Norsk Ordbok
Das Norsk Ordbok. Ordbok over det norske folkemålet og det nynorske skriftmålet (deutsch „Norwegisches Wörterbuch. Wörterbuch der norwegischen Mundarten und der Schriftsprache Nynorsk“) ist ein im Druck zwölfbändiges, aber auch digital vorliegendes Wörterbuch der norwegischen Schriftsprache Nynorsk und der norwegischen Dialekte. Es erschien im Zeitraum von 1950 bis 2016 und ist mit über 300.000 Wortartikeln die umfassendste lexikographische Dokumentation der norwegischen Sprache.[1] Derzeit wird an einer Überarbeitung der Wortstrecke a bis h gearbeitet.[2]
Sein Gegenüber als Wörterbuch für die norwegische Schriftsprache Bokmål einschließlich Riksmål ist das Det Norske Akademis ordbok.
Charakteristik
Das Norsk Ordbok ist ein wissenschaftliches Belegwörterbuch und bietet eine umfassende Darstellung des Wortschatzes der norwegischen Dialekte von 1600 bis heute sowie der neunorwegischen Schriftsprache vom 19. Jahrhundert bis heute. Die einzelnen Wörterbuchartikel erläutern die Bedeutungen und den Gebrauch der einzelnen Wörter und Wendungen, führen Belege und Beispiele für die Verwendung in der Literatur sowie im Sprachgebrauch an und geben Informationen zu den lautlichen und grammatikalischen Eigenschaften sowie zur Herkunft der Wörter.[1]
Es ist damit gleichzeitig ein Wörterbuch des standardisierten Nynorsk wie auch der nichtstandardisierten Mundarten. Dieses lexikographische Konzept gründet darin, dass Nynorsk – anders als Bokmål beziehungsweise Riksmål – auf einer Synthese der verschiedenen Dialekte des Sprachgebiets beruht. Als nationales Wörterbuch, das sowohl schriftlichen wie mündlichen Gebrauch und sowohl nationalen wie regionalen Wortschatz dokumentiert, kann das Norsk Ordbok mit wissenschaftlich erarbeiteten Wörterbuchunternehmen wie dem Svenska Akademiens ordbok für die schwedische Sprache, dem Ordbog over det danske Sprog für die dänische Sprache, dem Oxford English Dictionary für die englische Sprache, dem Dictionary of the Scots Language für die schottische Sprache, dem Woordenboek der Nederlandsche Taal für die niederländische Sprache, dem Deutschen Wörterbuch für die deutsche Sprache und dem Schweizerischen Idiotikon für das Schweizerdeutsche verglichen werden.
Quellen
Die Basis der dialektalen Quellen bildet das sogenannte „Grundmanuskript“, das aus der Zusammenführung des Norsk Ordbog, med dansk Forklaring von Ivar Aasen (1873), des Norsk Ordbog, Tillæg til Norsk Ordbog af Ivar Aasen von Hans Ross (1895), des Norsk ordbok, med ordtyding paa norsk-dansk von Steinar Schjøtt (1914) und einiger weiterer, bei der Gründung des neuen Unternehmens vorhandener Wörterbücher besteht. Diese Grundlage wurde ab 1930 durch umfassende neue Erhebungen, zu der etwa 600 freiwillige Mitarbeiter aus dem ganzen Land beitrugen, stark erweitert. Überdies wurden die Materialien des 1936 von Sigurd Kolsrud gegründeten Norwegischen Mundartarchivs (Norsk Målførearkiv), rund neunzig gedruckte Regional- und Ortswörterbücher und etliche private Sammlungen, die zum Teil bis in das 17. Jahrhundert zurückgehen, ausgewertet.
Die standardsprachlichen Quellen umfassen insbesondere die „klassische“ (beispielsweise Ivar Aasen, Aasmund Olavsson Vinje, Arne Garborg, Olav Duun) und die jüngere (beispielsweise Tarjei Vesaas, Edvard Hoem, Kjartan Fløgstad, Jon Fosse) Schönliteratur, Fachbücher und Lehrmittel, Zeitungen und Zeitschriften sowie die Bibelübersetzungen und die Psalmendichtung.
