o.k. (Film)
| Film | |
| Titel | o.k. |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1970 |
| Länge | 80 Minuten |
| Altersfreigabe |
|
| Stab | |
| Regie | Michael Verhoeven |
| Drehbuch | Michael Verhoeven |
| Produktion | Rob Houwer |
| Musik | Axel Linstädt |
| Kamera | Igor Luther |
| Schnitt | Monika Pfefferle Michael Verhoeven |
| Besetzung | |
| |
o.k. ist ein deutscher Spielfilm von Michael Verhoeven aus dem Jahr 1970. Er beruht auf der Entführung und Gruppenvergewaltigung sowie dem Mord an der Vietnamesin Phan Thị Mào am 19. November 1966 („Zwischenfall auf Hügel 192“) während des Vietnamkrieges. Der Film wurde in Schwarzweiß gedreht, um sich so näher an die Ästhetik der damaligen Fernseh-Kriegsberichterstattung anzulehnen.
Inhalt
Mehrere junge (1970 noch unbekannte) Schauspieler stellen sich kurz vor, während sie nebenbei in amerikanische Militär-Uniformen schlüpfen. Sie kündigen an, einen Vorfall, der sich 1966 während des Vietnamkrieges ereignet hatte, bewusst in Bayern und in bayrische Mundart nachzustellen. Somit soll verhindert werden, dass die Zuschauer das Verbrechen verdrängen können, "weil Vietnam weit entfernt sei".
Der Soldat Sven Eriksson erstattet Captain Vorst Meldung über die Vergewaltigung und die anschließende Tötung einer jungen Vietnamesin durch seine Einheit.
In mehreren Einzelkapiteln werden die Tage vor dem Vorfall gezeigt, insbesondere die Langeweile und die zunehmenden Spannungen zwischen den unterschiedlichen jungen Männern. Diese Spannungen finden schließlich in der Kontrolle einer jungen vietnamesischen Zivilistin ein Ventil: Die Soldaten verhören das junge Mädchen, bedrängen sie, verdächtigen sie und ihre Familie als Kommunisten und Spione, und verlangen schließlich, dass sie ihre Beichtgeheimnisse preisgibt. Soldat Diaz geht noch weiter und vergewaltigt die junge Frau, die anderen (bis auf Eriksson) folgen seinem Beispiel. Dieser weigert sich vehement mitzumachen, wird von den anderen aber gewaltsam auf das Mädchen gedrückt. Er kündigt an, alles zur Anzeige zu bringen. Als die Männer von der bewusstlosen Frau ablassen, gerät Soldat Clarke in Panik und sticht auf sie ein, um die Tat zu vertuschen. Eriksson gelingt die Flucht. Clarke und auch Sergeant Meserve erschießen schließlich die Schwerverletzte gemeinsam und lassen die Leiche in einem Stausee verschwinden.
Eriksson gelingt die Flucht zu ranghöheren Vorgesetzten und erstattet Bericht. Der Captain hört sich die Geschichte an, bezeichnet jedoch den berichterstattenden Eriksson als Verräter: „Der Mord ist außerhalb der Zivilisation geschehen, nämlich auf dem Schlachtfeld. Eine Strafanzeige würde der Sache des Friedens schaden“. Eriksson wird zurück zu seinen Kameraden geschickt. Im Dschungel herrscht wieder Ruhe und Frieden. Es ist alles „o. k.“.
Aus dem Off erfährt der Zuschauer, dass erst ein Militärpfarrer Erikssons Bericht weiterleitet und zur Anzeige bringt. Die Täter werden zunächst mit hohen Haftstrafen belegt und unehrenhaft aus der Armee entlassen, doch nach wenigen Jahren werden die Strafen deutlich abgemildert und reduziert und manche Täter kehren sogar zurück in die Armee.
