Nicolai Borger

Nicolai Borger (* 15. Oktober 1974 in Bensheim) ist ein deutscher Autor, Regisseur und Schauspieler. Bekannt als Schauspieler wurde er durch die Rolle des Killers Rolf in der dritten Staffel der Serie Deutschland, Deutschland 89.[1]

Leben

Nicolai Borger war 1991 als Austauschschüler in den USA an der William Horlick High School in Racine, Wisconsin.[2] Kurz vor dem Abitur hatte er sein erstes professionelles Engagement in einer Inszenierung des Jüdischen Theaters in Deutschland. Daraufhin entstand sein erstes Bühnenstück Liebe, das er mit einem Ensemble aus Schauspiel- und Kunststudenten 1994 inszenierte. Borger studierte zunächst am renommierten John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität in Berlin Nordamerikanistik und im Nebenfach Sinologie. Daraufhin absolvierte er eine Ausbildung zum Schauspieler am Europäischen Theaterinstitut Berlin.

Es folgten diverse Engagements in Deutschland und dem französischsprachigen Ausland. Stationen waren die Maison des Arts du Grütli, Genf, La Cartoucherie, Paris und das Thalia Theater Hamburg (TiK-Studiobühne). Ab 2001 widmete er sich in Berlin der Arbeit als Dramatiker. Mehrere Erst- und Uraufführungen sowie Festivalinszenierungen folgten jährlich bis 2009. Die Kriegstrilogie und der Stückzyklus Global Ghetto entstanden. Ebenso die Neuköllner Trilogie. Die Kurzfilmtrilogie Trilogie von Liebe und Armut inszenierte Borger parallel zur Theaterarbeit. 2010–2012 inszenierte er den fünfteiligen Kurzfilmzyklus sérieBERLINnoire. Nicolai Borger stand 2011 in einer Charity-Inszenierung des Berliner Kinderhilfswerkes als Simba in Disneys König der Löwen auf der Bühne. 2013/14 entstand sein Spielfilm Drei Finnen. Im Rahmen seines Lehrauftrages für den Studiengang Regie der Filmuniversität Babelsberg arbeitete er 2018 mit Gabriele Gysi. Er ist der Vorsitzende des Green Film Award Filmfestivals.[3] Borger steht auch als Filmschauspieler vor der Kamera. Er inszeniert international Varitéshows.[4]

Nicolai Borger ist Alumnus der ZEIT-Stiftung, sein Lebensmittelpunkt ist Berlin.

Dramatisches Werk

Über 20 Theaterstücke Borgers wurden bis 2009 erst- bzw. uraufgeführt. Festival-Inszenierungen u. a. am Thalia Theater, Hamburg, beim Berliner Theatertreffen und an den Münchner Kammerspielen folgten. In einem Interview der Festivalzeitung des Berliner Theatertreffens beschrieb Borger seine Arbeit als „grelles Gegengift“[5] zur gesellschaftlichen Realität.

Global Ghetto

Von 2001 bis 2009 entstand Borgers sieben Teile umfassender Stückzyklus Global Ghetto. Ort der Handlung ist die fiktive Stadt Apokanata. Die Nähe zur Realität wurde betont.[6] Das Stück Kerosin, Teil 4 des Zyklus, entwarf 2004 ein Bürgerkriegsszenario in Deutschland, wie es zur damaligen Zeit noch undenkbar schien. Es wurde im darauffolgenden Jahr unter dem Titel Borscht Endspiel Neukölln erstaufgeführt.[7] In Teil 5 von Global Ghetto, Liebe & Armut (2006), deklamiert der illegale Einwanderer Douga: „Du sollst nicht lieben, du sollst nicht arm sein.“ „Apokanata ist überall“, titelte die Berliner Zeitung anlässlich der Premiere, und weiter: „Autor Nicolai Borger spielt in gewohnter Manier mit einer klischeebehafteten Sprache … sozialkritisches, zeitgenössisches Theater. Apokanata ist eine Stadt irgendwo in Deutschland. Apokanata ist auch in Neukölln.“[8]

Drei Teile von Global Ghetto wurden unter dem Titel Neuköllner Trilogie aufgeführt.

Kriegstrilogie

Kriegsmaschine, der erste Teil der Kriegstrilogie, bei den Autorentheatertagen des Thalia Theaters Hamburg erstaufgeführt, setzt sich mit der Gewalt im sozialen Nahbereich als Spiegel der Weltpolitik auseinander. Das Hamburger Abendblatt führte aus: „Borger arbeitete mit Regisseurin Christine Eder und ihrem Team während der Proben in positiv kreativer Reibung am Text weiter.“[9] Zusammen mit den Stücken Mlatko (erstaufgeführt im Theaterdiscounter Berlin, gefördert vom Hauptstadtkulturfonds) und Frauen in Stücken bildet der Text die Kriegstrilogie. Die Theatertexte der Kriegstrilogie basieren auf dokumentarischem Material und haben somit Nähe zum Dokumentartheater.

Clubtheater

Einen weiteren Schwerpunkt von Borgers Dramatik bildet das Clubtheater, angefangen mit seinem Theaterstück Lieber Freund, das 1999 im Dunckerclub Berlin uraufgeführt wurde, bis zu seiner Rolle als Conférencier in Tannhauser’s Dance of Love im Klunkerkranich, Berlin 2013.

