Nicolai von Bubnoff

Nicolai von Bubnoff (* 7. Januar 1880 in St. Petersburg; † 4. August 1962 in Heidelberg) war ein deutsch-russischer Religionsphilosoph und Hochschullehrer.[1]

Leben und Wirken

Nicolai von Bubnoff studierte Philosophie und Slawistik, zunächst ab 1898 an der Universität St. Petersburg, ab dem Wintersemester 1902/3 an der Universität Leipzig, der Universität Freiburg/Br. und der Universität Heidelberg. In Heidelberg promovierte er 1908 zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Induktion. Nach privaten Studien im Zeitraum von 1908 bis 1911 habilitierte er sich 1911 an der Universität Heidelberg. Nach vorübergehender Internierung konnte er Ende 1918 seine Tätigkeit als Hochschullehrer fortsetzen und wurde 1921 als Staatsbürger Badens eingebürgert. An der Universität Heidelberg arbeitete er auch als Lektor für Russisch und Dolmetscher der russischen Sprache. 1924 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, von 1931 bis 1956 leitete er die Russische Abteilung des Dolmetscher-Instituts und das Slavistische Seminar der Universität Heidelberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte Nicolai von Bubnoff auch als außerordentlicher Professor an der Wirtschaftshochschule Mannheim. Nach Eintritt in den Ruhestand wurde er von der Universität Heidelberg 1946 zum Honorarprofessor ernannt.

Nicolai von Bubnoff veröffentlichte über Kultur- und Religionsphilosophie, vor allem im Blick auf Russland, außerdem Schriften zur russischen Sprachlehre. Sein Bruder war der Geologe Serge von Bubnoff.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Das Wesen und die Voraussetzungen der Induktion. In: Kant-Studien, Bd. 21 (1908), S. 357–408 (= Dissertation Universität Heidelberg).
  • (Mitautor): Vom Messias. Kulturphilosophische Essays. Engelmann, Leipzig 1909.
  • Zeit und Zeitlosigkeit. Winter, Heidelberg 1911 (= Habilitationsschrift Universität Heidelberg).
  • Das Problem der spekulativen Mystik. In: Logos. Zeitschrift für systematische Philosophie, Bd. 8 (1919/20), S. 163–178.
  • (Hrsg., mit Hans Ehrenberg): Östliches Christentum. Dokumente. Zwei Bände. Beck, München 1923/1925.
  • Der Begriff der Nation und die Idee einer Völkergemeinschaft. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 51 (1923/24), S. 110–168.
  • Friedrich Nietzsches Kulturphilosophie und Umwertungslehre. Kröner, Leipzig 1924.
  • Der Geist des volkstümlichen russischen Sozialismus. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 55 (1926), S. 362–406.
  • Kultur und Geschichte im russischen Denken der Gegenwart. Sack, Berlin/Breslau 1927.
  • Der Katholizismus im Spiegel des russischen religiösen Bewußtseins. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, Bd. 6 (1930), H. 2, S. 317–355.
  • Goethe und die Philosophie seiner Zeit. In: Zeitschrift für philosophische Forschung, Bd. 1 (1947), S. 288–307 u. S. 541–588.
  • (mit Franz Haas): Die Wirtschaftslehre der Alten Griechen (= Schriftenreihe der Wirtschaftshochschule Mannheim, Bd. 1). Jedermann-Verlag, Heidelberg 1949.
  • Russische Sprachlehre. 9. Aufl. Groos, Heidelberg 1949.
  • Schlüssel zur russischen Sprachlehre. 9. Aufl. Groos, Heidelberg 1949.
  • Rußlands Allmenschheitsidee. In: Johannes Harder (Hrsg.): Kraft und Innigkeit. Hans Ehrenberg als Gabe der Freundschaft im 70. Lebensjahr überreicht. Schneider, Heidelberg 1953, S. 54–63.
  • (Hrsg.): Russische Religionsphilosophen. Dokumente. Schneider, Heidelberg 1956.
  • Übungsbuch zum Übersetzen aus dem Russischen. Zwei Teile. Groos, Heidelberg 1960.

Literatur

  • Brian Poole: Nicolai von Bubnoff. Sein kulturphilosophischer Blick auf die russische Emigration. In: Karl Schlögel (Hrsg.): Russische Emigration in Deutschland 1918 bis 1941. Leben im europäischen Bürgerkrieg. Akademie-Verlag, Berlin 1995, S. 279–294, ISBN 3-05-002801-7.

Einzelnachweise

  1. Bubnoff, Nicolai von. In: Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon. Bd. 2: 1803–1932. Springer, Berlin u. a. 1986, S. 33, ISBN 3-540-15856-1; von Bubnoff, Nicolai. In: LeoBW (abgerufen am 3. Januar 2026).