Noordzeesluizen Terneuzen

Noordzeesluizen Terneuzen

Die Schleusenanlage 2011 ohne die Nieuwe Sluis – rechts Terneuzen, oben die Westerschelde

Lage
Koordinaten 51° 19′ 55″ N, 3° 49′ 9″ O
Land: Niederlande
Ort: Terneuzen
Gewässer: Kanal Gent–Terneuzen
Daten
Betreiber: Rijkswaterstaat
Planungsbeginn: 1823
Bauzeit: ab 1827
Schleuse
Typ: 3 Kammerschleusen
Sonstiges
Website: Nordseeschleusen Terneuzen (NL)

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Die Noordzeesluizen (deutsch Nordseeschleusen) sind eine Schleusenanlage in den Niederlanden nahe des Zentrums von Terneuzen. Sie verbindet mit drei Schleusen die Westerschelde mit dem Kanal Gent–Terneuzen, der Zufahrt zum Hafen von Gent. 2024 konnte nach sieben Jahren Bauzeit die Nieuwe Sluis (Neue Schleuse) in Betrieb genommen werden, die mit einer Kammerlänge von 427 Metern die gleiche Länge wie die neuen Panamakanalschleusen aufweist. Mit dem Neubau wurde gleichzeitig der Hochwasserschutz gegen die Sturmfluten der Nordsee ausgebaut. Informationen rund um den Hafen und die Schleusenanlage werden durch das Portaal van Vlaanderen bereitgehalten, das am Zijkanaal A in der Nähe der Schleusen untergebracht ist.[1]

Lage

Die Schleusenanlage liegt am Südufer der Schelde im niederländischen Teil von Flandern, der zur Provinz Zeeland gehört. Direkt westlich der Anlage verläuft die Nationalstraße N62, die durch den Westerscheldetunnel nach Norden zu den Inseln und Halbinseln im Rhein-Maas-Schelde-Delta führt. Rund 10 km südlich bei Sas van Gent überqueren N62 und der Seekanal die Grenze zu Belgien.

Die Nordsee liegt rund 30 Kilometer entfernt im Westen. Hinter zwei Schleifen der Westerschelde folgt in Richtung Osten nach etwa 40 km der bedeutende Hafen von Antwerpen. Zwischen dem Stadtzentrum von Terneuzen im Osten und dem Westerscheldetunnel liegt die Zufahrt zur Schleusenanlage und zum Kanal Gent-Terneuzen. Über die Grosswasserstrasse erreichen Seeschiffe nach 32 km den Seehafen von Gent, den drittgrößten Seehafen von Belgien.

Für Binnenschiffe folgt hinter den Schleusen die Fortsetzung der internationalen Wasserstraße E70 von Rotterdam nach Paris, dessen nördlicher Teil als Kanal durch Zuid-Beveland an der Westerschelde endet.[1]

Geschichte

König Wilhelm I., auch als der Kanalkönig in Holland[2] bekannt, ordnete 1823 per Erlass den Ausbau der vorhandenen Wasserstraße nach Sas van Gent, die Sassevaart, und die Verlängerung bis Gent an. Mit der Umsetzung der Planung wurden bis 1827 auch zwei Schleusen westlich und östlich der Festungsstadt Terneuzen im ehemaligen Festungsgraben gebaut. Der Westkolk hatte eine zwölf Meter breite Kammer und der Oostkolk eine mit acht Metern. Nach der 1830 erfolgten Loslösung Belgiens vom Königreich der Vereinigten Niederlande gehört seitdem der Gent-Kanal südlich von Terneuzen zu Belgien, weshalb weitere Ausbaumaßnahmen zunächst unterblieben, da sie von beiden Ländern beschlossen und getragen werden mussten.