Filmregie

Borgers filmische Arbeiten stehen in der Tradition des Autorenfilmes. Nach Motiven seines Theaterstücks Liebe & Armut inszenierte Borger 2004 die Kurzfilmtrilogie Trilogie von Liebe und Armut mit David Bredin und Eva Renzi in ihrer letzten Rolle. 2010–2013 entstand Borgers 5 Teile umfassender Kurzfilmzyklus sérieBERLINnoire. Dieser ist eine ästhetische und inhaltliche Auseinandersetzung mit der Nouvelle Vague. Die Filme sind in Schwarzweiß gedreht. Das urbane Berlin ist wie ein weiterer Akteur inszeniert. Im 2013 erschienenen Spielfilm Drei Finnen führte er Regie.[10]

Schauspiel

Nicolai Borger spielte in über 40 Theaterproduktionen. Hauptrollen verkörperte er etwa an der Studiobühne des Hamburger Thalia Theaters (1999; in Revolution mit Hund, Die Zweite), oder in der Titelrolle der Berliner Bühnenfassung des Kultfilmes Barton Fink (2001; Saalbau Neukölln)[11]. Im Film war er zunächst vornehmlich in deutschen Independent-Filmen und internationalen Produktionen zu sehen; wie Anthropoid, an der Seite von Cillian Murphy und Jamie Dornan (2016, Regie: Sean Ellis). Im deutschen Film und Fernsehen steht er mit Stars wie Alexandra Maria Lara (Und der Zukunft zugewandt, Regie: Bernd Böhlich, 2019), Jürgen Vogel, Thomas Heinze (Blochin – Das letzte Kapitel, Regie: Matthias Glasner, 2017) und Anne Menden (Gute Zeiten, schlechte Zeiten, 2018) vor der Kamera.[12]

Borger ist sowohl im Independentfilm als auch in kommerziellen Produktionen tätig. In Serienproduktionen wird er häufig in festen Typisierungen besetzt. So verkörperte er 2020 in der Amazon‑Prime‑Serie Deutschland 89 den Auftragskiller Rolf in einer wiederkehrenden Nebenrolle. 2023 war er in der Serie Das Küstenrevier als Mikkel Holm zu sehen.[13] 2025 in der Rolle eines Unterweltbosses in Babo – Die Haftbefehl-Story.[14]

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2004: Teilnahme an den Autorentheatertagen des Thalia Theaters Hamburg mit einer Inszenierung des Theaterstückes „Kriegsmaschine“
  • 2005: Teilnahme am Berliner Theatertreffen der Berliner Festspiele mit einer Inszenierung des Theaterstückes „Plastik“
  • 2014: „Berlin Highlight“ beim Achtung Berlin-new berlin film award für „Drei Finnen“
  • 2019: „Bester Spielfilm/Max-Ophüls-Preis“ beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis für „Das melancholische Mädchen
  • 2019: „Bester Spielfilm“ beim Neiße Filmfestival für „Das melancholische Mädchen“
  • 2023: „Beste männliche Nebenrolle“ beim Sittannavasal International Film Festival

Filmographie

Als Autor und Regisseur

2004: Trilogie von Liebe und Armut

  • Kinderverlierer
  • Bärchenmärchen
  • Hundstage

2010–2012: sérieBERLINnoire

  • Fashion (2010)
  • an Actor (2011)
  • Asphalt (2011)
  • Mir (2012)
  • Kriegskind (2012)

2014: Drei Finnen

  • Du wieder (2020)
  • Nicolai Borger-Making of Love Wins (2022)

Als Schauspieler

Theaterstücke (Auswahl)

  • Lieber Freund (1999)

Global Ghetto

  • Vinyl (2001)
  • Bartlebeat (2002)
  • Plastik (2003)
  • Kerosin (2004)
  • Liebe & Armut (2006)
  • Einsame Menschen alleine (2007)
  • Einsame Menschen zu zweit (2008)

Kriegstrilogie

  • Kriegsmaschine (2001)
  • Mlatko (2006)
  • Frauen in Stücken (2006)

Einzelnachweise

  1. Deutschland 89 – Full Cast & Crew. In: IMDb. Abgerufen am 3. November 2025.
  2. Lukas Weyell: Interview: „Die große Freiheit“. In: Spiegel Geschichte. Nr. 4, 2024, S. 134 (spiegel.de).
  3. Green Film Award Baden-Baden. In: FilmFreeway.
  4. Dirk Rosenberger: Erste große Rolle mit Mario Adorf. In: Bergsträßer Anzeiger. 23. Dezember 2013, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  5. Grelles Gegengift Multi-Kulti und Musikbusiness: Der Nachwuchs-Autor Nicolai Borger im Gespräch mit Christiane Enkeler. In: tt festivalzeitung! Nr. 3, 12. Mai 2005, ZDB-ID 2534319-1, S. 5 (berlinerfestspiele.de [Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive] [PDF]).
  6. Cora Knoblauch: Radioeins-Feature über die Premiere von Liebe & Armut, 2007.
  7. Nicolai Borgers Parallelgeschehen. Premierenrezension. In: Berliner Zeitung. 2005.
  8. Berliner Zeitung. 30. März 2007.
  9. "Theater braucht existenzielle Verausgabung". In: Abendblatt.de. 15. Juni 2004, abgerufen am 18. Juli 2018.
  10. Drei Finnen. In: Indiekinomag. Abgerufen am 18. Juli 2018.
  11. Anouk Meyer: Konflikte, die am Ende jeden berühren. In: Neues Deutschland. 29. September 2001, abgerufen am 18. Juli 2018.
  12. Nicolai Borger bei Crew United, abgerufen am 18. Juli 2018.
  13. Das Küstenrevier. Internet Movie Database, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  14. Babo – Die Haftbefehl Story. Internet Movie Database, abgerufen am 31. Oktober 2025.