Nicolaus Blättermann
Nicolaus Blättermann (geboren am 1. Oktober 1920 in Düsseldorf) ist ein deutscher Überlebender des Holocausts, der sich als Zeitzeuge engagiert. Er ist Ehrenvorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach und gilt als bedeutender Brückenbauer und Pionier des Wiederaufbaus jüdischen Lebens in Rheinland-Pfalz.
Leben
Kindheit und Jugend
Nicolaus Blättermann wuchs in Düsseldorf in einer jüdischen Familie auf. Sein Vater war Ingenieur, er selbst verbrachte eine behütete Kindheit mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester Mirjam.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung emigrierte die Familie 1934 nach Chișinău. Dort schloss Nicolaus Blättermann seine Schule am Jüdischen Gymnasium ab und studierte ab 1940 an der „Institutul Politehnic din Chișinău“ Bautechnik. Seine Eltern versuchten vergeblich mit Hilfe eines Affidavits in die USA oder nach Argentinien auszuwandern.
Im Sommer 1941 wurde die Familie ins Ghetto von Iași deportiert. Nach wenigen Monaten wurde die Familie getrennt: Seine Eltern und seine Schwester sah er nie wieder, sie wurden Opfer des Holocaust. Blättermann selbst wurde in verschiedene Außenlager von Auschwitz-Birkenau verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen, zuletzt in den „Gleiwitzer Drahtwerken“, wo er am Heiligabend 1944 durch sowjetische Truppen befreit wurde.[1]
Nach der Befreiung
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er im DP-Lager Berlin Zuflucht und wurde dort Mitglied der jüdischen Gemeinde. 1946 heiratete er seine aus Oberschlesien stammende Frau Maria, die er während der Zwangsarbeit kennengelernt hatte.[2] Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Nach Stalins Tod 1953 wurde jüdischen Menschen empfohlen, die sowjetische Besatzungszone zu verlassen. Familie Blättermann verließ Ost-Berlin und ließ sich in Bad Kreuznach nieder.[3]
Wirken in Bad Kreuznach
Ab 1953 war Nicolaus Blättermann als leitender Bauingenieur bei der US-Army tätig und verantwortete in dieser Funktion wichtige Bauprojekte.
Besonders prägend wurde sein Engagement für die jüdische Gemeinde: In der jüdischen Gemeinde kümmerte er sich Anfang der 1990er-Jahre um die Integration der jüdischen Emigranten aus Osteuropa. Er war maßgeblich für das Wieder-Aufblühen jüdischen Lebens in der Region verantwortlich:[4] Nach der der Standortverlegung der US Army konnte er deren Kirchenkapelle für die Gemeinde erwerben und zu einer Synagoge umgestalten lassen. Die Stadt Bad Kreuznach würdigte sein Engagement als Brückenbauer zwischen den Kulturen und Religionen in der Stadtgesellschaft und verlieh im die Ehrenmedaille der Stadt.[5]
Auch nach seinem Ruhestand blieb Nicolaus Blättermann vielseitig aktiv: Er ist Ehrenvorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach und engagiert sind als Zeitzeuge[6]. Heute lebt er bei Lübeck.
Ehrungen
- 2006: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
- 2013: Ehrenmedaille der Stadt Bad Kreuznach[7]
Einzelnachweise
- ↑ https://www.stiftung-denkmal.de/aktuelles/zeitzeuge-nicolaus-blaettermann-wird-105-jahre-wir-gratulieren-herzlich/
- ↑ https://www.youtube.com/watch?v=GqH6FTg0CqE
- ↑ https://www.bad-kreuznach.de/buergerservice/politik-und-verwaltung/archiv-pressemitteilungen/jahresarchiv-2013/september-2013/nicolaus-blaettermann-mit-der-ehrenmedaille-der-stadt-ausgezeichnet/
- ↑ https://www.stiftung-denkmal.de/aktuelles/zeitzeuge-nicolaus-blaettermann-wird-105-jahre-wir-gratulieren-herzlich/
- ↑ https://www.bad-kreuznach.de/buergerservice/politik-und-verwaltung/haus-der-stadtgeschichte-und-stadtarchiv/neues/meldungsarchiv/april-dezember-2024/film-ueber-den-zeitzeugen-juedischen-lebens-nicolaus-blaettermann-103
- ↑ https://www.zeit.de/news/2025-01/27/es-kann-kein-ende-geben-holocaust-gedenken-in-mainz
- ↑ https://www.bad-kreuznach.de/buergerservice/politik-und-verwaltung/archiv-pressemitteilungen/jahresarchiv-2013/september-2013/nicolaus-blaettermann-mit-der-ehrenmedaille-der-stadt-ausgezeichnet/