldete Kupferstatue Maria, Königin des Friedens wurde 1956 auf dem Dachfirst angebracht. Der barocke Hochaltar ist ein Werk des Bildhauers Wolf Kurzwort und des Schreiners Wenzl Wickl aus Waldthurn. Das Gnadenbild, eine spätgotische geschnitzte Marienstatue, entstand um 1480/1490. Maria sowie das Jesuskind auf ihrem Arm sind mit festlichen Gewändern bekleidet. Der linke Seitenaltar zeigt die Begegnung von Maria und Elisabeth, der rechte die Heilige Familie.

Dreifaltigkeitskapelle

Neben der Kirche befindet sich die 1706 errichtete Dreifaltigkeitskapelle mit einem Altar des späten 17. Jahrhunderts. Die 1706 erbaute Kapelle ist zugleich die 15. Station des zur Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung führenden Kreuzweges (Rosenkranzweg). Sie ist ein einfacher Saalbau mit einem Walmdach über einem rechteckigen Grundriss. Die Decke besteht aus einem Kreuzgewölbe mit Gurtbögen auf Pilastern. Sie besitzt eine nach Westen ausgerichtete Eingangsvorhalle.

Kreuzweg

Der Kreuzweg besteht heute aus zwei Teilen, aus dem 1956 geschaffenen Rosenkranzweg und dem alten Kreuzweg von 1859.

Der sogenannte Rosenkranzweg wurde auf Anregung von Erzbischof Michael Buchberger zur Erinnerung an das Marianische Jahr 1954 anstelle des früheren Kreuzweges auf den Fahrenberg errichtet. Der Kreuzweg wurde am 13. Oktober 1956 von dem genannten Bischof eingeweiht. Er besteht aus drei Kapellen, vierzehn Bildsäulen, einer Kreuzigungsgruppe und zum Schluss aus der Dreifaltigkeitskapelle.

Der 1858/59 geschaffene und 1859 eingeweihte alte Kreuzweg besteht aus vierzehn etwa 2 Meter hohen Steinsäulen, jeweils mit Aufsatz und rundbogiger Bildnische. Auf jeder Säule ist ein kleines Holzkreuz angebracht, in den Bildnischen sind mit den Kreuzwegstationen bemalte und beschriftete Eisenbleche.

Sport

Der Natur Nah Erleben am Fahrenberg e.V. betreibt auf dem Fahrenberg ein Ski- und Snowboardzentrum mit einer Abfahrt auf einer Höhe von 661 m bis 801 m. Es kommen Schneekanonen zur Erzeugung von Kunstschnee zum Einsatz.[15] Die Abfahrt beginnt am Ortsrand von Oberfahrenberg. In den Wintermonaten weist Oberfahrenberg teilweise ein hohes Verkehrsaufkommen durch Wintersportler auf.

Der Ort ist ein Kreuzungspunkt mehrerer Wanderwege. Mit dem Oberpfalzweg verläuft ein Fernwanderweg von der Dreifaltigkeitskirche Kappl bei Waldsassen über Oberfahrenberg nach Regensburg.[16] Zudem existieren von Pleystein, Vohenstrauß und Waldthurn örtliche Wanderwege nach Oberfahrenberg.

Galerie

Verkehr

Der Haltepunkt Fahrenberg an der ehemaligen Bahnstrecke Neustadt (Waldnaab)–Eslarn ist stillgelegt.

Literatur

  • Johann Götz: Fahrenberg. Wallfahrtskirche in der Pfarrei Waldthurn. 2. Auflage. Schnell & Steiner, München / Zürich 1960, S. 14.
  • Joseph Greil: Wallfahrtskirche Fahrenberg (Opf.). 2. Auflage. Oefele, Ottobeuren 1986, S. 15.
  • Hans May: Der Fahrenberg. Ein Natur-, Wirtschafts- und Geschichtsbild aus dem Böhmerwalde. Selbstverlag, München 1904, S. 92.
  • Georg Schmidbauer: Der Fahrenberg. Der „heilige Berg der Oberpfalz“. Geschichte und Geschichten. Bodner, Pressath 2011, ISBN 978-3-939247-11-1, S. 141.
Commons: Fahrenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zensusatlas. Abgerufen am 9. November 2025.
  2. Wallfahrtskirche Fahrenberg. In: Katholische Pfarrei St. Sebastian Waldthurn. Abgerufen am 5. November 2025.
  3. https://oberpfaelzerkulturbund.de/wp-content/uploads/2016/07/FS35_S119_129b.pdf
  4. Godeweg. Region 11. Fichtelgebirge, Franken, Altmühltal. Fahrenberg - Berg der Göttin. Der heilige Berg der Oberpfalz. In: godeweg.de. 2011, abgerufen am 5. November 2025.
  5. Wallfahrtskirche Fahrenberg. In: Katholische Pfarrei St. Sebastian Waldthurn. Abgerufen am 9. November 2025.
  6. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  7. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  8. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  9. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  10. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  11. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  12. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  13. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 9. November 2025.
  14. Zensusatlas. Abgerufen am 9. November 2025.
  15. Ski- und Snowboardzentrum Fahrenberg, Technische Ausstattung, abgerufen am 24. Juli 2015.
  16. BayernAtlas. Abgerufen am 9. November 2025.