Nordmann-Steppenbirkenmaus
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Sicista loriger | ||||||||||||
| (Nathusius, 1840) |
Die Nordmann-Steppenbirkenmaus (Sicista loriger) ist ein Nagetier in der Gattung der Birkenmäuse, das hauptsächlich in der Ukraine verbreitet ist. Die Art ist nach Alexander von Nordmann benannt, der zwischen 1833 und 1837 Exemplare in der Umgebung von Odessa einfing. Die Erstbeschreibung erfolgte 1840 durch Wilhelm von Nathusius als Mitglied der Gattung Sminthus. Danach galt die Population bis zur erneuten Anerkennung als Art als Unterart oder Synonym der Steppenbirkenmaus (Sicista subtilis).[1][2]
Merkmale
Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 53 bis 78 mm, einer Schwanzlänge von 60 bis 90 mm und einem Gewicht von 7,6 bis 12 g ist die Art eine der kleinsten Birkenmäuse. Sie hat 12,5 bis 17 mm lange Hinterfüße und 10,5 bis 14 mm lange Ohren. Wie bei den meisten Birkenmäusen befindet sich auf dem gelbbraunen bis graubraunen Fell der Oberseite ein schwarzer Aalstrich. Er reicht vom Nacken bis auf das Hinterteil und wird meist von je einem beigefarbenen Streifen flankiert. Unterseits kommt weißliches oder selten helles gelbgraues Fell vor. Der diploide Chromosomensatz enthält 26 Chromosomen (2n=26). Damit besteht ein Unterschied zur Severtzov-Birkenmaus (2n=18–20) und zu den meisten Populationen der Steppenbirkenmaus (2n=24).[2]
Deutlich unterscheiden lassen sich die Arten durch die Länge der dornenartigen Auswüchse am Penis der Männchen. Sie sind bei der Ungarn-Steppenbirkenmaus bis 1 mm lang, bei der Steppenbirkenmaus 1–2 mm lang und bei der Nordmann-Steppenbirkenmaus mit über 2 mm am längsten.[2]
Verbreitung
Nachgewiesen ist die Nordmann-Steppenbirkenmaus im südlichen Teil der Ukraine, in angrenzenden Gebieten der Oblast Belgorod in Russland und im östlichen Rumänien. Vermutlich kommt die Art auch in den dazwischen liegenden Gebieten in Moldau vor. Weiterhin ist die Artzugehörigkeit einiger Populationen im östlichen Polen nicht zweifelsfrei bestimmt. Diese Birkenmaus lebt im Flachland, an einzelnen Stellen 4 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Tier lebt auf extensiv genutzten Steppen und anderen Grasflächen. Typische Pflanzen sind Federgräser sowie Vertreter der Gattungen Artemisia und Geißklee. Geänderte Bewirtschaftung von Feldern mit Getreide scheinen die Birkenmaus aus ihnen vertrieben zu haben. Die Nordmann-Steppenbirkenmaus ist weiterhin aus Regionen mit Schmalblättrigem Wiesen-Rispengras (Poa angustifolia) und Hain-Salbei (Salvia nemorosa) bekannt.[1][2]
Lebensweise
Die Nahrung besteht fast komplett aus Gliedertieren. Ein großer Teil sind Eulenfalter, die von Rüsselkäfern, Blatthornkäfern, Laufkäfern, Spinnentieren, Wanzen, Heuschrecken, Ohrwürmern und Larven von Zweiflüglern komplettiert werden. Bei Letzteren kommt es vor, dass sie nicht zerkaut werden. Haarige Larven werden völlig vermieden.[2]
Die Nordmann-Steppenbirkenmaus hält Winterschlaf und kann in Ausnahmefällen schon Anfang April bei frostigem Wetter aktiv werden. Normalerweise sollte der tägliche Durchschnitt bei 5° C liegen. In der warmen Jahreszeit ist die Art dämmerungs- und nachtaktiv. Regen scheint nicht so einflussreich zu sein wie noch im 20. Jahrhundert angenommen. Das Tier kann an Pflanzenstängeln mithilfe des Schwanzes als Stütze emporklettern und kurze Sprünge ausführen. Meist wird ein von einem anderen Tier geschaffener Bau genutzt oder natürliche Hohlräume zwischen Steinen oder Wurzeln dienen als Versteck. Die Populationsgröße schwankt stark, je nachdem, wie gut die halbhohen Pflanzen im Gebiet wachsen, was sich auf das Angebot an Gliedertieren auswirkt.[2] Das Tier zieht sich im November oder Dezember in sein Versteck zurück. Auf der Krim wurden Exemplare in warmen Wintern im Freien beobachtet. Gelegentlich werden die vorgefundenen Hohlräume leicht ausgebaut.[1]
Die Fortpflanzung erfolgt generell zwischen Ende April und Ende August. In dieser Zeit haben Weibchen einen Wurf mit 2 bis 8 Nachkommen. Der durchschnittliche Wert liegt bei 5,5.[2]
Gefährdung
Die größte Bedrohung ist die Umwandlung der Steppen in Ackerland. Dadurch gingen in den 10 Jahren vor 2023 etwa 90 Prozent des Habitats verloren. Viele Exemplare sterben infolge der Kampfhandlungen während des Russisch-Ukrainischen Krieges. Durch die Zerstörung der Staumauer des Kachowkaer Stausees im Jahr 2023 gab es eine große Überschwemmung, die zum Tode vieler Exemplare führte. Die einzige bekannte nicht bedrohte Population bewohnt ein 10 km² großes Revier im Osten Rumäniens. Die IUCN listet die Nordmann-Steppenbirkenmaus als vom Aussterben bedroht (critically endangered).[1]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Sicista loriger in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2024. Eingestellt von: Rusin, M., 2023. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ a b c d e f g Don E. Wilson, Thomas E. Lacher Jr., Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 7 - Rodents II. Lynx Edicions, 2017, ISBN 978-84-16728-04-6, S. 48 (englisch, Sicista loriger).