Noémi Speiser
Noémi Speiser (* 11. August 1926 in Kingston, England;[1] † 18. September 2025[2]) war eine britisch-schweizerische Textilwissenschaftlerin und Textilkünstlerin.[3]
Ihre Familie Speiser-Sarasin gehörte zur Basler Oberschicht («Daig»). Ihr Vater Ernst Speiser war Unternehmer in England, bevor er 1932 nach der Weltwirtschaftskrise mit der Familie in die Schweiz zurückkehrte.[3] Er wurde dort Vizedirektor des Elektronikkonzerns BBC, dann von 1941 bis 1946 Chef des Kriegs-Industrie- und -Arbeits-Amts der Schweiz sowie Nationalrat.[4]
Noémi Speiser liess sich an der Kunstgewerbeschule Basel in Textilgestaltung ausbilden. Nach dieser Ausbildung unterrichtete sie dort in der Textilklasse viele Jahre Stickerei und seit den 1970er Jahren «Oblique Interlacing» (Flechten).[5]
Neben ihrer beruflichen Tätigkeit widmete sie sich der Erforschung textiler Techniken. So forschte sie im Naturhistorischen und Völkerkundemuseum Basel unter dem Ethnologen Alfred Bühler im Bereich der Textilien. Mit der Zeit erwarb sie sich den Ruf einer textilwissenschaftlichen Koryphäe; so durfte sie etwa als erste Person aus Europa traditionelle japanische Flechttechniken dokumentieren.[3] Sie unternahm viele Forschungsreisen durch Europa und mehrfach nach Japan und blieb diesem Land eng verbunden.[3] Sie stand in engem Kontakt mit Textilforschern und -historikern weltweit.[6][5]
Ihre eigenen Werke waren mehrmals Gegenstand von Ausstellungen, so 2018 im Museum der Kulturen Basel[6] und 2024 in der Basler Kunstgalerie Praxis.[3]
Speiser heiratete nicht und bestand auf der Anrede «Fräulein».[3]
Auszeichnungen
Noémi Speiser wurde 2025 postum die Ehrendoktorwürde der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel verliehen für die Durchführung grundlegender Forschungen im Bereich der Textiltechniken in Europa und Japan. In der Begründung heißt es: "Ihre präzisen Analysen und Klassifikationen haben das Verständnis textiler Kultur maßgeblich geprägt und verbinden wissenschaftliche Genauigkeit mit künstlerischer Sensibilität und interkultureller Perspektive."[7][8]
Veröffentlichungen
- Noémi Speiser / Thessy Schoenholzer Nichols (Mitarb.): An Annotated Classification of Textile Techniques. Haupt Verlag, Bern 2024. ISBN 978-3-258-60289-9.
- Noémi Speiser: The Manual of Braiding. Haupt Verlag, Bern 2018. Reprint of the 2nd edition 1988. ISBN 978-3-258-08111-3
Weblinks
- Hazel Clarke: Cracking the Code: A Spotlight Interview with renowned Textile Artist Noémi Speiser. In: THE GAZE, 2024 (Online contemporary art magazin). (Abgerufen am 27. September 2025)
- Video: Kunstvoll geflochten: Zwiegespräch in der Ausstellung Strohgold im Museum der Kulturen Basel mit Noémi Speiser (vom 21. April 2020, 12,53 min) (abgerufen am 27. September 2025)
Einzelnachweise
- ↑ Noémi Speiser. In: Sikart, abgerufen am 17. März 2024.
- ↑ Traueranzeige Noémi Speiser. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. September 2025, abgerufen am 25. September 2024.
- ↑ a b c d e f Basler Forscherin steht dazu – «Ich bin das letzte verbliebene Fräulein». In: Der Bund. 16. März 2024, abgerufen am 17. März 2024.
- ↑ Patrick Zehnder: Speiser, Ernst. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- ↑ a b Noémi Speiser: Fäden sind Magie, Sprache, Grammatik, Symbolik und Botschaft. PRAXIS by Cyril Kazis, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ a b Kunstvoll geflochten. Museum der Kulturen Basel, abgerufen am 17. März 2024.
- ↑ Uni Basel: Dies Academicus 2025 (28.11.2025)
- ↑ Basler Zeitung Online (28.11.2025): Dies Academicus Basel 2025