Nodirbek Abdusattorov

Nodirbek Abdusattorov, 2024
Verband Usbekistan Usbekistan
Geboren 18. September 2004
Taschkent
Titel Internationaler Meister (2017)
Großmeister (2018)
Aktuelle Elo‑Zahl 2751 (Januar 2026)
Beste Elo‑Zahl 2783 (Oktober 2024)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Nodirbek Abdusattorov (* 18. September 2004 in Taschkent) ist ein usbekischer Schachspieler und der Weltmeister im Schnellschach 2021.

Schachkarriere

Jugendjahre

Abdusattorov gewann 2012 die Jugendweltmeisterschaft der Altersklasse U8 und wurde 2014 Zweiter in der Altersklasse U10.

Nach einer Normerfüllung beim Sankt Petersburger Chigorin Memorial 2016 und dem Abu Dhabi Masters 2017 vollendete er beim Chigorin Memorial im Oktober 2017 die Voraussetzungen für den Großmeistertitel. Mit einem Alter von 13 Jahren, einem Monat und elf Tagen wurde er der bisher zweitjüngste Großmeister der Schachgeschichte.[1] Die FIDE verlieh ihm den Titel im April 2018. Er galt als Schachwunderkind.

Im September 2018 debütierte Abdusattorov für Usbekistan bei der Schacholympiade in Batumi. Am zweiten Brett blieb er ungeschlagen mit drei Siegen und sieben Remispartien. Anschließend nahm er auch an der U16-Olympiade in der Türkei teil und gewann das Turnier im Dezember 2018 mit der usbekischen Mannschaft.[2] Nur wenige Tage später zeigte er zudem eine starke Leistung bei der asiatischen Kontinentalmeisterschaft, deren Sechster er wurde.[3] Im April 2019 erreichte er beim Dubai Open den zweiten Platz.[4]

Durch den Sieg des zentralasiatischen Zonenturniers sicherte sich Abdusattorov im Mai 2021 die Qualifikation für den Schach-Weltpokal 2021. In dem Turnier siegte er siebenmal und spielte zwei Partien remis.[5] Beim Weltpokal schlug er Aravindh Chithambaram und überraschte anschließend mit dem Sieg über den Favoriten Anish Giri. In der vierten Runde schied er jedoch gegen Vasif Durarbəyli aus. Durch seine Spiele im Weltpokal und den zweiten Platz im Tashkent Open erreichte Abdusattorov in der FIDE-Weltrangliste des September 2021 erstmals eine knappe Platzierung innerhalb der Top 100, nachdem er bereits länger zu den zehn besten Junioren gehörte.[6]

Schnellschach-Weltmeister

Mit 9,5 Punkten aus 13 Spielen führte Abdusattorov im Dezember 2021 die Endrangliste der Schnellschachweltmeisterschaft in Warschau an. Der Weltmeistertitel musste jedoch in einem zusätzlichen Tie-Break entschieden werden, welches er gegen den punktgleichen Jan Nepomnjaschtschi gewann. Abdusattorov wurde damit als 17-Jähriger zum jüngsten Weltmeister im Schnellschach. Im Verlaufe des Turniers gewann er zuvor sowohl gegen Fabiano Caruana und Radosław Wojtaszek als auch gegen Vorjahressieger Magnus Carlsen.[7]

Nachdem sich infolge der COVID-19-Pandemie nur wenige Turnier-Gelegenheiten ergaben und Abdusattorovs Elo-Zahl im Standardschach auch im Dezember 2021 noch bei 2633 lag, reihten sich in den folgenden Monaten mehrere erfolgreiche Turnierteilnahmen aneinander. Begonnen mit dem Turniersieg im Sunway Sitges Open 2021 in Spanien,[8] lieferte er auch im Großmeisterturnier in Belgrad im März 2022 eine positive Leistung ab und wurde Vierter unter zehn Teilnehmern.[9] Im Mai gewann er das Sharjah Masters in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit sieben Punkten aus neun Runden und schloss wenige Tage später eine Teilnahme im Challengers-Turnier des Prager Schachfestivals 2022 an.[10] Dort wurde er Dritter hinter Vincent Keymer und Hans Moke Niemann.[11] Nach einer recht enttäuschenden Episode bei einem Rundenturnier im Juli in Biel, wo er unter acht Teilnehmern nur Siebter wurde, überzeugte er bei der Schacholympiade 2022 in Chennai. Am ersten Brett gesetzt, führte er die usbekische Mannschaft zur Goldmedaille und erhielt selber eine weitere Silbermedaille als Brettpreis für seine individuelle Leistung. Zusammen mit der Austragung der türkischen Schachliga, in der Adbusattorov für Türk Hava Yolları spielte,[12] steigerte sich seine Elo-Zahl auf 2713 im September 2022, womit er bereits auf Platz 30 der Weltrangliste stand.[6]

