Nikobaren-Langschwanzmakak

Nikobaren-Langschwanzmakak

Nikobaren-Langschwanzmakak
(Macaca fascicularis umbrosa)

Systematik
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Pavianartige (Papionini)
Gattung: Makaken (Macaca)
Art: Javaneraffe (Macaca fascicularis)
Unterart: Nikobaren-Langschwanzmakak
Wissenschaftlicher Name
Macaca fascicularis umbrosa
Miller, 1902

Der Nikobaren-Langschwanzmakak (Macaca fascicularis umbrosa) ist eine Unterart des Langschwanzmakaken, die auf den Nikobareninseln Groß Nikobar, Klein Nikobar und Katchal vorkommt.

Merkmale

Die Affenart ähnelt der Nominatform des Langschwanzmakaken (Macaca f. fascicularis) hat aber ein viel dunkleres Fell ohne einen gelblichen Einschlag. Der Rücken, die Kopfoberseite und die Außenfläche der Gliedmaßen sind schwärzlich oder dunkel bräunlichgrau.[1] Die Haare sind gebändert und etwa 3 mm unterhalb der Haarspitze befindet sich ein cremefarbener Ring, der eine Breite von 3 mm bis 4 mm hat. Brust und Bauch, sowie die Innenseiten der Gliedmaßen sind spärlich mit hellgrauen Haaren von seidiger Textur bedeckt. Der Schwanz ist oben dunkelgrau und unten hellgrau, die zum Rumpf hin gelegene Hälfte ist fast schwarz. Männchen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 47 bis 52,5 Zentimeter und ihr Schwanz kann eine Länge von 44,5 bis 60,5 Zentimeter erreichen. Die Weibchen sind mit Kopf-Rumpf-Längen von 39,5 bis 46 Zentimeter und einem 43,5 bis 50 Zentimeter langen Schwanz etwas kleiner.[2] Die Länge des Schwanzes beträgt in der Regel mehr als 122 % der Kopf-Rumpf-Länge. Der Schädel des Nikobaren-Langschwanzmakaken ist größer als der Schädel von Macaca f. fascicularis.[1]

Lebensraum und Lebensweise

Der Nikobaren-Langschwanzmakak kommt nur auf zwei größeren Inseln der Nikobaren-Südgruppe und auf Katchal, der am weitesten südlich gelegenen Insel der mittlere Nikobaren-Gruppe vor. Da sie nicht auf den nördlich der Nikobaren gelegenen Andamanen und auf der Nordgruppe der Nikobaren vorkommen, kann man davon ausgehen, das die Vorfahren der Affen nicht von Norden (Myanmar), sondern von Sumatra aus die Inseln besiedelt haben. Das Meer zwischen Sumatra und den Nikobaren ist jedoch mehr als 1000 Meter tief und deshalb können die Affen die Insel nicht über eine Landverbindung erreicht haben. Zwischen Groß Nikobar und Klein Nikobar ist das Meer jedoch weniger als 100 Meter tief, so dass ein Faunenaustausch während der letzten Kaltzeit möglich war.[1]

Der Nikobaren-Langschwanzmakak lebt in Mangroven, Sümpfen, Tieflandregenwälder und hügeligen, tropischen, immergrünen Wäldern, sowie in Gärten und Plantagen. Er bildet relativ große Gruppen mit mehreren Männchen, sowie zahlreichen Weibchen und Jungtieren. Die Gruppen können 25 bis 56 Exemplare umfassen. Nikobaren-Langschwanzmakaken ernähren sich unter anderem von Kokosnüssen, den Früchten der Schraubenbäume, sowie von Bengalischen Quitten, Cashewnüssen, Mangos und Guaven.[3] Um Kokosnüsse zu öffnen, schlagen sie diese auf eine harte Unterlage, bis sich ein Riss in der Schale bildet. Dann benutzten sie ihre Eckzähne, um die Schale weiter aufzubrechen. Um Nahrungsmittel von nicht essbaren Bestandteilen oder Verschmutzungen zu reinigen, nutzen sie Blätter, Zweige mit Blattbüscheln, Papier oder Stoff. Auch das Säubern von Nahrungsmitteln in Wasserstellen wurde beobachtet.[4][5] Nikobaren-Langschwanzmakaken vermehren sich das ganze Jahr über, aber etwa 70 % der Geburten finden während der Regenzeit statt.[6]

