Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement

Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement
Gründung 1996
Sitz Bonn
Website www.occar.int

Die OCCAR (Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement; deutsch Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation) ist eine internationale Organisation, die zum Management von gemeinsamen Rüstungsvorhaben gegründet wurde. Der Hauptsitz befindet sich in Bonn. Es werden weitere Büros in Paris, Madrid, Sevilla, Hallbergmoos (bei München), Rom, La Spezia und Castellammare di Stabia unterhalten. Zurzeit beschäftigt die OCCAR etwa 430 Mitarbeiter (2025). OCCAR-EA Direktor ist seit dem 1. Februar 2023 Joachim Sucker (Deutschland).

Geschichte

OCCAR wurde am 12. November 1996 durch eine Vereinbarung der Verteidigungsminister Italiens, Frankreichs, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs gegründet. Belgien und Spanien traten 2003 beziehungsweise 2005 bei.

Durch Ratifizierung des OCCAR-Übereinkommen („Convention“) durch alle Mitgliedstaaten am 28. Januar 2001 erlangte die OCCAR eigene Rechtspersönlichkeit.

Regelwerk

Andere europäische Staaten können der OCCAR beitreten, wenn sie mindestens an einem OCCAR-Programm substanziell beteiligt sind und die OCCAR Convention ratifizieren.

Staaten haben auch die Möglichkeit, an einem Programm teilzunehmen, ohne Mitgliedstaat der OCCAR zu sein. Aktuell nehmen Australien, die Niederlande, die Türkei, Schweden, Finnland, Polen, Litauen und Luxemburg an verschiedenen Programmen teil.

Das Board of Supervisors („BoS“/Aufsichtsrat) ist das höchste Entscheidungsorgan der OCCAR als Gesamtorganisation und wird durch die Verteidigungsministerien der Mitgliedstaaten besetzt. Die einzelnen Programme werden durch programmspezifische „Programme Boards“ (strategische Entscheidungen) und „Programme Committees“ (operative Entscheidungen) beaufsichtigt. Die „OCCAR Executive Administration“ (OCCAR-EA) ist die ausführende Behörde, welche die Programme entsprechend der Entscheidungen der Aufsichtsorgane managt. Die OCCAR-EA wird vom OCCAR Direktor („Director“) geleitet und besteht aus dem Zentralbüro („Central Office“), das grundlegende und unterstützende Aufgaben wahrnimmt und den spezifischen Programmabteilungen („Programme Divisions“). Kleinere Projekte können auch vom Central Office geleitet werden („Programme Management Cells“).

Beteiligte Staaten (Auftraggeber)

Mitgliedstaaten

Programmstaaten

Partner Organisationen

Programme

Folgende Programme werden derzeit von der OCCAR gemanagt:[1]

Programm Zweck Teilnehmende Staaten Sitz der Programmabteilung Derzeitiger Zeitrahmen in der OCCAR
A400M[2] Taktisches und strategisches Transportflugzeug Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Türkei, Vereinigtes Königreich Madrid, Sevilla seit 2003
BOXER[3] Gepanzertes Mehrzweck-Radfahrzeug Deutschland, Litauen, Niederlande Bonn seit 2001
COBRA[4] Artillerie-Ortungsradar Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Türkei Bonn seit 2001
E-NACSOS[5] Definition eines gemeinsamen Standards für die Seeraumüberwachung Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Schweden, Spanien Paris seit 2024
ESSOR[6] Sicherer, softwarekonfigurierbarer Militärfunk Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien Bonn seit 2009
FREMM[7] Fregatte Frankreich, Italien Paris, Rom, La Spezia seit 2006
FSAF-PAAMS[8] Boden- bzw. seegestütztes Flugabwehrraketensystem Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich Paris seit 2001
HYDEF[9][10][11] Schutz vor Hochgeschwindigkeitsbedrohungen aus der Luft Belgien, Deutschland, Norwegen, Polen, Spanien Madrid seit 2023
HYDIS[12] Schutz vor Hochgeschwindigkeitsbedrohungen aus der Luft Deutschland, Frankreich, Niederlande, Italien Paris seit 2023
LSS[13] Logistisches Unterstützungsschiff Italien, Frankreich Rom seit 2015
LWT[14] Leichter Torpedo Australien, Deutschland, Frankreich, Italien Paris seit 2023
MALE RPAS (Eurodrone)[15] Drohne Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien (Observer) München (Hallbergmoos) seit 2016
MMCM[16] Seeminenabwehrsystem Frankreich, Vereinigtes Königreich Paris seit 2015
MMPC[17] Neue Korvettenklasse Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Norwegen, Spanien Paris seit 2023
MMF[18] Multinationale Flotte von Tank- und Transportflugzeugen NATO Support and Procurement Agency für die Niederlande und Luxemburg Bonn von 2014

