Nikolaos Gialouris

Nikolaos Gialouris (vollständiger Name griechisch Νικόλαος Φιλήμονος Γιαλούρης Nikolaos Philimonos Gialouris, allgemein übliche Schreibweise Nikolaos Yalouris; * 20. Julijul. / 2. August 1917greg. in Smyrna;[1]24. November 2011) war ein griechischer Klassischer Archäologe.

Leben

Im Jahr 1922 wurde die Familie Gialouris im Rahmen des Bevölkerungsaustauschs zwischen Griechenland und der Türkei vertrieben und die Eltern ließen sich in Athen nieder. Hier absolvierte Nikolaos Gialouris das Gymnasium und studierte nach der Reifeprüfung ab 1934 Klassische Philologie an der Universität Athen. Im Oktober 1938 wurde er zum Militärdienst eingezogen und nahm 1940/41 am Griechisch-Italienischen Krieg in Albanien teil. Sein Studium in Athen schloss er im August 1941 mit der Prüfung als Oberlehrer ab. Von 1942 bis 1944 war er als Gymnasiallehrer in Athen tätig. Mit Unterstützung des Archäologenpaars Christos Karusos und Semni Karouzou arbeitete er von April 1943 bis März 1945 am Archäologischen Nationalmuseum in Athen und verlegte den Schwerpunkt seines weiteren wissenschaftlichen Interesses auf die Klassische Archäologie. Von März bis November 1945 leistete er erneut Wehrdienst.

Im Oktober 1946 nahm er ein Studium der Klassischen Archäologie, Klassischen Philologie und Alten Geschichte an der Universität Basel auf. Dort wurde er im September 1949 bei dem Klassischen Archäologen Karl Schefold und dem Klassischen Philologen Peter von der Mühll mit einer Dissertation über Athena als Herrin der Pferde promoviert.[2] Während dieser Jahre arbeitete er acht Monate am Musée d’art et d’histoire in Genf, an dem er die Sammlung griechischer Vasen klassifizierte und an deren Neuausstellung er mitwirkte.

Nach Ende des Griechischen Bürgerkriegs kehrte er nach Griechenland zurück und bestand 1951 die Aufnahmeprüfung für den Archäologischen Dienst. Nach einem Jahr am Archäologischen Nationalmuseum wurde er Leiter der 6. und der 7. Ephorie in Patras und Olympia. In dieser Position war er verantwortlich für die Präfekturen Elis, Messenien, Achaia und Ätolien-Akarnanien.

Als Kurator der Skulpturensammlung und stellvertretender Direktor am Nationalmuseum kehrte er 1966 nach Athen zurück. Die griechische Junta entließ ihn im Februar 1968. Bis zu seiner Wiedereinstellung im September 1969 forschte er in den Vereinigten Staaten. Hier war er von September 1968 bis Juni 1969 Mitglied der School of Historical Studies am Institute for Advanced Study in Princeton.[3] Von 1969 bis 1971 arbeitete er im Zentraldienst des griechischen Kulturministeriums, um anschließend auf seine Stelle am Nationalmuseum zurückzukehren. 1974 wurde er dessen Direktor. Er leitete die Einrichtung bis 1980. Zugleich wurde er 1974 zum Generaldirektor für Altertümer und Restaurierung des Ministeriums ernannt, eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung Ende 1981 innehatte. 1979 übernahm er zusätzlich eine Professur an der Universität Athen. Nach seiner Pensionierung war er von 1981 bis 1985 Präsident der Fondation pour le Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae. Mitglied des Redaktionskomitees für das Lexikon war er bereits von 1976 bis 1979.[4]

Das Tätigkeitsfeld von Nikolaos Gialouris war vor allem die Peloponnes, hier insbesondere die Landschaft Elis und das antike Olympia. Er organisierte neue Museen in Elis sowie Messene und war führend an der Errichtung des neuen Museums in Olympia beteiligt.[5] Zudem führte er Ausgrabungen etwa am Apollontempel bei Bassae durch und beschäftigte sich mit Ergänzungen an dessen Figurenfries.[6] Als Pionier der Unterwasserarchäologie in Griechenland[7] führte er, der selbst Tauchen konnte, bereits in den 1950er Jahren archäologische Unterwasserforschungen auf dem Grund der Bucht von Agios Andreas in Elis, nördlich von Katakolo, und an der Küste entlang derselben Bucht durch.[8] Niederschlag fanden seine Forschungen in über hundert Veröffentlichungen, die sich einem großen zeitlichen Bereich von der mykenischen Zeit bis zur Spätantike und dem Nachleben der Antike in der modernen Kunst widmen.