Jahre in der Weltspitze

Für den Januar 2023 wurde Abdusattorov nach Wijk aan Zee geladen. Im Tata-Steel-Schachturnier schlug er unter anderem Ding Liren und Weltmeister Magnus Carlsen und lag über lange Zeit im Turnier in Führung. In der letzten Runde wurde er aber durch seine einzige Niederlage – gegen Jorden van Foreest – noch von Anish Giri auf den zweiten Platz verwiesen.[13] Diese Leistungsstärke konnte er beim Norway Chess im Mai jedoch nicht abrufen und wurde unter zehn Teilnehmern des Spitzenturniers nur Neunter.[14] Ende Juli reiste er zum Schach-Weltpokal 2023, schied allerdings schon in seinem ersten Duell gegen den türkischen Spieler Vahap Şanal aus. Im Oktober 2023 erzielte er im Qatar Masters Open sieben Punkte aus neun Runden und lag damit punktgleich mit Nodirbek Yoqubboyev an der Spitze. Im Blitzschach-Tie-Break unterlag er seinem Landsmann jedoch.[15] Gegen Ende des Jahres stand schließlich noch das FIDE Grand Swiss 2023 an. Mit drei Siegen und acht Remis blieb er ungeschlagen und wurde Zwölfter.

Bei der erneuten Teilnahme am Masters-Turnier in Wijk aan Zee lag Abdusattorov nach 13 Runden mit Wei Yi, D. Gukesh und Anish Giri punktgleich an der Spitze; nach dem Tie-Break wurde er Dritter.[16] Im März 2024 gewann er das Masters-Turnier beim Internationalen Schachfestival Prag. Der 19-jährige Usbeke besiegte in der achten von neun Runden Parham Maghsoodloo im direkten Duell um den Titel und wurde damit zum sechsten Sieger des Masters.[17] Dies hatte in der Weltrangliste zur Folge, dass Abdusattorov im April 2024 nicht nur erstmals in der Top 10 vertreten war, sondern als bester Juniorspieler direkt auf Platz 4 sprang.[6] Beim TePe Sigeman & Co Chess Tournament in Malmö wurde er im Mai ebenfalls zum Sieger. Hierzu war ein Tie-Break notwendig, da neben Abdusattorov auch Erigaisi Arjun und Pjotr Swidler das Rundenturnier punktgleich beendeten.[18] Selbstverständlich durfte Abdusattorov auch nicht bei der ersten Austragung des UzChess Cup in Taschkent fehlen. Als höchstgewerteter Teilnehmer wurde der Usbeke im Juni 2024 Zweiter hinter Nodirbek Yoqubboyev. Im September stand die Schacholympiade in Budapest an, zu dem die Usbeken als Titelverteidiger anreisten und erneut Abdusattorov am ersten Brett setzten. Mit sieben Siegen und vier Remis blieb er ungeschlagen und gewann erneut eine individuelle Silbermedaille als Brettpreis. Insgesamt wurde die usbekische Mannschaft Dritter. In der Gesamtwertung des FIDE Circuit 2024 schloss Abdusattorov das Jahr auf dem dritten Platz ab.

