Numerus Maurorum Aurelianorum

Der Numerus Maurorum Aurelianorum [Valeriani Gallieni] (deutsch Numerus der Mauren Aurelianorum [der Valerianische Gallienische]) war eine römische Auxiliareinheit. Er ist durch eine Inschrift[1] und die Notitia dignitatum[2] belegt. Der Numerus ist vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt in einer anderen Einheit, den Equites scutarii Aureliaci aufgegangen.

Namensbestandteile

  • Maurorum: der Mauren. Die Soldaten des Numerus wurden bei Aufstellung der Einheit aus den Stämmen der Mauren in Nordafrika rekrutiert.[3]
  • Aurelianorum: Der Zusatz bezieht sich möglicherweise auf Mark Aurel (161–180). Laut Marcus Reuter nahm Theodor Mommsen an, dass der Beiname auf Aurelian (270–275) zurückgehen würde; die 1934 gefundene Inschrift zeigt aber, dass die Einheit den Beinamen schon vor der Regierungszeit von Aurelian führte. Andere Historiker wie Anton von Premerstein haben vermutet, dass die Einheit unter Mark Aurel entstanden ist; Reuter hält diese Annahme aber nicht für zwingend, da der Beiname auch auf andere Umstände zurückgehen könnte. Beim Numerus Brittonum Aurelianensium bezieht sich der Beiname z. B. auf den Vicus Aurelianus, in dessen Nähe diese Einheit stationiert war.[4]
  • Valeriani Gallieni: der Valerianische Gallienische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Valerian (253–260) und seinen Sohn Gallienus (260–268) bezieht. Der Zusatz kommt in der Inschrift vor.

Geschichte

Die Entstehung der maurischen Numeri in Dakien wird mit Lusius Quietus verbunden, der unter Domitian (81–96) als Führer eines maurischen Reiterkontingents gekämpft hatte. Unter Trajan (98–117) nahm er mit seinen Reitern sowohl an den beiden Dakerkriegen als auch am Feldzug gegen die Parther teil.[3] Auf mehreren Militärdiplomen[5] für die Einheiten in der Provinz Dacia superior, die zwischen 146 und 158 datiert sind, werden Mauri gentiles aufgeführt.[6] In Dakien sind danach Numeri der Mauren bis ins frühe 3. Jh. nachweisbar.[7]

Marcus Reuter hält es daher für denkbar, dass der Numerus Maurorum Aurelianorum wie alle anderen inschriftlich belegten maurischen Numeri in Dakien stationiert war, bevor er von dort zu einem unbestimmten Zeitpunkt abgezogen und in die Provinz Britannia verlegt wurde;[7] dafür spricht seiner Meinung nach auch eine weitere Inschrift,[8] die in Aballava gefunden wurde und die einen cives Dacus erwähnt.[9] Laut Reuter nahm Herbert Nesselhauf dagegen an, dass die Einheit unter Mark Aurel aufgestellt wurde und nach den Markomannenkriegen nach Britannien verlegt wurde, wo sie zunächst an einem unbekannten Standort stationiert war, bevor sie um die Mitte des 3. Jh. nach Aballava am Hadrianswall verlegt wurde.[4]

Der Numerus ist erstmals durch die Inschrift[1] belegt, die in Aballava in der Provinz Britannia gefunden wurde und die auf 253/258 datiert ist. Wann die Einheit nach Britannien verlegt wurde und wo sie vorher stationiert war, ist daher unbekannt.

Letztmals erwähnt wird die Einheit in der Notitia dignitatum[2] für den Standort Aballaba. Sie war unter der Leitung eines Praefectus Teil der Truppen, die dem Oberkommando des Dux Britanniarum unterstanden. Der Numerus dürfte danach in den Equites scutarii Aureliaci aufgegangen sein, die ebenfalls in der Notitia dignitatum aufgeführt sind und die dem Comes Britanniarum unterstellt waren.[9]

Sollstärke

Bei den maurischen Numeri dürfte es sich mit Ausnahme des Numerus Maurorum Hispanorum um teilberittene, d. h. gemischte Verbände aus Infanterie und Kavallerie gehandelt haben.[6] Die Sollstärke eines solchen Numerus lag möglicherweise bei rund 500 Mann, da bei den maurischen Numeri Präfekten als Kommandeure nachgewiesen sind.[7] Die erhaltenen Inschriften aus dem 2. und 3. Jh. deuten auf gemischte Verbände aus Infanterie und Kavallerie hin, während auf der Trajanssäule leichtbewaffnete, maurische Reiter abgebildet sind; die Zusammensetzung der Einheiten könnte sich daher über die Zeit geändert haben.[6]

Standorte

Standorte des Numerus in Britannia:

Angehörige des Numerus

Folgende Angehörige der Kohorte sind bekannt:[9]

Siehe auch

Literatur

  • Marcus Reuter: Studien zu den numeri des Römischen Heeres in der Mittleren Kaiserzeit, Dissertation, In: Berichte der Römisch-Germanischen Kommission 80, 1999, S. 359–569, hier S. 391–394, 503–505.

Einzelnachweise

  1. a b Inschrift aus Burgh by Sands / Aballava (RIB-01, 02042).
  2. a b Notitia dignitatum in partibus Occidentis XL (Online).
  3. a b Marcus Reuter, Studien, S. 391.
  4. a b Marcus Reuter, Studien, S. 504.
  5. Militärdiplome der Jahre 146 (ZPE-191-269), 152 (AE 2007, 1762) und 158 (CIL 16, 108, ZPE-229-255).
  6. a b c Marcus Reuter, Studien, S. 392.
  7. a b c Marcus Reuter, Studien, S. 394.
  8. Inschrift aus Burgh by Sands / Aballava (RIB-01, 02046).
  9. a b c Marcus Reuter, Studien, S. 505.
  10. RIB 2042. Altar dedicated to Jupiter Optimus Maximus and to the Divinities of the two Emperors and the Genius Numeri. RIB, abgerufen am 30. September 2025 (englisch).
  11. Marcus Reuter, Studien, S. 503.