Ehrungen

Schriften (Auswahl)

  • Athena als Herrin der Pferde. Archäologische Untersuchungen zu Pindars dreizehnter Olympie. In: Museum Helveticum. Band 7, 1950, S. 19–102 (Dissertation).
  • Classical Greece: The Sculpture of the Parthenon (The Elgin marbles) (= Acanthus history of classical Greece). Oldbourne Press, London 1960.
  • mit Bernard Ashmole: Olympia. The Sculptures of the Temple of Zeus. Phaidon, London 1967, ISBN 0-7148-1304-4 (Digitalisat).
  • Pegasus. The art of the legend. Mobil Oil Hellas, Athen 1975; 2. revised edition Westerham Press, Westerham 1977.
  • Pegasus. Ein Mythos in der Kunst. Philipp von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0890-6.
  • mit Athanasia Yalouris: Olympia. Das Museum und das Heiligtum. Ekdotike Athenon, Athen 1987.
  • Die Skulpturen des Asklepiostempels in Epidauros (= Antike Plastik. Lieferung 21). Hirmer, München 1992, ISBN 3-7774-5650-0.
  • Ancient Elis. Cradle of the Olympic Games. Adam, Athen 1996, ISBN 960-500-076-8.

Literatur

  • Charalampos B. Kritzas: Νικόλαος Φ. Γιαλούρης. Ο πρώτος ενάλιος Έλληνας αρχαιολόγος (1918–2011). In: ΕΝΑΛΙΑ. The Journal of the Hellenic Institute of Marine Archaeology. Band 11, 2012, S. 168–172 (Digitalisat).
  • Vasilios Petrakos: Νικόλαος Φιλήμονος Γιαλούρης (2 Αὐγούστου 1916 – 24 Νοεμβρίου 2011). In: Θ ΜΕΝΤΩΡ. Χρονογραφικὸ καὶ ιστοριοδιφικό δελτίο τῆς ἐν Ἀθήναις Ἀρχαιολογικῆς Ἑταιρείας. Band 101, 2011, S. 253–255 (Digitalisat).

Anmerkungen

  1. Das Geburtsdatum folgt den Eigenangaben in Gialouris’ Dissertation (S. 103), der das zum Zeitpunkt der Geburt gültige Datum nach dem julianischen Kalender angibt. Das griechische Kulturministerium (Nachruf [Memento vom 27. November 2011 im Internet Archive; griechisch]) und andere geben 1918 als Geburtsjahr an. Vasilios Petrakos: Νικόλαος Φιλήμονος Γιαλούρης (2 Αὐγούστου 1916 - 24 Νοεμβρίου 2011). In: Θ ΜΕΝΤΩΡ. Χρονογραφικὸ καὶ ιστοριοδιφικό δελτίο τῆς ἐν Ἀθήναις Ἀρχαιολογικῆς Ἑταιρείας. Band 101, 2011, S. 253–255 (Digitalisat), gibt als Geburtsdatum den 2. August 1916 an, das Jahr 1916 findet sich auch in anderen Belegen.
  2. Alle Angaben bis zur Promotion nach eigenem Lebenslauf in den Pflichtexemplaren der Dissertation. Als Schüler von Schefold erwähnt bei Alexandra Kankeleit, Jean-Robert Gisler, Isabel Aitken: Briefe aus dem Exil: Karl Lehmann und Karl Schefold im Jahr 1945. In: Antike Kunst. Band 63, 2020, S. 69–92, hier S. 74.
  3. Nikolaos Yalouris beim Institute of Advanced Study.
  4. Histoire de l’entreprise auf der Website der Fondation pour le Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae.
  5. Siehe etwa Nikolaos Yalouris: To νέoν μoυσείoν Oλυμπίας. In: Aρχαιoλoγικά ανάλεκτα εξ Aθηνών. Band 6, 1973, S. 55–63.
  6. Nikolaos Yalouris: Δoκιμαστική ανασκαφή εις τoν Nαóν τoυ Eπικoυρίoυ Aπóλλωνoς Bασσών. In: Πρακτικά της εν Aθήναις Aρχαιoλoγικής Eταιρείας. Band 115, 1959, S. 155–159; Nikolaos Yalouris: Συμβoλή εις την απoκατάστασιν των γλυπτών τoυ ναoύ των Bασσών. In: Aρχαιoλoγική εφημερίς. Band 106, 1967, S. 187–199; Nikolaos Yalouris: Aνασκαφαί εις τoν εν Bάσσαις Φιγαλείας ναóν τoυ Eπικoυρίoυ Aπóλλωνoς. In: Aρχαιoλoγικά ανάλεκτα εξ Aθηνών. Band 6, 1973, S. 39–53; Nikolaos Yalouris: Problems relating to the temple of Apollo Epikourios at Bassai. In: Greece and Italy in the classical world. Acta of the 11th International Congress of Classical Archaeology, London, 3-9 September 1978. National Organizing Committee, XI International Congress of Classical Archaeology, London 1979, S. 89–104.
  7. Siehe etwa Nikolaos Yalouris: Grèce. Bilan et perspectives de la recherche archéologique sous-marine. In: Archéologia. Band 17, 1967, S. 10–11.
  8. Georges Daux: L'activité archéologique en Grèce sauf les travaux de l'École Française d'Athènes. In: Bulletin de correspondance hellénique. Band 83, 1959, S. 649–651 (Digitalisat).