Nobuo Kitagaki

Nobuo Kitagaki (* 10. Februar 1918 in Oakland, Kalifornien; † 22. September 1984 in Portland, Oregon) war ein US-amerikanischer Künstler japanischer Herkunft (Nisei), der nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in San Francisco tätig war. In seinen Werken integrierte er japanische Gestaltungstechniken mit reduzierten, geometrischen Formen. Seine Arbeiten umfassten Collagen, Shōji und Kostümentwürfe.[1]

Leben

Nobuo Kitagaki wurde als eines von fünf Kindern in eine Familie aus der japanischen Präfektur Kumamoto geboren und wuchs in der San Francisco Bay Area auf. Nach dem Erlass der Executive Order 9066 wurde er 1942 zusammen mit seiner Familie zunächst in das Tanforan Assembly Center in San Bruno und anschließend in das Internierungslager Topaz im US-Bundesstaat Utah gebracht. In Topaz richtete er die Lagerbibliothek ein und arbeitete an den Lagerpublikationen Tanforan Totalizer und Trek mit. 1943 meldete er sich zum Dienst in der US-Armee. Zunächst wurde er dem Military Intelligence Service zugeteilt, später dann den Special Services, nachdem seine künstlerischen Fähigkeiten erkannt worden waren. Nach seiner ehrenvollen Entlassung zog er nach New York und begann ein Kunststudium an der Cooper Union. Von 1947 bis 1949 studierte er am Institute of Design in Chicago bei László Moholy-Nagy, der ihn von traditionellen Aquarellen zu Collagen und abstrakten Arbeiten inspirierte. 1949 kehrte er nach Kalifornien zurück und schloss seine Ausbildung mit einem Bachelor-Abschluss in Bildender Kunst an der San Francisco State University ab.[1]

Nobuo Kitagaki war eine bekannte Persönlichkeit im San Franciscoer Stadtteil North Beach. Nach einer körperlichen Attacke erblindete er auf einem Auge. Er lebte in der Romolo Place und betrieb ein Atelier an der Ecke Union und Grant. Zur finanziellen Absicherung arbeitete er als Schreiber für das California Social Welfare Department. Gemeinsam mit seinem Vater fertigte er japanische Shoji-Stellschirme an, die sie in der Tokanoma Gallery in der Grant Avenue verkauften. Die Galerie diente zugleich als Ausstellungsraum für seine abstrakten Collagen. In den 1950er Jahren stellte Nobuo Kitagaki seine Arbeiten in mehreren Einzelausstellungen aus, unter anderem im Vesuvio (1950), in der Lucien Labaudt Gallery (1950), in der Berkeley Garden Library (1952) und im California Palace of the Legion of Honor (1953). Es folgten Gruppenausstellungen, unter anderem im San Francisco Museum of Art (1948, 1951). Er erhielt zahlreiche Designpreise und beteiligte sich mit Arbeiten am San Francisco Art Festival, am Oshogatsu Festival und an der Nihonmachi Fair.[1]

In späteren Jahren beeinträchtigte seine nachlassende Sehkraft zunehmend seine künstlerische Tätigkeit, sodass er seinen Lebensunterhalt vorwiegend als Schreibkraft und Übersetzer verdiente. Zudem hielt er Vorträge über seine Internierungserfahrungen an verschiedenen staatlichen Universitäten Kaliforniens. Nobuo Kitagaki starb am 22. September 1984 in Portland, Oregon.[1]

Wandmalerei in Fort Ritchie

Am ehemaligen US-Army-Stützpunkt Fort Ritchie in Maryland wurde 2023 ein bislang unbekanntes Wandbild entdeckt, das vermutlich von Nobuo Kitagaki stammt. Das rund 1,20 × 3,60 Meter große Wandgemälde zeigt vier Personen bei der Arbeit an Keramiken und befand sich in Gebäude 305, das während des Zweiten Weltkriegs von Nisei-Soldaten der Military Intelligence Service genutzt wurde.[2] Das Werk war jahrelang durch eine Holzverkleidung verborgen und wurde erst 2023 beim Umbau entdeckt. Durch Hinweise aus der Soldier Art-Ausstellung der National Gallery of Art von 1945[3] sowie durch stilistische Vergleiche – insbesondere Nobuo Kitagakis charakteristische schwarze Konturlinien – konnte der Fort-Ritchie-Forscher Landon Grove den Künstler identifizieren. Ein im Katalog Soldier Art abgebildetes Werk Nobuo Kitagakis (Design for Ballet – Indian, 1944) weist deutliche Ähnlichkeiten auf. Nobuo Kitagaki hielt sich nachweislich vom 2. Mai bis 15. Juni 1945 in Fort Ritchie auf. Ob er das Wandbild tatsächlich gemalt hat, ist nicht endgültig gesichert. Stilistische Merkmale und die zeitliche Überschneidung legen jedoch eine Autorschaft Nobuo Kitagakis nahe.[2]

Literatur

  • Chang, Gordon H., Johnson, Mark Dean, und Karlstrom, Paul J.: Asian American Art: A History, 1850–1970, Stanford University Press, 2008.
  • Kitagaki, Robin: An Interview with a Japanese American Artist , Nobuo Kitagaki. San Francisco State University/Artist Project, May 1982.

Einzelnachweise

  1. a b c d Nobuo Kitagaki | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 14. August 2025; abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  2. a b •: Artist identified in once-forgotten Nisei mural at Fort Ritchie in Western Maryland. Abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  3. Soldier Art | National Gallery of Art. 4. Juli 1945, abgerufen am 24. November 2025 (englisch).