O-Klasse (Schlachtkreuzer)

O-Klasse
Schiffsdaten
Land Deutsches Reich Deutsches Reich
Schiffsart Schlachtkreuzer
Gebaute Einheiten 3 geplant
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 256,5 m (Lüa)
246,0 m (KWL)
Breite 30,0 m
Tiefgang (max.) 11,2 m
Verdrängung
  • Standard:
    30.500 ts / 30.989 t
  • Einsatz:
    35.720 ts / 36.293 t
 
Besatzung 1.965 Mann
Maschinenanlage
Maschine 8 MAN 24-Zyl.-V-Dieselmotoren
mit 2 Vulcangetrieben
1 BBC- bzw. Blohm & Voss Dampfturbine (auf Mittelwelle)
mit 4 Wagner-Dampfkesseln
Maschinen­leistung 116.000 PS (85.318 kW)
Höchst­geschwindigkeit 35 kn (65 km/h)
Propeller 3 dreiflügelige (Mittelwelle: ⌀ 4,9 m; Außenwellen: ⌀ 4,85 m)
Bewaffnung
Panzerung
  • Gürtelpanzer: 100–180 mm
  • Zitadelle: 25–80 mm
  • Panzerdeck: 50–80 mm
  • Panzerquerschotte: 45–100 mm
  • Torpedoschott: 45 mm
  • vorderer Kommandoturm: 200 mm
  • achterer Kommandoturm: 50 mm
  • schwere Artillerie
    Türme: 50–210 mm
    Barbetten: 145–180 mm
  • Mittelartillerie
    Türme: 15–30 mm

Als O-Klasse wurde in der Kriegsmarine ein Entwurf für einen Schlachtkreuzer bezeichnet, der nie ausgeführt wurde.

Geschichte

Planung

Erörterungen im Neubau-Ausschuss des Oberkommandos der Kriegsmarine führten Ende Mai 1939[1] direkt zur O-Klasse unter Verzicht auf den Bau der bisher als Kreuzer Typ P angesprochenen neuen Panzerschiffe.

  • einem Dreiturmschiff mit Zwillingstürmen größeren Kalibers,
  • Zusammenfassung der 15-cm-Mittelartillerie und 10,5-cm-Flakartillerie zu einer Einheitsbewaffnung von rund 13 cm
  • eine dem Schiffstyp angepasste Motorengröße, die den erforderlichen Schutz in Höhe des Panzerdecks und in der Breite des Torpedoschutzes sicherstellt.

Gemäß Schreiben A Va 477/39 g.Kdos. vom 13. Juli 1939 des Marineoberbefehlshabers wurde für die bisherigen Kreuzer Typ „P“ die Bezeichnung „Schlachtschiff“ eingeführt, den Ausdruck „Schlachtkreuzer“ gab es offiziell in der deutschen Marine nie.

Bauaufträge wurden am 8. August 1939 an die Deutsche Werke Kiel AG, die F. Krupp Germaniawerft Kiel sowie an die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven gegeben. „O“ ging an die Deutsche Werke und sollte auf der seit dem Stapellauf des Flugzeugträgers Graf Zeppelin nicht mehr belegten Helling 2 gebaut und zum 1. Juni 1943 abgeliefert werden. „P“ ging an die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven und sollte auf der seit dem Stapellauf des Schlachtschiffes Tirpitz nicht mehr benutzten Helling 2 gebaut und ebenfalls zum 1. Juni 1943 abgeliefert werden. Mit dem Schlachtkreuzer „Q“ wurde die Friedrich Krupp Germania-Werft Kiel beauftragt. Dafür sollte die Helling VIII genutzt werden, sobald der planmäßig zum 1. Juli 1940 zum Stapellauf vorgesehene Flugzeugträger B abgelaufen war. Deshalb wurde der Ablieferungstermin auf den 1. Dezember 1943 gesetzt.[2]

Um die Bauzeit der Schiffe zu verkürzen, war angedacht, Komponenten andere im Bau befindlicher Schiffe zu benutzen. So sollte jeder der drei Schlachtkreuzer eine von den vier im Bau befindlichen Kesselanlagen des Flugzeugträgers B erhalten und diese Antriebsanlagen des Trägers B sollten für den Flugzeugträger nachgebaut werden. Auch sollten die 38 cm-Geschütztürme, die für die Umrüstung der Schlachtschiffe Gneisenau und Scharnhorst von ihren 28 cm-Türmen auf die stärker armierten Türme vorgesehen waren, nun für die O-Klasse-Schlachtkreuzer verwendet werden und die beiden Schlachtschiffe sollten vorläufig weiterhin, bis zum Neubau weiterer 38 cm-Geschütztürme, ihre schwächere Bewaffnung behalten. Diese Überlegungen wurden jedoch hinfällig, da bei keinem der Schiffe mit dem Bau begonnen wurde. Die bereits produzierten Geschütze endeten als Küstenbatterien im Atlantikwall und zumindest eine Antriebsanlage des Flugzeugträgers B dient heute als Lehrmaterial an der Fachhochschule Kiel.

