Noam Arnon
Noam Arnon (hebräisch נעם ארנון, geboren 1954 in Tel Aviv)[1] ist ein führender Aktivist der israelischen Siedlerbewegung. Arnon ist auch als Historiker und Archäologe hervorgetreten.
Biografie
Jugend und Ausbildung
Arnon wuchs im Moschav Sde Warburg (Regionalbezirk Drom HaScharon) auf. Er besuchte Jeschiwot im Moschav Nechalim und in Kirjat Arba. Dann studierte er an der nationalreligiösen Jerusalemer Jeschiwa Merkas HaRaw Kook.[2]
Am Jom-Kippur-Krieg 1973 nahm Arnon in einer Panzereinheit teil. Nach seinem Militärdienst studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er erwarb den Bachelor- und den Mastergrad in Geographie und Jüdischer Geschichte. Im Jahr 1978 gründete er das religiöse College Midreschet Chevron in Kirjat Arba.[3]
Höhlenexkursion in Hebron 1981
Eine nicht autorisierte Gruppe von Siedlern unter Leitung von Noam Arnon brach im September 1981 einen versiegelten Eingang der Höhle unter dem Heiligtum der Patriarchengräber in Hebron auf, während andere Siedler mit lauten Gebeten die Aufmerksamkeit der für die Moschee zuständigen jordanischen Waqf-Angestellten ablenkten.[4][5] Arnon und seine Begleiter fanden die etwa sechs Meter lange Höhle fast bis zur Decke mit Erde gefüllt; auf der Oberfläche lagen unter anderem Knochen und Keramik. Vier Keramikgefäße wurden mitgenommen und ins Museum von Kirjat Arba gebracht. Im Oktober/November 1981 wurde dieselbe Höhle mehrmals von einer „‚formelleren‘ archäologischen Gruppe“ betreten, zu der neben Personal des Archäologischen Stabsoffiziers für Judäa und Samaria, israelischen Militärangehörigen und Repräsentanten des Waqf die Archäologen Zeev Yeivin und Doron Chen gehörten.[6] Die bei der illegitimen Höhlenexkursion entnommene Keramik der Eisenzeit IIB wurde 2020 wissenschaftlich untersucht und veröffentlicht.
Aktivismus in der Siedlerbewegung
Arnons Unternehmen Midreschet Chevron bietet geführte Touren durch Hebron und Umgebung an, die Tausende von Israelis und Touristen mit dem Weltbild der Hebroner Siedler vertraut machen. Arnon, selbst Exkursionsleiter, führt Gruppen von Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte.[7]
Noam Arnon war langjähriger Sprecher von Gusch Emunim.
Als das Bezirksgericht Jerusalem am 11. Juli 1985 drei lebenslängliche und zwölf langjährige Freiheitsstrafen gegen Mitglieder des Jüdischen Untergrunds (HaMachteret haJehudit) verhängte, erklärte Arnon, es sei sehr bedauerlich, dass das Gericht den Angeklagten nicht ermöglicht habe, ihre Motive zu erläutern. Dies sei ein Unrecht, das der Staat Israel nur durch Begnadigungen korrigieren könne.[8] Anlässlich der vorzeitigen Entlassung der drei Haupttäter 1990 bezeichnete Arnon diese im israelischen Rundfunk als Helden.[9]
Nach dem Terroranschlag Baruch Goldsteins im Heiligtum der Patriarchengräber (25. Februar 1994) erläuterte Arnon, der Mediziner Goldstein habe eine „mentale Krise“ erlebt, da er viele jüdische Opfer palästinensischer Anschläge versorgt habe.[10]
Arnon ist ein Kritiker der Oslo-Friedensprozesses. Er lehnt 2025 die Zweistaatenlösung bzw. überhaupt die Kooperation des Staates Israel mit der Palästinensischen Autonomiebehörde ab und befürwortet stattdessen eine lokale palästinensische Selbstverwaltung in Hebron unter Leitung des Jabari-Clans („Emirat“).[11]
Wissenschaftliche Beiträge
Arnon verfasste zahlreiche Bücher und Broschüren zur Geschichte Hebrons, der Höhle Machpela und der besonderen Beziehung Abraham Isaak Kooks zu Hebron.[12]
Arnon promovierte 2021 mit einer Arbeit über die Patriarchengräber in Hebron von den Anfängen bis in die Spätantike (מערת המכפלה : תולדות האתר מראשיתו עד שלהי העת העתיקה) bei Boaz Zissu (Bar-Ilan-Universität, Martin Szusz Department für Land-Israel-Studien und Archäologie).[13]
Ehrungen
An Jerusalemtag des Jahres 2009 wurde Arnon mit dem Moskovitz-Preis für Zionismus ausgezeichnet „dafür, dass er maßgeblich die Aufmerksamkeit von Juden aus ganz Israel und weltweit auf die Stadt der Patriarchen gelenkt hat und Hebron zu einem der zentralen Orte in Israel gemacht hat, an denen jüdisches Erbe gefeiert wird; außerdem für seine Dokumentation der jüdischen Geschichte Hebrons und für seine Führungsrolle bei der Wiederbelebung der jüdischen Siedlung in der Stadt.“[14]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Hebron: Journey to our Roots. A Visitor’s Guide. 365 Israel, 2025, ISBN 978-1-957109-58-9.
