Nicolas David Guisan
Nicolas David Guisan auch Nicolaas Guisan (* 1727 in Avenches; † 1781 Paramaribo) war ein Schweizer Plantagenbesitzer und Sklavenhalter.
Leben
Frühes Leben und Hintergrund
Guisan war eines von sechs Kindern des Jean Jacques Guisan und dessen Ehefrau Suzanne Catherine (geb. Marnet); er blieb zeit seines Lebens unverheiratet.
Er war der Onkel des späteren Generalinspektors für Strassen- und Brückenbau der Helvetischen Republik, Jean Samuel Guisan, der sich von 1771 bis 1772 auf der Zuckerplantage La Liberté seines Onkels aufhielt und in dieser Zeit Kommandant der lokalen Miliz war, die auch für die Bekämpfung der geflohenen Versklavten zuständig war.[1]
Nach einer Ausbildung als Sämischgerber entschied sich Guisan, ein neues Leben in der Übersee-Kolonie zu beginnen. Im Jahr 1759 reiste er an Bord des Schiffs Elisabeth von Rotterdam nach Suriname, wo er die Gelegenheit sah, sich als Plantagenbesitzer eine Existenz aufzubauen.
Wirken als Plantagenbesitzer
In Suriname ging Guisan eine Geschäftspartnerschaft mit dem aus Moudon stammenden Amédée Sugnens ein. Sugnens, der zunächst als Feldprediger und später als Pfarrer der französischen Kirche in Paramaribo tätig war, wurde Guisans Partner in der Plantagenwirtschaft. Gemeinsam erwarben sie mehrere Plantagen, darunter die Zuckerplantagen La Liberté und Accaribo sowie die Kaffeeplantage Lelijendaal am Fluss Commewijne, diese Plantagen wurden von über 450 Sklaven bewirtschaftet. Sie tätigten unter anderem auch Geschäfte mit Rodolphe Emmanuel de Haller (1747–1833)[2], der Sohn des Universalgelehrten Albrecht von Haller.
Mit dem Tod von Amédée Sugnens im Jahr 1773 übernahm dessen Schwester, Rosa Dutoit-Sugnens, die Bewirtschaftung der Plantagen in Zusammenarbeit mit Guisan. Guisan war bekannt für seine Fähigkeit, die Geschäfte effizient zu führen, und verwaltete auch andere Plantagen für abwesende Eigentümer. In dieser Rolle ernannte er Direktoren für die verschiedenen Güter und überwachte deren Arbeit. Sein Ansehen als Verwalter war hoch, und es wird geschätzt, dass er allein oder in Zusammenarbeit mit anderen etwa zehn Plantagen verwaltete; zu diesen Plantagen gehörten auch die Kaffeeplantage Perou mit 113 Versklavten und die Zuckerplantage Libanon mit 161 Versklavten, die am Fluss Cottica lagen und im Besitz von Pierre-Alexandre DuPeyrou aus Neuenburg waren.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Tod
Um 1772 bis 1773 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage in Suriname aufgrund des Wettbewerbs mit der Zucker- und Kaffeeproduktion in Saint-Domingue, die von Frankreich durch merkantilistische Politik geschützt wurde. Dies führte zu erheblichen finanziellen Verlusten für Guisan und seine Partner. Nach seinem Tod stellte sich heraus, dass seine Besitztümer bei der Liquidation defizitär waren.
In seinem Testament erkannte er Nanetta Gerarda Guisan (* 1771 oder 1773 in Suriname; † 23. Februar 1852 in Wijk aan Zee)[3], die vermutlich aus einer Beziehung mit seiner Sklavin Johanna La Liberté stammte, als seine legitime Tochter an und entliess sie in die Freiheit. Nanetta heiratete am 21. April 1797 in Amsterdam den Niederländer Gerrit van der Kolk (1765–1839); gemeinsam hatten sie mehrere Kinder.[4]
Literatur
- Olivier Pavillon, Rafael Wagner: Nicolas David Guisan. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Nicolas David Guisan. In: CARICOM Member States.
Einzelnachweise
- ↑ Die versklavte «Venus» auf einer Plantage namens «Freiheit» – Saiten. 9. Juli 2025, abgerufen am 18. September 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Christoph Zürcher: Rodolphe Emmanuel de Haller. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. August 2006, abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ J. den Nieuwenboer: Nannetta Gerarda Guisan (guisau) (± 1773-1852). Familienstammbaum Den Nieuwenboer. In: Genealogie Online. Abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Ianthe Sahadat, Elsbeth Stoker, Fleur de Weerd: Wie zijn mijn voorouders: persoonlijke zoektochten naar de doorwerking van de koloniale tijd en het slavernijverleden. Atlas Contact, Uitgeverij, 2023, ISBN 978-90-450-4928-1 (google.de [abgerufen am 18. September 2025]).