Dieses traditionelle Zettelarchiv, das zu Beginn des 21. Jahrhunderts 3,2 Millionen Belegzettel enthielt, wurde ab 2002 durch ein neues, elektronisches Textkorpus ergänzt.[1] In der Folge umfasste das Wörterbuchkorpus, das auch der Öffentlichkeit zur Benutzung offensteht, im Jahr 2014 etwa 90 Millionen Wortbelege. Bis 2025 ist das Nynorskkorpus auf 146,6 Millionen Wortbelege angewachsen.[3]
Geschichte
Den Beschluss, ein neues Wörterbuch der norwegischen Mundarten und der Standardsprache Nynorsk zu finanzieren, fällte das norwegischen Parlament (Stortinget) 1929 auf Antrag des Verlags Det Norske Samlaget.[1] Gemäß dem 1932 von Sigmund Skard im Druck herausgegebenen Konzept sollte das neue Wörterbuch erstens den in den bisherigen Wörterbüchern enthaltenen Wortschatz versammeln, der zweitens mittels neuer Erhebungen zu vervollständigen sei, und dieses dialektale Korpus sollte drittens um ein Korpus der auf Nynorsk verfassten Sachprosa und Schönliteratur ergänzt werden.[4]
Die erste Lieferung erschien 1950; 1966 kam der erste Band heraus. 2001, kurz vor dem Erscheinen des vierten Bandes, wurde das Projekt dem Institut für Linguistik und Nordistik der Universität Oslo angegliedert. Um das Wörterbuch bis 2014 – zum 200. Jahrestag der norwegischen Verfassung – abschließen zu können, wurde die Redaktion neu organisiert und personell stark erweitert. Infolge einer Kehrtwendung in der Wissenschaftspolitik der Universität Oslo verzögerte sich die Vollendung des zwölften und letzten Bandes dann allerdings um zwei Jahre bis 2016.[5][1][6]
Zukunft
Nachdem die Universität Oslo 2014 beschlossen hatte, sich von der Lexikographie zu trennen, übertrug das Kulturministerium 2016 die Verantwortung sowohl für das Norsk Ordbok als auch für die beiden einbändigen Wörterbücher Bokmålsordboka und Nynorskordboka auf die Universität Bergen. Diese führt seither die lexikographische und korpuslinguistische Arbeit in Zusammenarbeit mit der Høgskulen i Volda weiter.[5][6]
Die lange Bearbeitungszeit des Wörterbuchs hat dazu geführt, dass es nach verschiedenen lexikographischen Konzepten erarbeitet ist und überdies in verschiedenen digitalen Versionen vorliegt. Das 2019 gestartete Projekt Norsk Ordbok a–h (NO-AH) hat deshalb zum Ziel, den ältesten Teil, nämlich die Wortstrecke a bis h, inhaltlich zu überarbeiten und zugleich in einer modernen digitalen Version zu publizieren.[2]
Die verschiedenen Teilsammlungen werden in einer Datenbank namens Metaordbok zusammengefasst. Sowohl Norsk Ordbok als auch Metaordbok sind überdies mit der Norsk ordbank verknüpft, welche die Lexeme mit ihren Flexionsformen und Rechtschreibevarianten verbindet.[3]
Literatur
- Kristin Bakken: Norsk Ordbok 2014 – rammer og utfordringar. In: Ruth V. Fjeld, Dagfinn Worren (Hrsg.): Nordiske studiar i leksikografi. Band 7, 2005, S. 29–35.
- Reidar Bø: Arbeidet med Norsk Ordbok. In: Olaf Almenningen, Oddrun Grønvik (Hrsg.): Ord og mål. Festskrift til Magne Rommetveit. Kringkastingsringen, Oslo 1989, S. 80–94.
- Knut E. Karlsen: Norsk Ordbok – for folket, av folket. In: Oversatt sakprosa. 16. März 2016. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- Knut E. Karlsen: Geografiske hol i ei nasjonal ordbok – om geografisk representasjon av kjeldene i Norsk Ordbok. In: Nordiska studier i leksikografi. Band 8, 2006, S. 185–198.
- Erlend Lønnum: Ordmillionæren. In: Språknytt. Band 42/4, 2014, S. 6–9 (Digitalisat).
- Børge Nordbø: Norsk Ordbok. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- Christian-Emil Ore: Nettordbøker og Norsk Ordbok – hvordan etablere en vitenskapelig nettordbok. In: Nordiska studier i lexikografi. Band 11, 2012, S. 488–499.
- Sigmund Skard: Norsk Ordbok. Historie – plan – arbeidsskipnad. Samlaget, Oslo 1932.
- Lars S. Vikør: Norsk Ordbok ved ein krossveg. In: Peter Slotte (Hrsg.): Nordiske studier i leksikografi. Band 6. Tórshavn 2003, S. 391–396.
- Lars S. Vikør: Inn i Norsk Ordbok. Brukarrettleiing og dokumentasjon. Samlaget, Oslo 2018, ISBN 978-82-521-9472-2 (Digitalisat).
- Åse Wetås: Norsk Ordbok og NO 2014-prosjektet. In: Tor Erik Jenstad. Lars S. Vikør (Hrsg.): Leksikalsk forsking i norske målføre og nynorsk skriftspråk. Tapir, Trondheim 2011, S. 65–84.
Weblinks
- Norsk Ordbok. Ordbok over det norske folkemålet og det nynorske skriftmålet. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- Norsk Ordbok. Ordbok over det norske folkemålet og det nynorske skriftmålet > Wortsuche im digitalen Wörterbuch und Zugang zu mehreren Korpora. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Knut E. Karlsen: Norsk Ordbok – for folket, av folket. In: Oversatt sakprosa. 16. März 2016. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ a b Norsk Ordbok a–h (NO-AH). In: Universitet i Bergen > Institutt for lingvistiske, litterære og estetiske studier > Ressurser. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ a b Om kjeldegrunnlaget for Norsk Ordbok. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Sigmund Skard: Norsk Ordbok. Historie – plan – arbeidsskipnad. Samlaget, Oslo 1932.
- ↑ a b Børge Nordbø: Norsk Ordbok. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ a b Lars S. Vikør: Inn i Norsk Ordbok. Brukarrettleiing og dokumentasjon. Samlaget, Oslo 2018, S. 7.