Sensen Museum Micheldorf
Gesamtansicht Gradnwerk | |
| Daten | |
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| Ort | Micheldorf in Oberösterreich |
| Art | |
| Eröffnung | 1978 |
| Betreiber |
Verein zur Pflege und Erhaltung der Kulturgüter der Sensenschmiede
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| Leitung |
Martin Osen
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| Website | |
Das Sensen Museum Micheldorf (vormals OÖ. Sensenschmiedemuseum) ist ein Museum der Technik- und Industriegeschichte sowie Freilichtmuseum in Micheldorf in Oberösterreich. Auf dem Gelände der ehemaligen Sensenschmiede am Gries werden Geschichte, Arbeitswelt und Kultur der Sensenschmiede vermittelt.
Geschichte
Die Sensenschmiede am Gries (auch als Gradnwerk bezeichnet) war eines der ältesten und über Jahrhunderte das größte der zwölf Micheldorfer Sensenwerke. Der Gewerke Caspar Zeitlinger galt im 19. Jahrhundert als größter und wichtigster Sensenfabrikant der Monarchie. Die Sensen mit der Hausmarke Kelch gingen zum Großteil in den Export und waren für ihre besondere Qualität bekannt.
Eröffnung (1978)
1971 wurde in Kirchdorf an der Krems der Verein zur Pflege und Erhaltung der Kulturgüter der Sensenschmiede gegründet. Wesentliches Ziel war die „Einrichtung eines Heimathauses in einem Sensenschmiede-Herrenhaus in typischer Form aus der Zeit der Blüte des Kirchdorf-Micheldorfer Sensenschmiedhandwerks, besser noch einer ganzen Werkssiedlung“[1]. Nachdem andere Standorte wie die ehemalige Sensenschmiede Blumau oder das Schloss Neupernstein in Kirchdorf überlegt wurden, konnte das OÖ. Sensenschmiedemuseum 1978 auf dem Gelände des erst 1966 stillgelegten Gradnwerkes unter der wissenschaftlichen Leitung von Franz C. Lipp und Kurt Holter eröffnet werden.
Landesausstellung (1998)
Der Standort war Teil der dezentralen Landesausstellung 1998 Land der Hämmer – Heimat Eisenwurzen. Zu diesem Anlass wurde die Ausstellung des Museums neu gestaltet.
Das OÖ. Sensenschmiedemuseum wurde 2003 mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet.
Neueröffnung (2025)
2015 wurde das Museum von der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich erworben, um den Fortbestand des Museums zu sichern.[2] Ab 2016 wurden die historischen Gebäude saniert und eine neue Ausstellung konzipiert.[3] Für den Museumsbetrieb bleibt weiterhin der Verein zur Pflege und Erhaltung der Kulturgüter der Sensenschmiede mit Sitz in Micheldorf verantwortlich. 2017 wurde Martin Osen zum Obmann des Vereins gewählt.[4] Er leitet seither das Museum ehrenamtlich und verantwortet dessen Sanierung und Neugestaltung.
Für die „ästhetisch wie museumsdidaktisch denkmalgerechte Aufwertung des gesamten Sensenschmiede-Ensembles“, insbesondere für die Revitalisierung des historischen Fluders wurde dem Museumsverein 2021 der Anerkennungspreis für Denkmalpflege des Landes Oberösterreich verliehen.[5]
Das Museum wurde nach umfassender Sanierung am 4. Mai 2025 als Sensen Museum Micheldorf wiedereröffnet.[6]
Die Restaurierung des Herrenhauses wurde 2025 mit dem Landespreis für Denkmalpflege des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.[7] Die Begründung der Jury bezeichnete das Herrenhaus des Sensen Museums als herausragendes Beispiel für vorbildliche Denkmalpflege – „ein Ort, an dem denkmalgerechte Restaurierung und lebendige Vermittlung regionaler Kunst und Geschichte auf eindrucksvolle Weise miteinander verbunden sind“.[8]
Obmann Martin Osen wurde am 26. November 2025 für die „umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen“ im Sensen Museum Micheldorf die Medaille für Verdienste um den Denkmalschutz verliehen: „Das Museum vermittelt nicht nur historische Inhalte, sondern schafft einen lebendigen Ort, an dem Besucherinnen und Besucher die industrielle Geschichte, handwerkliche Fertigkeiten und die kulturelle Bedeutung der Sensenschmiede hautnah erfahren können.“[9]
Ausstellung
Das Ensemble der Sensenschmiede umfasst heute sieben Gebäude. Zwei dieser Gebäude, der Gradn-Hammer und das Herrenhaus, sind museal adaptiert und können im Rahmen einer Führung besucht werden. Ein drittes Gebäude, die Kram, soll zu einem späteren Zeitpunkt in die Ausstellung integriert werden. Das Feyreggerhaus im Museumsgelände wird kulturell genutzt. Im ehemaligen Bauernhaus befindet sich heute das „Gasthaus zum Schwarzen Grafen“.