Auch das Jahr 2025 begann traditionell mit dem Tata-Steel-Schachturnier in Wijk aan Zee, zu dem auch Abdusattorov zum dritten Mal in Folge eingeladen wurde. Der Usbeke zeigte wieder einmal eine starke Leistung und wurde mit acht Punkten aus dreizehn Runden wie im Vorjahr Dritter.[19] Nach einem durchschnittlichen Ergebnis beim Superbet Chess Classic Romania der Grand Chess Tour reiste Abdusattorov zum Sharjah Masters und wurde Dritter.[20] In Taschkent fand der UzChess Cup im Juni 2025 zum zweiten Mal statt. Nach Punktgleichstand im Rundenturnier spitzte sich das Titelrennen im Tie-Break zu. Abdusattorov wurde Dritter hinter R. Praggnanandhaa und Javohir Sindarov. Nodirbek Abdusattorov konnte mittlerweile als elementarer Bestandteil der weltweiten Top 10 angesehen werden, gehörte er dieser doch nun schon fast anderthalb Jahre an. Auch wurde er zu den Favoriten für die Qualifikation zum Kandidatenturnier gezählt. Einen starken Rückschritt in dieser Hinsicht markierte der Sinquefield Cup im August 2025, bei dem er fünf Partien verlor und Letzter in dem stark besetzten Turnier in St. Louis wurde.[21] Durch den Verlust von 23 Elo-Punkten fiel er auf Platz 11 der Weltrangliste zurück. Beim FIDE Grand Swiss 2025 blieb er ungeschlagen, konnte allerdings zu keinem Zeitpunkt die Spitzenposition angreifen und wurde abschließend Zehnter. Beim Schach-Weltpokal 2025 gewann er erst gegen Denis Machnew, ehe er gegen José Martínez beide Partien verlor und ein weiteres Mal früh ausschied. Eine letzte Chance zur Qualifikation für das Kandidatenturnier hätte der FIDE Circuit 2025 bieten können. Abdusattorov trat daher ebenso wie Alireza Firouzja beim London Chess Classic an. Mit sechs Siegen in Folge dominierte er das Turnier und siegte mit zwei Punkten Vorsprung vor Firouzja. Seine Elo-Performance war mit 2932 eine der höchsten je aufgezeichneten Werte.[22]

Commons: Nodirbek Abdusattorov – Sammlung von Bildern

Belege

  1. Abdusattorov second youngest GM ever. In: en.chessbase.com. 29. Oktober 2017, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
  2. World Youth Under-16 Chess Olympiad-2018. In: chess-results.com. Abgerufen am 7. Dezember 2025.
  3. 17th Asian Continental Chess Championships (2nd Manny Pacquiao Cup) - OPEN. In: chess-results.com. Abgerufen am 7. Dezember 2025.
  4. Maxim Matlakov marches to Dubai Open win. In: en.chessbase.com. 14. April 2019, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
  5. Nodirbek Abdusattorov wins Zone 3.4 Open Championship. In: fide.com. 17. Mai 2021, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
  6. a b c Abdusattorov, Nodirbek – Top Records. In: ratings.fide.com. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  7. Nodirbek Abdusattorov and Alexandra Kosteniuk win World Rapid Championship. In: fide.com. 29. Dezember 2021, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  8. Abdusattorov clinches 8th Sunway Sitges Open 2021 in Playoffs, Abhimanyu Puranik third. In: chessbase.in. 24. Dezember 2021, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  9. Sanan Sjugirov wins GM tournament in Belgrade. In: en.chessbase.com. 15. März 2022, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  10. Nodiberk Abdusattorov wins Sharjah Masters 2022. In: fide.com. 30. Mai 2022, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  11. Winners crowned at Prague Chess Festival 2022. In: fide.com. 18. Juni 2022, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  12. 2022 Turkish Is Bank Chess Super League. In: chess-results.com. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
  13. Klaus Besenthal: Tata Steel Chess: Anish Giri gewinnt das Masters. ChessBase, 29. Januar 2023, abgerufen am 4. Februar 2023.
  14. Hikaru Nakamura wins Norway Chess 2023. In: europechess.org. 10. Juni 2023, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  15. Qatar Masters Open 2023. In: theweekinchess.com. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  16. Wei Yi wins 2024 Tata Steel Masters. In: fide.com. 29. Januar 2024, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  17. Nodirbek Abdusattorov is the new Masters champion. In: praguechessfestival.com. 6. März 2024, abgerufen am 7. März 2024 (englisch).
  18. Nodirbek Abdusattorov wins the 2024 Tepe Sigeman & Co Chess Tournament. In: tepesigemanchess.com. 3. Mai 2024, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
  19. Praggnanandhaa R wins Tata Steel Masters 2025. In: fide.com. 2. Februar 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  20. Giri Wins 2025 Sharjah Masters, Assaubayeva Earns GM Title. In: chess.com. 26. Mai 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  21. Wesley So wins 2025 Sinquefield Cup. In: fide.com. 25. August 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  22. Nodirbek Abdusattorov Triumphs at London Chess Classic 2025. In: chessdom.com. 7. Dezember 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).