- (mit Alexej Nikolajew, Lomonossow-Universität Moskau, Lev V. Eppelbaum, Universität Tel Aviv et al.): Investigation of Archeological Caves in Israel Using High-Frequency Impulse Electric Prospecting. In: Doklady Earth Sciences, November 2018, S. 1320–1323. (Die im Artikel beschriebene Prospektion befasst sich ausschließlich mit der Machpela-Höhle)
- (mit David Ben-Shlomo, Ariel University, und Hans Mommsen, Helmholtz-Institut, Universität Bonn): Iron Age Pottery from the Cave of the Patriarchs at Hebron, in: Israel Exploration Journal, Band 70, Nr. 1 (2020), S. 49–63.
- Hebron: Past, present and forever. Jewish Community of Hebron, Kirjat Arba ca. 1997.
Literatur
- Joseph Croitoru: Graben, um zu bleiben. In: FAZ, 17. August 2015.
Anmerkungen
- ↑ Jiram Netanjahu: שליפות עם נועם ארנון In: Makor Rishon, 6. Juni 2006.
- ↑ Jiram Netanjahu: שליפות עם נועם ארנון In: Makor Rishon, 6. Juni 2006.
- ↑ The Jewish Community of Hebron: The Machpela Tomb: Historical Background, Facts and Justice
- ↑ Amanda Borschel-Dan: LISTEN: Purloined pottery from Tomb of Patriarchs gets 1st scientific study. In: The Times of Israel. 16. September 2020, ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 29. Oktober 2025]).
- ↑ Nadav Shragai: Secrets of the Cave of the Patriarchs exposed. In: JNS.org. 2. November 2021, abgerufen am 29. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Noam Arnon, David Ben-Shlomo, Hans Mommsen: Iron Age Pottery from the Cave of the Patriarchs at Hebron, 2020, S. 51.
- ↑ David Wilder: Darchei Noam. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ JEWISH SETTLERS ARE CONVICTED IN TERROR CASES (Published 1985). 11. Juli 1985 (nytimes.com [abgerufen am 29. Oktober 2025]).
- ↑ 3 Israeli Terrorists Are Released In 4th Reduction of Their Terms (Published 1990). 27. Dezember 1990 (nytimes.com [abgerufen am 29. Oktober 2025]).
- ↑ WEST BANK MASSACRE: The Overview; AT LEAST 40 SLAIN IN WEST BANK AS ISRAELI FIRES INTO MOSQUE; CLINTON MOVES TO RESCUE TALKS -- NEW CLASHES LIKELY (Published 1994). 26. Februar 1994 (nytimes.com [abgerufen am 29. Oktober 2025]).
- ↑ Shimon Cohen: Noam Arnon: The sane majority in Hebron wants Israeli sovereignty. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ David Wilder: Darchei Noam. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Bar-Ilan-Universität: מערת המכפלה : תולדות האתר מראשיתו עד שלהי העת העתיקה
- ↑ Hana Levi Julian: J'lem Day Moskowitz Prize Awards. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).