Das Anwachsen des Schiffsverkehrs machte eine größere Schleuse und den Ausbau des Kanals erforderlich, deren Ausführung erst 1895 nach jahrelangen Verhandlungen zwischen Belgien und den Niederlanden beschlossen werden konnte. Während der Bauarbeiten kam man noch überein, dass die neue Zeesluis (Seeschleuse) größer als ursprünglich geplant gebaut werden sollte. Sie konnte 1908 als dritte Schleuse außerhalb der Stadtmauern und westlich der Stadt in Betrieb genommen werden. Dazu wurde eine separate Zufahrt von der Westerschelde gegraben. Die offizielle Freigabe war 1910 in Anwesenheit von Königin Wilhelmina. Ihre endgültigen Abmessungen betrugen bei einer Tiefe von 8 Metern in der Länge 140 Meter und 18 Meter in der Breite.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Kanal nochmals verbreitert und in Zusammenarbeit mit Flandern erfolgte ab 1963 westlich von Terneuzen die Errichtung von zwei neuen Schleusen, die heute noch in Betrieb sind. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 19. Dezember 1968 durch Königin Juliana und König Baudouin. Die westlich der Zeesluis gelegene Schleuse erhielt den Namen Zeevaartsluis, weil sie mit ihrem Abmessungen von 290 m Länge und 40 m Breite der Seeschifffahrt vorbehalten sein sollte. Die zweite, östlich der Zeesluis, wurde zur Binnenvaartsluis. Mit 280 m Länge und 24 m Breite ist sie vornehmlich für Binnenschiffe und Sportboote vorgesehen. Für die Seefahrtsschleuse musste die Zufahrt von der Schelde nochmals verbreitert werden und die Binnenschifffahrtsschleuse erhielt eine eigene Zufahrt. Von den Baukosten übernahmen die Niederlande 20 % und den Rest von 80 % trug Belgien.[1]

Besonders erwähnenswert an der Zeevaartsluis ist die Ausrüstung mit insgesamt fünf Rolltoren. Die doppelten Tore an den beiden Enden dienen der Sicherheit bei Hochwasser bzw. Sturmflut. Das fünfte Tor in der Mitte der Schleusenkammer wird zur Teilung genutzt, um bei Einsparung von Schleusungswasser auch kürzere Schiffseinheiten oder Binnenschiffe durchzusetzen. Der Tiefgang von Seeschiffen ist bei einer Tragfähigkeit bis zu 83.000 Tonnen auf 12,5 Meter begrenzt. Es sind Vorkehrungen getroffen, um das Eindringen von Salzwasser in den Kanal zu verhindern. Die Binnenvaartsluis besitzt Stemmtore als Verschlussorgane, die gegenüber den Rolltoren nur einseitig das Wasser sperren können. Um beidseitig zu sperren, müssen jeweils zwei Torpaare verbaut werden. Solche sind auf der Kanalseite sowie im Drittelspunkt der Kammer eingebaut. An der Seite zur Westerschelde ist nur ein Stemmtorpaar vorhanden.[1]

Die Oostkolkschleuse war zwischenzeitlich obsolet geworden und wurde 1969 zugeschüttet. Dort wurde ein Parkhaus errichtet. Die ehemalige Zufahrt heißt heute Zijkanaal A und endet nach rund 300 Metern. Die noch vorhandenen Reste sind teilweise überbaut. Auch die Westkolkschleuse, die zwischenzeitlich auch als Middensluis bezeichnet wurde, musste der Stadterweiterung weichen. Dort sind Parkplätze und eine Tiefgarage entstanden und die ehemalige Zufahrt ist Grünanlage.

Im Jahr 2008 erfolgten Umbenennungen für die Schleusen: aus der Oude Zeesluis wurde die Middensluis und die zwei anderen gemäß ihrer Lage zu Westsluis und Oostsluis. Nach fast 80 Jahren Betriebszeit erhielt die Middensluis 1986 eine grundlegende Renovierung und konnte dadurch noch bis 2021 in Betrieb bleiben, als sie der neuen Schleuse weichen musste.[3]

Neue Schleuse 2024

Mit dem Ausbau des Hafens in Gent nahm der Schiffsverkehrs weiter zu und es folgten Untersuchungen über die Zugänglichkeit der Kanalzone Gent-Terneuzen und zu Varianten einer weiteren Schleuse für Seeschiffe. Die endgültige Entscheidung fiel im März 2012 zugunsten einer deutlich größeren Schleusenkammer, die direkt östlich der Westsluis angeordnet werden sollte. Mit den Abmessungen von 427 Metern Länge, 55 Metern Breite und 16,44 Metern Tiefe entspricht die Nieuwe Sluis denen der neuen Schleusen des Panamakanals, sodass Schiffe der New-Panamax-Klasse sie befahren können. Dadurch wird der Hafen von Gent für Schiffe bis zu 150.000 Tonnen oder Containerschiffe mit einer Kapazität von 12.000 TEU zugänglich. Die Kosten incl. Kanalausbau wurden 2016 auf 1,2 Milliarden Euro abgeschätzt und am Ende eingehalten.