Kritiken
„Der Münchener Filmemacher Michael Verhoeven ließ diese wahre Begebenheit in den bayerischen Wäldern nachspielen – mit authentischen Namen, in US-Uniformen und z. T. mit Brecht’schen Verfremdungseffekten. Seine Botschaft: Auch wenn ein Krieg der ‚Freiheitssicherung‘ dient, macht er Greueltaten möglich.“
„Trotz guter Darstellung und Fotografie kommt die beabsichtigte Kritik nicht voll zur Wirkung, weil die zur Brutalisierung führenden verdeckten Spannungen und Aggressionswünsche nicht überzeugend genug entwickelt und aufeinander bezogen worden sind. Für Erwachsene als Diskussionsgrundlage gut geeignet.“
Der Berlinale-Skandal
Verhoevens o.k. wurde vom Auswahlkomitee der Berlinale 1970 als offizieller deutscher Beitrag zum Wettbewerb eingeladen. Aufgrund des als kontrovers empfundenen Inhalts beschloss die Festivaljury unter ihrem Präsidenten George Stevens nach der Vorführung, den Film an die Auswahlkommission zurückzugeben und eine erneute Prüfung zu verlangen, ob der Film für die Teilnahme geeignet sei. Es sei fraglich, so wurde argumentiert, ob der Film die Verständigung zwischen den Völkern fördere, wie es die Statuten der Berlinale vorschrieben. Dušan Makavejev, Jurymitglied aus Jugoslawien, war mit diesem Vorgehen und Stevens’ Druck auf andere Mitglieder nicht einverstanden und opponierte gegen diesen Kurs, den er als Zensur empfand, und andere Juroren taten es ihm gleich. Eine öffentliche Debatte entbrannte, die von Verhoeven und seinem Produzenten Houwer weiter angefacht wurde, das Premierenkino Zoo-Palast wurde besetzt. Andere Filmemacher protestierten und zogen teilweise ihre Filme zurück, und schließlich resignierte die Jury. Die Berlinale musste – zum bisher einzigen Mal – abgebrochen werden, die Filmvorführungen wurden bis auf wenige noch verbliebene Ausnahmen eingestellt und keine Preise vergeben. Festivalleiter Alfred Bauer trat vorübergehend zurück und die Zukunft der Berlinale schien gänzlich in Frage gestellt. Verhoevens Skandalfilm war jedoch nur der Anlass, nicht die Ursache für diese Krise, die im aufgeheizten Berliner Klima jener Zeit sowie in der Unzufriedenheit mit einem das weniger etablierte Kino ausschließenden Programm begründet war. Die Berlinale von 1971 wurde nach neuen Gesichtspunkten organisiert.
Weitere Version
Derselbe Stoff wurde 1989 von Brian De Palma in Die Verdammten des Krieges verarbeitet.
Zitate
„Filme wie ‚o.k.‘ haben damals viele zur Weißglut getrieben. Die Weltbilder wurden wesentlich rigider vertreten als heute, und diejenigen, die sich beispielsweise klar für den Vietnamkrieg aussprachen, konnten meinen Film einfach nicht ertragen. Heute ist man wesentlich gleichmütiger, man lässt die Ereignisse an sich vorbeiziehen. Der Irak-Krieg hat vielleicht im Wahlkampf einer Partei einige Sympathien gekostet, aber man prügelt sich deswegen nicht mehr auf der Straße. Zudem wurde dieser Krieg sehr medienwirksam aufbereitet – die Medien sind ja nicht nur Aufklärer, sondern Vertuscher. Deshalb sind die Konsumenten viel korrumpierbarer als früher, als solche Filme noch einen regelrechten Schock auslösten.“
Auszeichnungen
Bei der Verleihung des Bundesfilmpreises gewann o.k. die Auszeichnungen für die beste Nachwuchsdarstellerin (Eva Mattes) und das beste Drehbuch.
DVD-Ausgabe
Seit März 2021 ist der Film in einer restaurierten Fassung als DVD erhältlich.[4]
Literatur
- Michael Verhoeven: OK oder nicht OK? Eine Erinnerung an die Berlinale 1970, in: Die Zeit Nr. 7, 11. Februar 2010, S. 42.
Einzelnachweise
- ↑ O.k. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 23. Juli 2017.
- ↑ Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 303/1970
- ↑ Interview im „amnesty international-Journal“, Februar 2006
- ↑ o.k. auf jpc.de, abgerufen am 6. Mai 2021.
Weblinks
- o.k. bei IMDb
- o.k. bei filmportal.de
- 20. INTERNATIONALE FILMFESTSPIELE BERLIN, Berlinale-Archiv
- Als ein bayerisches Vietnam die Berlinale sprengte, Interview mit Michael Verhoeven, Kommentierte Fotostrecke, Spiegel Online, 28. Februar 2020
- Jan Schulz-Ojala: „Ein Skandalfilm und die Folgen“, in: Tagesspiegel, 29. Januar 2010
- „Ein Mord und zwei Enzian“, TAZ, 4. Februar 2002