Nord-West-Umfahrung Meran

Nord-West-Umfahrung Meran
Abfahrt Mobilitätszentrum Bahnhof Meran
Offizieller Name LS 185
Nutzung Straßentunnel, 2-streifig
Verkehrsverbindung SS38-SS44
Ort Meran
Länge 3900 m
Anzahl der Röhren 1
Querschnitt 12–16 m
Bau
Baubeginn 1. Baulos: 14. Mai 2010
2. Baulos: 12. Oktober 2020
Fertigstellung 1. Baulos: 15. Oktober 2013
2. Baulos: voraussichtlich November 2026
Betrieb
Maut mautfrei
Lagekarte
Koordinaten
Südostportal bei Algund 46° 40′ 11″ N, 11° 8′ 20″ O
Nordwestportal bei Zenoberg 46° 40′ 33,4″ N, 11° 10′ 19,6″ O

Die Nord-West-Umfahrung Meran ist eine sich noch zum Teil im Bau befindliche Verkehrsstraße in Südtirol. Die 3900 m lange Trasse besteht aus zwei miteinander verbundenen Tunneln und verbindet die SS38 in Richtung Bozen/Vinschgau mit der SS44 in Richtung Passeiertal. Zudem besteht unterirdische Anbindung an eine sechstöckige Parkgarage.

Geschichte

Bereits seit den 1960er Jahren gab es Projekte, die Meraner Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Die Nord-West-Umfahrung Meran wurde mit dem Ziel entworfen, einerseits eine direkte Anbindung an die MeBo zu schaffen, andererseits das Zentrum Merans vom Durchgangsverkehr ins Passeiertal zu entlasten. Zu diesem Zwecke wurde bereits 2003 eine Studie an der Bozner EURAC in Auftrag gegeben, welche Basis für ein solches Projekt schaffte. 2004 wurde auf Basis der Eurac-Studie ein Technisches Gutachten zur Eigenschaft des Baugrundes in Auftrag gegeben. 2006 wurde das Vorprojekt genehmigt.

Mit dem Start des Vorprojektes 2007 wurden wichtige Grundlagen für den Baubeginn geschaffen. Es wurden Strommasten verlegt, die sich über dem Tunnel befindlichen Apfelplantagen inklusive Agrarinfrastruktur verlegt, es wurden Kampfmittel aus den Weltkriegen beseitigt und die Dämme für die entlang des MeBo-Anschlusses verlaufenden Etsch verlegt. 2009 wurde das Projekt des ersten Bauloses (MeBo-Anschluss) genehmigt, im selben Jahr noch ausgeschrieben und 15. April 2010 der Vertrag mit der Baufirma unterschrieben.

Am 14. Mai 2010 wurde der Spatenstich für das erste Baulos, welches den Anschluss an die MeBo im Gemeindegebiet von Algund und die unterirdische Tunnelführung bis zum Bahnhof beinhaltet, gelegt. Der zum Teil in Offenbau, zum Teil in Tiefbauweise gefertigte Tunnel sowie die neue Anschlussstelle mit tiefergelegtem Kreisverkehr wurde am 15. Oktober 2013 für den Verkehr geöffnet.[1]

2020 wurde mit der Ausschreibung des zweiten Bauloses begonnen. Dieses beinhaltet den zweiten Tunnelabschnitt vom Bahnhof Meran bis ins Gemeindegebiet von Tirol. Am 1. September 2020 wurde die Vergabe unterzeichnet. Das Projekt wird von der Projektgesellschaft San Benedetto durchgeführt.

Baubeginn für das zweite Baulos war der 12. Oktober 2020. Der Tunneldurchstich erfolgte im April 2025.[2] Seit 2023 wird parallel mit Anbindung durch einen unterirdischen Kreisverkehr die 6-stöckige Kavernengarage gebaut.[3]

Bauabschnitte

1. Baulos

Das erste Baulos umfasst die Anbindung der autobahnähnlichen Schnellstraße MeBo mit dem Stadtzentrum Meran. Bis zur Eröffnung war ein Umweg über Algund notwendig, um das Stadtzentrum von Meran zu erreichen.

