Nomikai

Als Nomikai (jap. 飲み会; wörtlich „Trinktreffen“) wird im Japanischen geselliger Alkoholkonsum bezeichnet, oft mit Arbeitskollegen, Geschäftspartnern oder Kunden. Solche Treffen sind traditioneller Bestandteil der japanischen Geschäftskultur.

Eine Sonderform sind sogenannte bōnenkai (忘年会, wörtlich etwa „Jahresvergessfeier“), Jahresabschlussfeiern, ähnlich Weihnachtsfeiern in christlich geprägten Gesellschaften.

Ein Blogeintrag auf der Website Japan Inc nennt Nomikai ein soziales Ablassventil der konkurrenzstarken japanischen Gesellschaft, das es Berufstätigen ermögliche, Kontakte zu knüpfen und sich etwas gehen zu lassen. Ihm zufolge gehen Nomikai wahrscheinlich bis in die Feudalzeit des Landes zurück.[1] Das japanische Personalvermittlungsunternehmen Mynavi nennt als Motivation für Nomikai mit Kollegen die Verbesserug zwischenmenschlicher Beziehungen am Arbeitsplatz und die Beseitigung von Kommunikationsdefiziten. Man könne dort die eigene Meinung ehrlich äußern oder von anderen Leuten hören und andere besser kennenlernen.[2] Für Kommunikation durch gemeinsames Trinkengehen gibt es auch den Begriff Nominication (飲みニケーション nominikēshon, ein Kofferwort aus japanisch nomi- für „Trink-“ und englisch communication).

Der Anteil der Japaner, die Nomikai positiv gegenüberstehen, ist seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2021 gab in einer seit 2017 jährlich durchgeführten Umfrage der Nihon Seimei Hoken erstmals mehr als die Hälfte der Befragten an, Nominication für „unnötig“ oder „eher unnötig“ zu halten.[3] Als Grund, der für Nomikai spreche, nannten in einer anderen Umfrage, die Mynavi 2018 durchgeführt hatte, 49,6 % der Befragten, dass zwischenmenschliche Beziehungen sich durch die Treffen vertieften. Weitere 10 % nähmen an den Treffen teil, weil andere für die Verpflegungskosten aufkämen.[2] Bei den Zusammenkünften kommt es immer wieder zu Power Harassment und anderen Formen des Machtmissbrauchs.[4] Laut der Mynavi-Umfrage waren 16 % der befragten Männer schon einmal im Rahmen eines Nomikai zum Konsum von Alkohol genötigt und ebenfalls 16 % von Vorgesetzten heruntergeputzt worden; bei den Frauen berichteten 16,7 % von Erlebnissen sexueller Belästigung.[2]

Einzelnachweise

  1. The Nomikai – Part One: Understanding Your Role. In: japaninc.com. Japan Inc, 11. April 2007, abgerufen am 22. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b c Shūgo Hotta: 若者は、なぜ仕事の飲み会に行きたくないのか? (Wakamono wa, naze shigoto no nomikai ni ikitakunai no ka?, „Warum wollen junge Leute nicht zu Arbeits-Nomikai gehen?“). In: Mynavi News. Mynavi, 6. Juni 2018, abgerufen am 22. Dezember 2025 (japanisch).
  3. “飲みニケーション”はもう古い?「不要派」6割で初めて多数派に…会社の飲み会が今後どうなるか聞いた. („Nominication“ wa mō furui? „Fuyō-ha“ 6-wari de hajimete tasūha ni… kaisha no nomikai ga kongo dō naru ka kiita, „Ist ‚Nominication‘ nicht mehr modern? ‚Unnötig-Fraktion‘ mit 60 % erstmals in der Mehrheit… Wir haben nachgefragt, was zukünftig aus Firmen-Nomikai wird“). In: FNN Prime Online. Fuji News Network, 4. Dezember 2021, abgerufen am 22. Dezember 2025 (japanisch).
  4. FM・NACK5「営業部長」が「火炎放射パワハラ」 被害男性が証言する飲み会の修羅場. (FM/NACK5 „Eigyō buchō“ ga „kaen hōsha pawahara“ Higai dansei ga shōgen suru nomikai no shuraba, „FM/NACK5: ‚Verkaufsabteilungsleiter‘ [betrieb] ‚Flammenwurf-Mobbing‘ – das Gemetzel, von dem ein betroffener Mann eine Zeugenaussage macht“). In: Daily Shinchō. Shinchōsha, Juni 2022, abgerufen am 22. Dezember 2025 (japanisch).