Notfalllager Reitnau
Das Notfalllager Reitnau ist ein Lager mit Notfallgerätschaften in Reitnau im Schweizer Kanton Aargau für Stör- und Notfälle in den drei gegenwärtig (2025) laufenden Schweizer Kernkraftwerken.
Realisierung
Die Aufsichtsbehörde ENSI hatte nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima zusätzliche Schutzmassnahmen gegen Stromausfälle gefordert. Daraufhin richteten die drei Kraftwerksbetreiber am 1. Juni 2011 das gemeinsame Lager in Reitnau (Kanton Aargau) in einem ehemaligen Munitionslager ein. Das Lager ist erhöht gelegen und verbunkert. Falls in einem Kraftwerk die Reaktorkühlung oder die Stromversorgung ausfällt einschliesslich der Notaggregate vor Ort, soll die Armee die Ausrüstung aus dem Notfalllager mit Transporthubschraubern abholen und zum Einsatz transportieren.[1] Das Lager wurde langfristig angemietet und konnte zunächst ohne Umbauten verwendet werden.[2] 2013 verlangte das ENSI noch ergänzende Redundanz der drahtgebundenen Kommunikationsanlagen des Lagers.[3]
Eingelagert sind Notstromaggregate mit mehreren hundert kVA Anschlussleistung, mobile Kühlmittelpumpen, Stromkabel und Kühlmittelschläuche, Dieselkraftstoff, Bor zur Unterbindung der Kettenreaktion, Werkzeug, Schutzmittel und Messgeräte für den Strahlenschutz, und allgemeine Feuerwehrausrüstung.[4]
Die Gerätschaften können in einem zentralen Lager besser geschützt werden, und es benötigt weniger Redundanz an den einzelnen Standorten. In ähnlicher Weise haben auch die amerikanischen Kraftwerkbetreiber 2011 unter der Bezeichnung FLEX zwei Depots mit mobiler Ausrüstung aufgebaut, um ihre Kraftwerke im Notfall zu entsetzen.[5]
Vorgeschichte
In dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi war 2011 durch Erdbeben und Tsunami die gesamte Stromversorgung einschliesslich der dafür vorgehaltenen Dieselgeneratoren tagelang ausgefallen, sodass die Reaktoren und Abklingbecken nicht mehr gekühlt werden konnten. Da auch die Strassen zunächst unpassierbar waren, konnten Ersatzgeräte nicht rechtzeitig angeliefert werden. Erdbeben, Hochwasser, und andere Naturkatastrophen kann es auch in der Schweiz geben. Nach dem gemeinsamen Notfalllager als Sofortmassnahme wurden die Schweizer KKW und die zugehörigen Stauanlagen deshalb auch vor Ort ertüchtigt. Nach Auffassung des ENSI sind diese Massnahmen nun ausreichend, um Kernschmelzen zu verhindern bzw. zu beenden, bevor die Sicherheitsbehälter brechen.[6] Vor dem Zugriff auf das Notfalllager können sich die Kraftwerke auch gegenseitig mit Material aushelfen.[7]
Weblinks
- Notfalllager auf ensi.admin.ch
Quellen und Einzelnachweise
- ↑ Externes Lager für Notfälle steht bereit. In: ENSI DE. 1. Juni 2011, abgerufen am 19. November 2025 (deutsch).
- ↑ Notfalllager betriebsbereit | Nuklearforum Schweiz | Jetzt informieren. 9. Juni 2011, abgerufen am 19. November 2025.
- ↑ Lager Reitnau ist für den Notfall gerüstet. In: ENSI DE. 13. Februar 2013, abgerufen am 19. November 2025 (deutsch).
- ↑ Notfall- und Störsysteme. Abgerufen am 19. November 2025.
- ↑ Upgrades to Backup Safety Systems Part of Fukushima Response. 1. Februar 2016, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).
- ↑ Schlussbericht Aktionsplan Fukushima. In: ENSI DE. 23. Dezember 2016, abgerufen am 19. November 2025 (deutsch).
- ↑ Gesamtnotfallübung Leibstadt - Im AKW Leibstadt wird drei Tage lang ein Notfall geprobt. Abgerufen am 19. November 2025.
Koordinaten: 47° 14′ 45,1″ N, 8° 1′ 33,4″ O; CH1903: 644464 / 232938