Die Anbindung an die MeBo ist über einen tieferliegenden Kreisverkehr realisiert, welcher von der Schnellstraße überführt wird und über Abfahrten mit der Trasse verbunden wird. Dieser Kreisverkehr mündet dann in Richtung Meran in die Landesstraße 185 und damit in den 985 m langen Tunnel unter den Apfelwiesen von Algund.[1]

2. Baulos

Das zweite Baulos umfasst die Anbindung des Bahnhofes an die Tiroler Kreuzung (SS44). Dafür wurde die Stadt Meran auf 2210 Metern untertunnelt. Bis zur Eröffnung des Tunnels ist für die Erreichung der Tiroler Kreuzung ein Umweg durch die gesamte Meraner Innenstadt nötig.

Der Tunnel beginnt am Mobilitätszentrum Meran, verläuft dann unterirdisch bis in den Küchelberg, wo ein unterirdischer Kreisverkehr mit Anbindung an die Kavernengarage gebaut wird, und endet im Gewerbegebiet Tirol. Von dort aus wird eine Zufahrtsstraße an die SS44 gebaut. Geplante Eröffnung ist im November 2026.[2]

Mobilitätszentrum

Das unterirdische Mobilitätszentrum am Bahnhof Meran verbindet die zwei Baulose. Dafür wird eine zweistöckige Anschlussstelle gebaut. Nach Fertigstellung des Projekts kann man direkt vom einen in das andere Baulos überfahren, aber auch durch die bereits bestehenden Abfahrten des ersten Bauloses an den unterirdischen Kreisverkehr am Bahnhof und so dann überirdisch entweder in Richtung Algund oder in das Meraner Stadtzentrum fahren.[1][2]

Kavernengarage

Die Kavernengarage ist eine 6-stöckige Garage direkt unter dem dem Pfarrplatz Meran. Die Garage mit Stellplatz für ca. 600 Fahrzeuge und Ausgängen in die Galilei-Straße, an den Pfarrplatz und in die Meraner Lauben ist nur über einen unterirdischen Kreisverkehr im Tunnel erreichbar. Sie soll zusammen mit dem zweiten Baulos im November 2026 eröffnet werden.[4][5]

Architektur

Tunnelbau

Der Tunnel des ersten Bauloses, also die Verbindung zwischen MeBo-Anschluss und dem Mobilitätszentrum, wurde in Offenbauweise gefertigt. Das Mobilitätszentrum und die ersten hundert Meter des zweiten Bauloses wurden in Deckelbauweise gefertigt. Dafür wurde ein Teil des Meraner Bauhofes abgerissen. Der erste, ein Kilometer lange Teil des zweiten Bauloses unter der Meraner Innenstadt wurde in Lockerbauweise gebaut. Dafür wurde Beton in das Lockermaterial unter der Stadt injiziert, welcher dieses noch weiter aufbricht, so dass es mittels Baggern entfernt werden kann. Zudem stützt der Beton auch die Tunneldecke. Der restliche Kilometer wurde in Felsbauweise, also mittels traditioneller Sprengungen vorgetrieben. Die Kavernengarage wurde auch in Felsbauweise vorgetrieben.[6]

Der Tunnel ist auf eine Geschwindigkeit von 60–80 km/h ausgelegt und hat eine Steigung von bis zu 6 %. Die Zufahrtsstrecke zur Tiroler Kreuzung weist eine Steigung von bis zu 8 % auf. Für das zweite Baulos wurden 500.000 Kubikmeter Material ausgehoben.[6]

Ausstattung

Insgesamt verfügen die Tunnel beider Baulose über sechs Notausgänge und entsprechen damit den geltenden EU-Verordnungen. Der Tunnel ist dauerhaft von der Landesverkehrsmeldezentrale videoüberwacht, zudem besteht eine direkte Verbindung in die Bezirksleitstelle der Meraner Feuerwehr. Außerdem haben die Tunnel alle hundert Meter Notfallnischen mit einem Notruftelefon und zwei Feuerlöschern. Es gibt dutzende Anschlusspunkte für Feuerwehrpumpen im Tunnel. Im Brandfall wird der Brandrauch durch Hochleistungsturbinen im Tunnel in Richtung der Portale (weg vom Mobilitätszentrum) gedrückt und über Schächte in der Decke abgesaugt. Zudem verfügt der Tunnel über digitale Signalpanele und durchgehende LED-Beleuchtung. Die Stromversorgung für die Absaugung und die Beleuchtung wird im Notfall von drei Hochleistungsaggregaten mit einer Anschlussleistung von 840 kW sichergestellt. Brandschutzübungen im ersten Baulos ergaben, dass die Luft bereits wenige Meter nach einem Brand wieder sicher zu Atmen war.[7]