Systematik

Der Nikobaren-Langschwanzmakak wurde 1846 durch den englischen Zoologen Edward Blyth für die westliche Wissenschaft entdeckt und 1902 durch den US-amerikanischen Zoologen Gerrit Smith Miller als eigenständige Makakenart (Macacus umbrosus) erstmals wissenschaftlich beschrieben.[2] Heute wird er als Unterart des in Südostasien mit zahlreichen Unterarten weit verbreiteten Langschwanzmakaken (Macaca fascicularis) angesehen.[7]

Gefährdung

Die IUCN schätzte den Bestand des Nikobaren-Langschwanzmakaken im Jahr 2022 als gefährdet ein. Im Jahr 2002 wurde der Bestand auf 4800 Exemplare geschätzt. Auf allen drei Inseln ging der Bestand infolge des Tsunamis von 2004 allerdings zurück. Danach erholte sich die Population wieder. Die größte Gefahr für die Affen ist die anhaltende Entwaldung und die Verfolgung durch den Menschen, sowohl durch Migranten vom indischen Festland als auch durch die indigenen Nikobaresen, die die Bevölkerungsmehrheit auf Katchal bilden. Viele Einwohner der Nikobaren leben teilweise von der Ernte von Kokosnüssen, betrachten die Langschwanzmakaken als Schädlinge und töten sie. Auch halbwilde Haushunde sind eine Gefahr für die Affen.[8]

Einzelnachweise

  1. a b c J. Fooden (1995): Systematic review of Southeast Asian Longtail Macaques Macaca fascicularis (Raffles [1821]). Fieldiana New Series Nr. 81. Chicago: Field Museum of Natural History. doi:10.5962/bhl.title.3456
  2. a b G. S. Miller (1902): The mammals of the Andaman and Nicobar Islands. Proceedings of the United States National Museum 24(1269): 751–795 (hier 789–790). DOI: 10.5479/SI.00963801.24-1269.751
  3. G. Umapath, Mewa Singh und S. M. Mohnot: Status and Distribution of Macaca fascicularisumbrosa in the Nicobar Islands, India. International Journal of Primatology, Vol. 24, Nr. 2, April 2003
  4. Arijit Pal, Honnavalli N. Kumara, Partha Sarathi Mishra, Avadhoot D. Velankar und Mewa Singh: Extractive foraging and tool-aided behaviors in the wild Nicobar long-tailed macaque (Macaca fascicularis umbrosus). Primates (2018) 59:173-183, DOI: 10.1007/s10329-017-0635-6
  5. Jayashree Mazumder & Stefano S. K. Kaburu: Object Manipulation and Tool Use in Nicobar Long-Tailed Macaques (Macaca fascicularis umbrosus). International Journal Primatology 41, 141–159 (2020). doi: 10.1007/s10764-020-00141-y
  6. Arijit Pal, Honnavalli N. Kumara, Avadhoot Velankar, Partha Sarathi Mishra u. Mewa Singh: Demography and Birth Seasonality in the Nicobar Long-Tailed Macaque (Macaca fascicularis Umbrosus). Januar 2018, Current Science 114(8), DOI: 10.18520/cs/v114/i08/1732-1737
  7. D. Zinner, G. H. Fickenscher & C. Roos: Family Cercopithecidae (Old World monkeys). Seite 644–645 in Russell A. Mittermeier, Anthony B. Rylands & Don E. Wilson: Handbook of the Mammals of the World: Primates: 3. ISBN 978-84-96553-89-7 (englisch).
  8. Macaca fascicularis ssp. umbrosa in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Eingestellt von: Ramakrishna, I., Mishra, P., Mazumder, J. & Pal, A., 2022.