O Quatrilho

Film
Titel O Quatrilho
Produktionsland Brasilien
Originalsprache Portugiesisch, Italienisch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 92 Minuten
Stab
Regie Fábio Barreto
Drehbuch Antônio Calmon, Leopoldo Serran
Produktion Lucy Barreto
Musik Jaques Morelenbaum, Caetano Veloso
Kamera Félix Monti
Schnitt Karen Harley, Mair Tavares
Besetzung
  • Glória Pires: Pierina
  • Patricia Pillar: Teresa
  • Alexandre Paternost: Angelo Gardone
  • Bruno Campos: Massimo
  • Gianfrancesco Guarnieri: Vater Giobbe
  • José Lewgoy: Rocco
  • Cecil Thiré: Vater Gentile
  • Cláudio Mamberti: Batiston
  • Antônio Carlos: Aurélio
  • Arcangelo Zorzi: Sichopa
  • José Vitor Castiel: Miro

O Quatrilho ist ein brasilianisches Filmdrama von Fábio Barreto aus dem Jahr 1995. Der Film war 1996 der brasilianischen Kandidat für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film und erhielt die Nominierung für diese Auszeichnung.

Handlung

Mit anderen Einwanderern aus Italien lassen sich 1910 auch die frisch angeheirateten Ehepaare Angelo und Teresa, und Massimo und Pierina in Südbrasilien im Bundesstaat Rio Grande do Sul nieder. Die Männer legen ihre Ersparnisse zusammen, um gemeinsam eine Getreidemühle zu betreiben. Die Paare und ihr Nachwuchs Leben in einem Haus. Nun verlieben sich die romantisch veranlagten Massimo und Teresa in einander und brennen durch. Die zurückgelassenen Angelo und Pierina müssen nun das Geschäft weiterführen, während sie Vorurteilen und Verdächtigungen der örtlichen Gemeinschaft und des örtlichen Priesters begegnen. Schließlich finden auch Angelo und Pierina zueinander und das Geschäft läuft gut. Die Durchgebrannten kehren zurück und die neu gebildeten Paare sind glücklich miteinander.

Produktion

Das Drehbuch basierte auf einem gleichnamigen Roman von José Clemente Pozenato. Der Titel bezieht sich auf ein brasilianisches Kartenspiel, bei dem die vier Spieler ihre Partner wechseln können.[1]

Der Regisseur Fábio Barreto ist Mitglied einer brasilianischen Filmdynastie, die seit dem Cinema Novo in den 1960ern Filme machte und die dortige kommerzielle Filmindustrie bestimmte.[2] Er blickt zum Produktionszeitpunkt bereits auf eine fast zehnjährige Karriere im brasilianischen Fernsehen und der foreign Filmwelt zurück. Seine Eltern Lucy und Luiz Carlos waren auch Co-Produzentin des Films.[3]

Das Produktionsbudget betrug 1,8 Millionen Dollar, die zu über einem Viertel aus staatlichen Subventionen finanziert wurden.[3] Der Nationalkongress hatte 1994 wieder Filmsubventionen beschlossen, nachdem während der Präsidentschaft von Fernando Collor de Mello die Filmförderstelle geschlossen worden war. In der Folge kam es dann wieder zu teureren Produktionen wie O Quatrilho.[1]

Rezeption

Für Variety hatte die Barreto-Familie mit der kalkuliert charmanten Geschichte über Liebe unter Immigranten einen Hit mit internationalen Potenzial geschaffen. Das Budget ermögliche Erste-Welt-Produktionsstandards, man sehe regionale Stars und höre Lieder des gefeierten brasilianischen Singer-Songwriters Caetano Veloso. Es gebe aber Lücken im Handlungsstrang: So verschwänden die vorhandenen Kinder regelrecht, das zentrale Paar zeige keine inneren Konflikte über die aufgezwungene Situation, willkürliche Nebenrollen tauchen auf. Die Hauptfiguren seien nicht ordentlich entwickelt. Die hölzerne Spielweise des zurückgebliebenen Paars solle offensichtlich kleinbürgerliche Praktikabilität zeigen. Die professionelle Glätte der Produktion übertreibe es zuweilen. So liefere der argentinische Kameramann Félix Monti meisterhafte Hochglanzarbeit, zuweilen gerade ihm das zu Postkartenmotiven – etwa ein Paar vor einem Wasserfall. Die klassische Produktionsweise mache O Quatrilho aber zu einem gefälligen Film für das Publikum.[3]

Für den Miami Herald urteilte Fernando Gonzales, dass es Barreto um mehr als ein Liebesdrama gehe. Die Liebesgeschichte sei bloß ein Aufhänger, um das Leben von Immigranten in Brasilien darzustellen – von Landzuteilungspolitik, beginnendem Kapitalismus, Sexualmoral, die Rolle der Kirche und die brasilianische Version des American Dream. Das Ergebnis sei weder Seifenoper noch eine drängende soziopolitische Stellungnahme. Das Schauspiel gehe tödlich langsam und hölzern den von Situation zu Situation und biete kaum entwickelte Charaktere und oberflächliche Beobachtungen.[4]

Der Film propagiere zwar laut Darién J. Davis in der American Historical Review die nicht notwendigerweise wahre Annahme, dass Immigranten stets erfolgreich seien, wenn sie nur hart genug arbeiten würden, stelle große Entwicklungslinien aber zutreffend dar. So habe es zwischen 1904 und 1913 eine Zuwanderung von Hunderttausenden von Europäern, davon 196.521 Italienern, nach Brasilien gegeben. Diese Zuwanderer hätten sich auch, wie im Film, eher in dem klimatisch gemäßigteren Süden Brasilien angesiedelt. Auch die ländliche Herkunft der Protagonisten entspreche historischen Trends.[1]

Auszeichnungen

  • 1995
    • Havanna Film Festival:
Beste Schauspielerin für Glória Pires
Beste Musik für Caetano Veloso und Jaques Morelenbaum
Bestes Szenenbild für Paulo Flaksman
  • 1996
    • Oscars: Nominierung als bester fremdsprachiger Film[5]
    • Kritikerverband São Paulo (APCA):
Beste Schauspielerin für Glória Pires
    • Prêmio Guarani:
Beste Musik für Caetano Veloso und Jaques Morelenbaum

Einzelnachweise

  1. a b c Darién J. Davis: Film Reviews, The American Historical Review, Vol. 103, No. 2 (Apr., 1998), S. 632–634, https://www.jstor.org/stable/2649951
  2. Larry Rohter: Brazil’s Ruling Family of Film, The New York Times vom 22. Januar 2012
  3. a b c Pat Aufderheide: O Quatrilho, Variety vom 17. Dezember 1995
  4. Fernando Gonzales: Those young and restless immigrants, The Miami Herald vom 28. Mai 1997
  5. The 68th Academy Awards | 1996, Oscar’s.org