Die 2025 eröffnete Dauerausstellung wurde neu konzipiert und gestaltet. Jeder Raum ist einem eigenen Thema gewidmet, das weitgehend auf die historische Nutzung des jeweiligen Raumes Bezug nimmt. Über 20 Themen beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven die außergewöhnliche Sozialgeschichte der Sensenschmiede und bieten einen umfassenden Eindruck der damaligen Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Hammer
Im Hammergebäude mit seiner originalen Innenausstattung lassen sich die etwa 25 zur Produktion einer Sense nötigen Arbeitsschritte nachempfinden. Ein Kleinhammer kann elektrisch in Betrieb gesetzt werden und vermittelt so anschaulich, warum die meisten Sensenschmiede sprichwörtlich hammerterrisch (also schwerhörig vom Lärm der Hämmer) waren.
Herrenhaus
Das Herrenhaus dokumentiert mit seiner reichen Ausstattung Kultur, soziale Stellung und Repräsentationsbedürfnis der Sensengewerken. Im Herrenhaus wohnte nicht nur die Gewerkenfamilie, hier befanden sich auch die Räume der Geschäftsleitung, wurden Mitarbeiter verköstigt und wohnten Dienstboten.
Blumauerzimmer
Der als Wohnschlafzimmer konzipierte Salon stammt ursprünglich aus der Sensenschmiede Blumau von Michael Zeitlinger, dem Bruder Caspar Zeitlingers. Die originalen Barock-, Rokoko- und Empiremöbel datieren zwischen 1730 und 1790. Die Biedermeiertapete von Spörlin und Rahn, Wien sowie der Tafelparkettboden aus der Zeit um 1830 sind originalgetreue Reproduktionen. Die Portraits von Franz Xaver Bobleter zeigen Caspar und Michael Zeitlinger mit ihren Frauen, Eltern und Schwiegereltern. Die Glas-, Porzellan- und Silbergegenstände in den Vitrinen stammen ebenfalls aus dem Besitz von Caspar und Michael Zeitlinger und deren Vorfahren. Zahlreiche Stücke tragen das Sensenzeichen Caspar Zeitlingers, den „Kelch mit Hostie“.
Kram
Westlich des Herrenhauses befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Fluders die Kram, die zur Verpackung, Lagerung und zum Versand der Sensen diente. Heute ist die Ausstellung in der Kram Themen wie der Beschaffung der Rohstoffe, der Endfertigung und dem Sensenabsatz gewidmet.
Feyreggerhaus
Das nördlich an das Herrenhaus anschließende Feyreggerhaus wird von der Marktgemeinde Micheldorf als „Haus für Kunst, Kultur und Diskurs“ für unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen genutzt.
2025 würdigte eine Retrospektive im Feyreggerhaus das Schaffen des im selben Jahr verstorbenen Malers Alfred Zeitlinger, eines Nachkommen der Sensengewerkenfamilie.
Veranstaltungen
In unregelmäßigen Abständen wird eine „Sengsschmiedroas“, eine geführte Wanderungen zu ehemaligen Micheldorfer Sensenwerken mit musikalischer Begleitung veranstaltet.
Literatur
- Kurt Holter et al.: Oberösterreichisches Sensenschmiedemuseum, Micheldorf. Die Werkstatt am Gries (Gradn-Werk). Wels, ca. 1983
- Rudolf Kropf, Herta Arbeithuber et al.: Sensen, Schmiede, Kultur. Sensenschmiedemuseum Micheldorf. Linz 1998
Weblinks
- Website des Sensen Museum Micheldorf
- Sensen Museum Micheldorf auf der Website Verbund Oberösterreichischer Museen
Einzelnachweise
- ↑ Satzungen des Vereins zur Pflege und Erhaltung der Kulturgüter der Sensenschmiede vom 29. Dezember 1970
- ↑ GLD erwirbt das Sensenschmiedemuseum Micheldorf, abgerufen am 8. Januar 2016
- ↑ Sensenschmiedemuseum wird saniert und konzeptionell neu gestaltet, abgerufen am 17. November 2025
- ↑ Neues Team im Sensenschmiedeverein Micheldorf, abgerufen am 17. November 2025
- ↑ Landespreis für Denkmalpflege geht nach Micheldorf in OÖ, abgerufen am 13. November 2025
- ↑ Nach der Sanierung: Neues Leben im Sensen Museum Micheldorf, abgerufen am 13. November 2025
- ↑ Landespreis für Denkmalpflege an "Sensen Museum", abgerufen am 13. November 2025
- ↑ LH Stelzer: Sensen Museum Micheldorf bekommt Landespreis für Denkmalpflege, abgerufen am 13. November 2025
- ↑ Verleihung der Denkmalschutzmedaille 2025 - Engagement für das kulturelle Erbe, abgerufen am 27. November 2025