Die Kavernengarage verfügt über eine Zivilschutzzufahrt von der Meraner Galileistraße aus. Sie verfügt auch über ein eigenes Rauchabzugssystem, die Notausgänge sind über die regulären Ausgänge verwirklicht.[4]

Probleme beim Bau

Der Bau unterhalb der Stadt und in den herausfordernden geologischen Bedingungen brachte diverse Herausforderungen und Probleme mit sich. Eine Aufzählung der bedeutendsten Zwischenfälle:

  • Durch das besonders lockere Material unter der Galileistraße gab dieses bei den Betoninjektionen teilweise nach, sodass die Galileistraße um mehrere Zentimeter absank. Dadurch wurde unter anderem eine Wasserleitung beschädigt, sodass das ganze Stadtviertel um den Meraner Bahnhof für einen Tag kein Frischwasser hatte.[8] Die Goethestraße musste neu asphaltiert werden, da die Asphaltdecke durch die Absenkungen nachgab. Zudem gab es an besonders lockeren Stellen, z. B. in Gärten Betonaufquellungen.
  • Durch unzureichend abgesichertes Sprengmaterial kam es im Juni 2023 in der Kavernengarage zu einer Detonation. Steine wurden aus einem Notausgang über den Meraner Tappeinerweg geschleudert, Anwohner rannten auf die Straße. Verletzt wurde niemand.[9]
  • Aufgrund von unvorhergesehenen geologischen Schwierigkeiten musste bei dem Aushub des unterirdischen Kreisverkehres eine Gesteinssäule stehen gelassen werden. Dies verkomplizierte den Ausbau.

Kritik

Kritik gegen das Jahrhundertvorhaben, vor allem gegen das zweite Baulos, gab es in Meran von vielen Seiten. Ursprünglich war vorgesehen, das zweite Baulos bereits kurz nach dem ersten zu eröffnen. Der Bau verzögerte sich dann um rund zehn Jahre. Dies geschah auf Grund von geologischen Ungewissheiten und Planungsunsicherheiten im Meraner Stadtgebiet. Viele warfen der Landesregierung vor, das Projekt nicht ernst zu nehmen.

Zudem gab es anhaltenden Protest gegen einen Notausgang, der im Bereich des Rennwegs münden sollte. Dieses Vorhaben wurde aufgrund des Protestes der Bevölkerung verworfen.[10]

Einzelnachweise

  1. a b c Provinz Südtirol: Die NordwestUmfahrung von Meran - Erstes Baulos. Provinz Südtirol, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  2. a b c Straßen | Autonome Provinz Bozen – Südtirol. Abgerufen am 10. Dezember 2025.
  3. T. G. R. Tagesschau: Start für Kavernengarage – Oberrauch: Nur zwei Sprengungen pro Tag. 19. Januar 2023, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  4. a b Kavernengarage - San Benedetto Merano. 23. November 2025, abgerufen am 10. Dezember 2025 (deutsch).
  5. San Benedetto: Kavernengarage Meran. San Benedetto, abgerufen am 12. Dezember 2025.
  6. a b Stand Der Arbeiten - San Benedetto Merano. 4. Juni 2023, abgerufen am 10. Dezember 2025 (deutsch).
  7. Helmuth Tschigg: Die Umfahrung ist eröffnet! Meraner Stadtanzeiger, 13. Oktober 2013, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  8. Kein Trinkwasser: Rohrbruch in Meran. In: Südtirol News. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (deutsch).
  9. Gesteinsbrocken schleudern durch die Luft: Panik nach Explosion im italienischen Meran. 30. Juni 2023, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  10. Salto.bz: Das dritte Los | Salto. 2. September 2021, abgerufen am 10. Dezember 2025.