Nienhagen (Staufenberg)

Nienhagen
Gemeinde Staufenberg
Koordinaten: 51° 21′ N, 9° 40′ O
Höhe: 288 m
Einwohner: 281 (31. Dez. 2024)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 34355
Vorwahl: 05543

Nienhagen ist ein Ortsteil der Gemeinde Staufenberg im Landkreis Göttingen, Süd-Niedersachsen (Deutschland).

Geographie

Der Ort liegt auf einer weitläufigen Wiesen- und Ackerfläche zwischen den Wäldern des Kaufunger Walds im Naturpark Münden. Oberhalb bzw. nur wenige Kilometer nordöstlich des Tals der Nieste befindet sich Nienhagen zwischen 250 und 300 m Höhe nur etwas östlich von Kassel. Es liegt am Ingelheimbach, einem rechten Zufluss der Nieste.

Eine Touristenattraktion von Nienhagen ist der 2,5 km lange Barfußpfad, der sich südöstlich des Orts im Wald befindet.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Nienhagens fand am 7. Mai 1351 statt, als Herzog Ernst I. den Ritter Otto von Holthusen, sowie dessen Söhne Hermann und Otto mit einem Burglehn auf dem Schloss Münden ausstattet und mit dem halben Dorf Nygen Haghen bei Escherode belehnt.[2] Die Witwe des Ritters Otto und dessen Sohn Otto verkauften in der Folgezeit das Burglehen sowie das halbe Dorf Nienhagen mit Bewilligung des Herzogs an die Brüder Hermann und Conrad Waldschmidt von Imbsen am 17. März 1371 für 23 Mark lötigen Silbers. Im Jahre 1551 wurde die Mühle am Ingelheimbach angelegt, 1867 wurde ein neuer Kirchenbau realisiert.

Ähnlich wie andere Dörfer im Kreis Münden war ein wichtiger Erwerbszweig früher die Töpferei. Dabei wurde der Ton vom Steinberg abgebaut, die hergestellten Teller, Töpfe und Tassen wurden häufig die Weser abwärts verschifft. An Einwohnern zählte der Ort um 1700 29, diese Zahl wuchs bis 1867 auf 299 an und erreichte 1875 332 Personen. Am 1. Januar 1973 wurde Nienhagen in die neue Gemeinde Staufenberg eingegliedert.[3]

Religion

Kirchengebäude

Die heutige St.-Elisabeth-Kirche hatte einen Vorgängerbau.[4] Es war eine Fachwerkkapelle ohne Turm, wohl in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Den Innenraum überspannte eine flache Decke. Unter dem Kirchendach hing eine Glocke. Eine Orgel war 1734 noch nicht vorhanden. Die Kapelle wurde 1773 einer Reparatur unterzogen, musste dann allerdings 1867 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Der heutige Kirchenbau[5] entstand 1869 nach den Plänen des Konsistorialbaumeisters Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) in Hannover[4]. Es handelt sich um einen eintürmigen neugotischen Sandsteinquaderbau, der ostsüdöstlich ausgerichtet ist und einen dreiseitigen Chorabschluss hat. Er ist mit einem Satteldach gedeckt und über dem Chor abgewalmt. An den Längsseiten befinden sich Strebepfeiler, am Chor auch kleine Rosettenfenster oberhalb des Chorausgangs.

Zur Kirche derhört ein querrechteckiger Westturm mit Satteldach.[4] Die Turmspitze trägt eine offene Laterne und einen Pyramidenhelm mit einem Kreuz als Bekrönung.

Im Kircheninneren steht ein Blockaltar aus Sandstein von 1868/69 mit einem geschnitzten, farbig gestalteten Aufsatz mit einem Kruzifix, das 1868 in der Werkstatt von Gustav Heinrich Eberlein in Nürnberg entstand, und an dessen Kreuzbalkenenden Symbole der vier Evangelisten sich befinden. Die hölzerne Kanzel von 1869 ist erhöht und hat einen polygonalen Kanzelkorb. Wilfried Kues aus Nienhagen schuf 1999 eine Relieftafel aus Keramik mit dem Bild der Hl. Elisabeth.

Ältester Ausstattungsgegenstand ist der Taufstein mit Ritzzeichnungen von 1599, der wohl auch in der Vorhgängerkapelle gestanden hat.[5]

Die Orgel von 1868/69 auf der – 1879 erweiterten – Westempore wurde von der Firma Gebrüder Rohlfing in Osnabrück angefertigt.[4] 1959 und 1962 nahm die Orgelbauwerkstatt Werner Bosch aus Niestetal bei Kassel einen Neubau in zwei Bauabschnitten vor.

Anstelle der bisherigen kleinen Bronzeglocke der Kapelle erhielt die neue Kirche zwei Gussstahlglocken aus der Gießerei Bochumer Verein.[4] Sie wurden 1974 durch andere ersetzt, wobei eine alte Glocke verschrottet, die anderen zunächst im Vorraum der Kirche aufgestellt, nach 1985 in der Friedhofskapelle Dahlheim genutzt, 1989 aber wieder nach Nienhagen verbracht wurde und nun in einem kleinen Glockenstuhl an der Kirche hängt.

Kirchengemeinde

Die Kirchengründung dürfte in Nienhagen in nachtreformatorischer Zeit erfolgt sein.[4] Aus dieser Zeit stammt auch der Taufstein.[5] Belegbar wird das Gotteshaus 1588 zum ersten Mal anlässlich einer Visitation genannt, die der damalige auch für die Dörfer Dahlheim, Escherode und Nieste zuständige Pfarrer Christian Rischius aus Uschlag in „Neuenhagen ist filia“ als Tochtergemeinde vornahm.

Im Jahre 1829 wurde in Escherode eine Pfarrstelle errichtet. Der von dort aus amtierende Geistliche übernahm auch Nienhagen sowie Dahlheim und Nieste. Die Gemeinde gehört heute zur Dreinigkeitsgemeinde Escherode-Nieste und ist Teil des Kirchenkreises Göttingen-Münden im Sprengel Hildesheim-Göttingen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Politik

Ortsrat

Der Ortsrat setzt sich aus sieben Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

Partei Prozent Sitze
SPD 25,48 2
WfN* 74,52 5

*Wählergruppe "Wir für Nienhagen"

(Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Statistisches Berichtsheft des Landkreises Göttingen – Ausgabe 2025. (PDF; 229 kB) Landkreis Göttingen, abgerufen im September 2025.
  2. Sudendorf, Hans (Bearb.), Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande, Zweiter Teil Vom Jahre 1342 bis zum Jahre 1356, Hannover 1859, Abschrift der Urkunde: Nr. 394.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 213.
  4. a b c d e f Kirchengemeindelexikon: Artikel: Nienhagen (Staufenberg), abgerufen am 9. Dezember 2025
  5. a b c Georg Dehio: Staufenberg-Nienhagen, Ev. Kirche, in: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen/Niedersachsen, Berlin 1977, S. 890