Nikolai von der Osten-Sacken

Nikolai Dmitrijewitsch von der Osten-Sacken (russisch Николай Дмитриевич Остен-Сакен; * 14. Märzjul. / 26. März 1831greg. in Tschernigow; † 9. Maijul. / 22. Mai 1912greg. in Monte-Carlo) war ein russischer Diplomat. Er war von 1895 bis 1912 russischer Botschafter in Berlin.

Leben und Wirken

Graf Nikolai von der Osten-Sacken entstammte einem alten, deutsch-baltischen Adelsgeschlecht. Sein Vater, Dmitri von der Osten-Sacken, diente als General in der russischen Armee.

Seine erste Ausbildung erhielt Osten-Sacken durch Privatlehrer, später besuchte er das Armand Richelieu-Lyzeum in Odessa.

Seine berufliche Laufbahn begann er 1852 als Beamter im russischen Außenministerium. Während des Krimkrieges (1853–1856) diente er zeitweise als Beamter für besondere Aufgaben des Oberkommandierenden der russischen Armee. Sein Vater machte sich während des Krieges bei der Verteidigung Sewastopols verdient und erhielt dafür 1855 den Grafentitel. Da sich dieser auch auf seine Nachkommen erstreckte, wurde damit auch sein Sohn Nikolai in den Grafenstand erhoben.[1]

Erstmals ins Ausland entsandt wurde Nikolai von der Osten-Sacken 1856. Zunächst war er Mitglied der russischen Gesandtschaften in Den Haag, später arbeitete er in Madrid, Bern und Turin. Kurz vor Beginn des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 kam er als Gesandter nach Darmstadt, die Hauptstadt des Großherzogtums Hessen, wo er elf Jahre blieb. Gegen Ende dieser Zeit lernte der russische Thronfolger und spätere Zar Nikolaus in Darmstadt die hessische Prinzessin Alix kennen, die spätere letzte Zarin Alexandra Fjodorowna. Von 1884 bis 1894 war er russischer Gesandter bei der Regierung des Königreichs Bayern in München und nahm in dieser Funktion am 19. Juni 1886 an der Beisetzung König Ludwigs II. teil, bei der erstmals in der Geschichte Bayerns Vertreter fremder Regierungen und Fürstenhäuser als offizielle Teilnehmer eines Fürstenbegräbnisses anwesend waren.[2] Als Höhepunkt und Abschluss seiner Laufbahn ging er schließlich ab 1895 als russischer Botschafter beim Deutschen Reich nach Berlin, wo er als Nachfolger des Grafen Paul Andrejewitsch Schuwalow knapp siebzehn Jahre tätig war und erst im Frühjahr 1912, wenige Wochen vor seinem Tod, verabschiedet wurde. 1910 wurde er mit dem Orden des Heiligen Andreas, dem höchsten Orden des Russischen Reiches ausgezeichnet.[3] In seiner mit dem Amt des Botschafters verbundenen Eigenschaft als Ehrenvorsitzender der gemeinnützigen Bruderschaft des heiligen Fürsten Wladimir unterstützte Osten-Sacken den Bau russisch-orthodoxer Kirchen in Deutschland.

Osten-Sacken heiratete 1862 die Fürstentochter Maria Iljinitschna Dolgorukowa (1822; 12. Januar 1908 in Berlin), die Witwe des russischen Botschafters in Spanien, Fürst Michail Alexandrowitsch Golizyn (1804–1860).[3] Sie trat als Förderin der Künste in Erscheinung, besonders der Musik. Die Gräfin, die als junges Mädchen Klavierunterricht bei Frédéric Chopin genommen hatte, war eine Mäzenin des Komponisten Sergei Bortkiewicz, der mit einem Mitarbeiter ihres Mannes verwandt war.[4] Sie hatte einen Sohn aus erster Ehe.[5] Mit Osten-Sacken bekam sie noch vier zwischen 1872 und 1877 geborene Töchter, zuletzt die Zwillinge Sophia und Olga, und einen gemeinsamen Sohn, den Grafen Nikolai Nikolajewitsch von der Osten-Sacken (1880–1948).[6]

Bernhard von Bülow schildert Osten-Sacken in seinen Denkwürdigkeiten als aufmerksamen und intelligenten „Salondiplomaten alter russischer Schule“ und weist darauf hin, dass er – obwohl er hinlänglich Deutsch verstand, um in seiner Gegenwart geführten Konversationen folgen zu können, – „grundsätzlich so tat, als ob ihm die deutsche Sprache verschlossen wäre“. Er habe Bülow unter anderem vom Schicksal seines älteren Bruders berichtet, der als kleiner Junge an den harten Bedingungen der zaristischen Kadettenausbildung gestorben sei, zu der ihn Zar Nikolaus I. persönlich gegen den Willen seines Vaters bestimmt hatte.[7]

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Einzelnachweise

  1. V. I. Fedorčenko: Dvorjanskie rody, proslavivšie otečestvo. Enciklopedija, Olma-Press 2003
  2. Jörg Zedler: Beisetzung Ludwigs II. (München, 19. Juni 1886). In: Historisches Lexikon Bayerns. 11. Januar 2024, abgerufen am 10. November 2025.
  3. a b V. I. Fedorčenko: Imperatorskij dom. Vydajuščiesja sanovniki. Enciklopedija, Olma-Press, 2003
  4. Erläuterungen zum Komponisten S. Bortkiewicz auf hyperion-records.com (englisch)
  5. Jack Weiner: El diario español de Alexander Nikolaevich Veselovskii (1859–1860). In: Cuadernos Hispanoamericanos, Nr. 250–252 (Oktober 1970), S. 737.
  6. Öffentlicher Stammbaum des Grafenhauses Osten-Sacken.
  7. Bernhard von Bülow: Denkwürdigkeiten. Band 1: Vom Staatssekretariat zur Marokko-Krise. Ullstein, Berlin 1930, S. 145 f. (Zitat S. 145).