Die Schiffe waren für den Handelskrieg entworfen. Deshalb sollten sie ein gemischtes Antriebssystem erhalten. Dieselmaschinen waren für die Langstreckenfahrt bei mittlerer Geschwindigkeit vorgesehen, zusätzliche Turbinen waren für hohe Geschwindigkeit im Kampf gedacht.

Die Hauptaufgabe dieser Schlachtkreuzer war der Angriff auf feindliche Konvois, um Frachtschiffe zu versenken. Obwohl die Panzerung nur der eines Kreuzers entsprochen hätte, hätten diese Schiffe aufgrund der Waffenreichweite ihrer Hauptartillerie auch gut geschützte alliierte Konvois gefährden können.[3]

Bau

Die Planungen für das Jahr 1939 sahen den Bau auf den drei Werften Deutsche Werke Kiel (Schlachtschiff O), Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven (Schlachtschiff P) und Germaniawerft Kiel (Schlachtschiff Q) vor. Aber durch Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 wurden von der Marine andere Prioritäten gesetzt wie der Bau von U-Booten. Daher wurden alle Arbeiten an der Klasse eingestellt.

Technische Beschreibung

Rumpf

Der Rumpf eines Schlachtkreuzers der O-Klasse, unterteilt in wasserdichte Abteilungen, sollte über alles 256,5 Meter lang, 30,0 Meter breit sein und hätte bei einer geplanten Einsatzverdrängung von 36.293 Tonnen einen Tiefgang von 11,2 Metern gehabt.

Panzerschutz

Der Gürtelpanzer war an seiner stärksten Stelle 180 Millimeter dick. Der horizontale Schutz bestand aus einem 50 bis 80 Millimeter starken Panzerdeck. Die Barbetten, also die zylindrischen Strukturen unterhalb der Türme, durch die die Munition transportiert wurde, wären mit bis zu 145 Millimeter Panzerstahl geschützt, der an einigen Stellen bis auf 180 Millimeter Dicke aufwuchs. Der Gefechtsstand, also die kleine Befehlszentrale im Brückenaufbau (Kommandoturm) unmittelbar hinter Turm „B“, von der im Notfall die wichtigsten Schiffssysteme gesteuert werden konnten, sollte einen Schutz von 200 Millimeter Stahl erhalten.

Bewaffnung

Schwere Artillerie

Als schwere Artillerie sollten sechs 38-cm-SK C/34-Seezielgeschütze in Kaliberlänge 52 verbaut werden, die in drei Zwillingstürmen (Dopp.Dreh.L. C/34e) entlang der Schiffsmittellinie aufgestellt werden sollten. Dabei wären auf dem Vorschiff zwei Türme und auf dem Achterschiff ein Turm aufgestellt worden.

Mittelartillerie

Als Mittelartillerie sollten sechs 15-cm-TbtsK C/36 mit Kaliberlänge 48 in drei Zwillingstürmen (Dopp.Dreh.L. C/38) verbaut werden. Dabei wären je ein Turm beidseits zwischen Brückenaufbau und ersten Schornstein und der dritte Turm überhöht zum achteren 38-cm-Turm aufgestellt worden.

Flugabwehrbewaffnung

Zur Flugabwehr waren acht 10,5-cm-SK C/33-Geschütze in vier Doppellafetten, zwölf 3,7-cm SK C/30 in Doppellafetten (Dopp.L. C/30) und zwanzig 2-cm-Flak C/38 vorgesehen. Da die Bedrohung durch Flugzeuge zum Zeitpunkt der Planung noch nicht dominierend war, wurde diese Anzahl an Flugabwehrgeschützen als ausreichend angesehen.

Torpedobewaffnung

Es war vorgesehen sechs Unterwassertorpedorohre des Kalibers 53,3-cm zu verbauen. Je drei Rohre beidseitig mittschiffs zwischen den beiden Schornsteinen. Die Grundidee dieser Räume war, dass die Schiffe in lange andauernde Gefechte mit anderen Schiffen verwickelt werden konnten, bei denen beide Kontrahenten längere Zeit auf parallelen Kursen liefen, so dass sich die Möglichkeit ergeben hätte, den Gegner auch mit Torpedos zu beschießen.

Literatur

  • Siegfried Beyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. J.F. Lehmanns Verlag, München 1970, ISBN 3-88199-474-2.

Fußnoten

  1. BA-MA-RM-20-1913; Allgemeine Typfragen für Schlachtschiffe, Panzerschiffe und Kreuzer 1939-40; Der Präses des Neubauausschusses beim Oberkommando der Kriegsmarine Nb.A.14/39 g.Kdos; Berlin 23. Mai. 1939
  2. Siegfried Breyer: Der Z-Plan – Streben zur Weltmachtflotte, S. 32.
  3. Siegfried Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997 - Internationaler Schlachtschiffbau, Bernd & Graefe Verlag, Bonn 2002, ISBN 3-7637-6225-6, S. 189