Weihnachtsstrumpf

Ein Weihnachtsstrumpf ist ein leerer Strumpf oder eine leere Socke, der am Abend vor dem Nikolaustag oder Heiligabend aufgehängt wird, damit der Nikolaus oder eine entsprechende andere weihnachtliche Figur wie der Weihnachtsmann oder Father Christmas ihn mit einem Geschenk füllt.

Herleitung

Der Brauch, der vor allem in England und den Vereinigten Staaten etabliert ist, geht auf eine Legende zurück, von dem mehrere Varianten existieren. Er wurde von englischen Siedlern mit nach Amerika gebracht und ist von dort zurück nach Europa gewandert.

Die zugrundeliegende Legende berichtet von einer Familie, bestehend aus drei Töchtern, die entweder arm war oder in anderen Varianten zunächst wohlhabend, jedoch verarmte, nachdem die Mutter gestorben war und der Vater sich um die Töchter gekümmert hatte. Da er nicht mehr arbeiten konnte, lebten sie vom angesparten Vermögen, und als die Mädchen im heiratsfähigen Alter waren, schön und von jungen Männern umworben, war es dem Vater nicht möglich, ihnen die nötige Mitgift zu geben, damit sie heiraten konnten. Von dieser schwierigen Situation erfuhr der heilige Nikolaus. Er ging zum Haus der Familie und beobachtete sie durch das Fenster. Dabei sah er, wie die Töchter ihre nassen Strümpfe zum Trocknen an den Kamin hängten, und er erkannte ihre Reinheit, Güte und die Tugendhaftigkeit ihrer Herzen und beschloss, ihnen zu helfen. In einigen Varianten stieg er auf das Dach und kam durch den Kamin, um die Strümpfe mit Geld oder Gold zu füllen, in anderen Varianten warf er Geld oder Gold durch das Fenster in die Strümpfe. Mit dieser Mitgift wollte er ihnen eine Heirat ermöglichen, damit sie ihrem Elend entkommen könnten. In einigen Varianten heirateten die Mädchen danach, in anderen beschlossen sie, bei ihrem Vater zu bleiben, der sich für sie aufgeopfert hatte, und unterstützten ihn mit dem Geld und konnten zusammen in einem gewissen Wohlstand leben.[1][2][3][4] Einige Varianten sprechen auch davon, dass der Vater die Töchter zur Prostitution zwingen wollte und der heilige Nikolaus sie durch die Geldgaben davor bewahrte.[5]

Moderne Bräuche

Hergeleitet von dieser Legende entwickelte sich der Brauch im englischsprachigen Raum, Socken an den Kamin zu hängen, und die Befüllung durch den Nikolaus, der durch den Kamin in das Haus gelangt. In Als der Nikolaus kam von Clement Clarke Moore beschrieb dieser das Ereignis in einem Gedicht, das er als Weihnachtsgeschenk für seine Kinder geschrieben hatte. Das Gedicht wurde zunächst 1873 unter dem Titel Besuch vom Knecht Rupert übersetzt, bekannt wurde es durch die Übersetzung von 1946 durch Erich Kästner. Moore erfindet in dem Text die fliegenden Rentiere, die den Schlitten ziehen, mit dem der Nikolaus auf dem Dach landet, und er greift auf, dass der Nikolaus durch den Schornstein in die Wohnung gelangt und Geschenke bringt, die er in die auf die Leinen gehängten Strümpfe stopft. Dem Nikolaus wird oft durch einen Teller mit Keksen und ein Glas Milch gedankt. Die Weihnachtsstrümpfe werden in England und den Vereinigten Staaten oft aus rotem Stoff oder Filz hergestellt und mit Borten oder Stickereien verziert. Sie tragen auch oft die Namen der Personen, die beschenkt werden sollen. Manchmal werden sie bereits in der Vorweihnachtszeit an einen Kaminsims oder einfach an eine Kordel gehängt und mit kleinen Wichtel- oder Weihnachtsgeschenken befüllt. In vielen Familien hängen sie vom 1. Advent bis Weihnachten an ihrem Platz und dienen dann auch als Adventkalender.[3]

Nikolausstiefel

Im deutschsprachigen Raum etablierte sich der Brauch, zum Nikolaustag Schuhe vor die Tür zu stellen, damit diese vom Nikolaus gefüllt werden. Dies soll auf die Erzählung zurückgehen, dass der heilige Nikolaus als historische Figur in den Winternächten, vor allem um die Weihnachtszeit, mit Helfern durch die Armenviertel zog, um heimlich Münzen zu verteilen. Angeblich sollten die Menschen zu der Zeit ihre Schuhe vor die Tür gestellt haben, um sie trocknen zu lassen, und sie fanden dann am nächsten Morgen Münzen eines unbekannten Wohltäters in ihren Schuhen. Jedoch war festes Schuhwerk im 4. Jahrhundert in Myra vermutlich nicht sehr verbreitet, die Menschen trugen offene Sandalen. Auch ist es fraglich, ob Schuhe vor der Tür nicht auch gestohlen hätten werden können.[3]

Niederländische Kinder stellten zunächst Holzpantinen, später Lederschuhe vor die Tür. Diese dienten zunächst als eine Art Briefkasten für die Übermittlung der Wunschlisten der Kinder. Zusätzlich stellten die Kinder einen Eimer Wasser und Karotten für das Pferd von Sinterklaas bereit, damit es sich stärken konnte, während Sinterklaas die Liste studierte und prüfte, ob die Kinder auch brav waren. Danach legte er die Geschenke hinein und klopfte an die Tür, als Signal, dass nun Bescherung sei.[3]

Einzelnachweise

  1. Gerry Bowler: The World Encyclopedia of Christmas. McClelland & Stewart, Toronto 2000, ISBN 0-7710-1531-3, S. 156 (englisch, archive.org).
  2. Weihnachtsbrauch unter der Lupe: Warum hängt man Socken an den Kamin? ofen.de, abgerufen am 1. November 2025.
  3. a b c d Martina Schmid: Weihnachtszeit: Von Weihnachtssocken und Nikolausstiefeln. In: eurolanguage-lebensart.com. Lebensart, 2023, abgerufen am 1. November 2025.
  4. Warum der Nikolaus und der Weihnachtsmann Socken füllen. In: bnn.de. Badische Neueste Nachrichten, 2021, abgerufen am 1. November 2025.
  5. Oliver Marquart: Der Nikolaus: Legende, Tradition und die wahre Geschichte – Sonntags. In: sonntagsblatt.de. Abgerufen am 1. November 2025.
Commons: Christmas stockings – Sammlung von Bildern