Ende 2017 begannen die Baumaßnahmen. Nach vier Jahren musste im Oktober 2021 die Middensluis stillgelegt werden und wurde 2022 gesprengt[3], da der Platz zum Bau der neuen Einfahrt benötigt wurde. Wegen Corona und der Beseitigung von Bodenbelastungen verzögerte sich die Fertigstellung. Nach sieben Jahren Bauzeit fand am 11. Oktober 2024 die offizielle Eröffnung der Nieuwe Sluis durch die Könige von Belgien (Philippe) und den Niederlanden (Willem-Alexander) statt. Damit wird es künftig bei jedem Gezeitenstand möglich, Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 12,5 Metern passieren zu lassen. Vorher war dies nur bei Flut möglich.[4]

Im November 2023 benannte die Flämisch-Niederländischen Scheldekommission zusammen mit der Stadtverwaltung von Terneuzen die Schleusenanlage um zu: Noordzeesluisen (Nordseeschleusen).

Nach Abschluss der Testphase wurde die neue Schleuse zum 1. August 2025 vollständig in Gebrauch genommen.[4] Für die Durchfahrt von Schiffen betragen die maximalen Abmessungen: 366 m Länge und 49 m Breite.

Tabelle Schleusendaten und Verkehrszahlen

Rijkswaterstaat, der Betreiber aller wichtigen Wasserwege in den Niederlanden, gibt zur Nutzung die Verkehrszahlen bekannt. Danach sind 2023 über 30.000 Binnenschiffe und Sportboote durch die kleinere Oostsluis geschleust worden. Bei der Westsluis waren es mehr als 25.000 Schiffe. Es wird erwartet, dass bis 2040 die Gesamtzahl der Verkehrsbewegungen rund 96.000 betragen wird.[1]

Die 23 m breite Oostsluis ist für die CEMT-Klasse VIb ausgelegt, sodass zwei Binnenschiffe der Klasse Va/Vb nebeneinander in die Schleuse passen. Dementsprechend können auch Schubverbände in 2+2 Anordnung dort passieren, die auch in den beiden Hauptverbindungskanäle nach Norden (Kanal durch Zuid-Beveland und Schelde-Rhein-Kanal) zulässig sind.

Technische Daten der Seeschleusen
Name Kammer Westsluis Nieuwe Sluis Oostsluis
alter Name Zeevaartsluis Binnenvaartsluis
Bauzeit: 1963–1968 2017–2024 1963–1968
Betriebsbeginn: 19.12.1968 11.10.2024 19.12.1968
Typ: Kammerschleuse Kammerschleuse Kammerschleuse
Kategorie: Seeschleuse Seeschleuse VIb
Nutzlänge: 290 m 380 m 280 m
Nutzbreite: 40 m 55 m 23 m
Drempeltiefe: 13 m 16,25 m 6,5 m
max. Tiefgang 14,50 m
Scheldeseite: 2 Schiebetore 2 Schiebetore 1 Stemmtor
Mitteltor: 1 Schiebetor n.v. 2 Stemmtore
Kanalseite: 2 Schiebetore 2 Schiebetore 2 Stemmtore
Stand: 1968 2024 1968
Commons: Noordzeesluizen Terneuzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Noordzeesluizen. In: rijkswaterstaat.nl. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (niederländisch).
  2. Terneuzen - Kanaal en sluizen. In: zeeuwseankers.nl. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (niederländisch).
  3. a b Middensluis van toen tot nu. In: nieuwesluisterneuzen.eu. 30. September 2021, abgerufen am 8. Dezember 2025 (niederländisch).
  4. a b Nieuwe Sluis Terneuzen volledig in gebruik vanaf 1 August 2025. In: rijkswaterstaat.nl. 29. Juli 2025, abgerufen am 1. Januar 2026 (niederländisch).