bis 2023

MUSIS[19] Gemeinsame Bodenelemente eines satellitengestützten Aufklärungssystems Frankreich, Italien Bonn seit 2011
NVC[20][21] Nachtsichtbrillen Belgien, Deutschland Bonn seit 2019
PPA[22] Mehrzweck-Patrouillenschiff Italien La Spezia seit 2015
Tiger[23] Kampf- und Panzerabwehr-Hubschrauber Deutschland, Frankreich, Spanien Bonn seit 2001
MAST-F[24] Luft-Boden-Lenkflugkörper Frankreich Paris seit 2020
U212 NFS[25][26] Uboot Italien Rom, La Spezia seit 2021
WWGC (Wide Wet Gap Crossing)[27] Amphibisches Militärbrücken und Fährensystem Deutschland, Vereinigtes Königreich Bonn seit 2025
  • Programme mit deutscher Beteiligung
  • Einzelnachweise

    1. https://www.occar.int/our-work-programmes
    2. A400M – A Tactical and Strategic Airlifter (Memento vom 4. November 2017 im Internet Archive)
    3. BOXER – THE NEXT GENERATION OF MULTI ROLE ARMOURED VEHICLES (Memento vom 22. September 2013 im Internet Archive)
    4. COBRA – The World’s Most Advanced Weapon Locating System (Memento vom 10. Mai 2016 im Internet Archive)
    5. Dorothee Frank: OCCAR plant mit E-NACSOS Standard für maritime IT-Systeme. In: Defence Network. 17. Dezember 2024, abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
    6. ESSOR: European Secure Software defined Radio (Memento vom 1. September 2017 im Internet Archive)
    7. FREMM – Multi Mission Fregates (Memento vom 1. November 2017 im Internet Archive)
    8. FSAF PAAMS – The Next Generation of Surface-to-Air Anti-Missile Systems (Memento vom 1. November 2017 im Internet Archive)
    9. OCCAR: HYDEF, abgerufen am 7. Januar 2026
    10. Hyperschall-Abwehr: HYDEF-Programm erreicht nächsten Meilenstein. In: Hartpunkt. 2. September 2024, abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
    11. Europäisches HYDEF-Programm zur Abwehr von hypersonischen Bedrohungen unter Vertrag. In: Esut. 3. November 2023, abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
    12. Lars Hoffmann: Hyperschall-Abwehr: Großbritannien wird Beobachter beim Projekt HYDIS. In: Hartpunkt. 27. Oktober 2025, abgerufen am 7. Januar 2026.
    13. LSS – Logistic Support Ship (Memento vom 28. Oktober 2017 im Internet Archive)
    14. Dorothee Frank: Zusätzlicher Partner zur MU90-Modernisierung. In: Behörden-Spiegel. 17. März 2023, abgerufen am 7. Januar 2026.
    15. Bundesverteidigungsministerium: European MALE RPAS, abgerufen am 7. Januar 2026
    16. MMCM – Maritime Mine Counter Measures (Memento vom 1. November 2017 im Internet Archive)
    17. John Hill: Two MMPC prototypes in second stage of OCCAR project. In: Naval Technology. 6. Juni 2024, abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
    18. Gerhard Heiming: A330 MRTT Nummer vier für die MMF. In: Esut. 14. April 2021, abgerufen am 7. Januar 2026.
    19. MUSIS FA – The Multinational Space based Imaging System – Federating Activities (Memento vom 1. November 2017 im Internet Archive)
    20. German parliament approves the exercise of the 3rd option of the OCCAR NVC contract. In: Theon. 19. Dezember 2024, abgerufen am 7. Januar 2026.
    21. OCCAR: NIGHT VISION CAPABILITY PROGRAMME - Bringing Clarity to the Battlefield, abgerufen am 7. Januar 2026
    22. PPA – Pattugliatori Polivalenti d’Altura (Memento vom 9. September 2015 im Internet Archive)
    23. Tiger – A New Generation of Helicopters (Memento vom 5. Dezember 2017 im Internet Archive)
    24. Sam Cranny-Evans: MBDA testet erfolgreich Panzerabwehrlenkflugkörper Akeron LP. In: Hartpunkt. 9. Februar 2025, abgerufen am 7. Januar 2026.
    25. Dorothee Frank: Meilenstein beim Near Future Submarine. In: Behörden-Spiegel. 8. März 2023, abgerufen am 7. Januar 2026.
    26. OCCAR: U212 NFS, abgerufen am 7. Januar 2026
    27. GDELS stattet Deutschland und Großbritannien mit neuen amphibischen Brückenfahrzeugen M3 aus. In: GDELS. 30. Oktober 2025, abgerufen am 7. Januar 2026.